Wenn Rettungshubschrauber Christoph 9 am Boden bleiben muss

Der Hubschrauber vom Typ EC 135 T2i.  Foto: Stephan Eickershoff
Der Hubschrauber vom Typ EC 135 T2i. Foto: Stephan Eickershoff
Foto: WAZ

Duisburg.. Was passiert, wenn der Rettungshubschrauber Christoph 9 einmal ausfällt? „Selbst wenn ein Hubschrauber ausfallen würde, wäre das kein Problem“, betont der Sprecher der Bundespolizei. Dann würde eine Ersatzmaschine nach Duisburg beordert.

Das Ereignis hatte absoluten Seltenheitswert: Am vergangenen Freitag konnte der Rettungshubschrauber Christoph 9 nach einem Einsatz an der Haarbeckschule in Neukirchen-Vluyn nicht mehr abheben. Der Grund: Das Kontrollsystem an Bord hatte einen Triebwerkschaden gemeldet. Die Verletzte, eine Schülerin, musste mit einem Rettungswagen in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik nach Duisburg gefahren werden.

„Kein Problem, das ist nicht der einzige Fall, in dem Verletzte zwar durch einen Notarzt aus „Christoph 9“ versorgt, aber nicht mit dem Helikopter transportiert werden“, macht Ralf Schnurr, Sprecher der Fliegergruppe der Bundespolizei in St. Augustin bei Bonn deutlich.

Nach dem Zwischenfall wurden sofort Mechaniker aus an den Niederrhein beordert, um den Eurocopter durchzuchecken. Das Ergebnis: Der Hubschrauber ist voll funktionstüchtig. „Wir vermuten, dass eine Verschmutzung die Fehlermeldung bewirkt hatte“, so Schnurr.

Wartung alle 25 Flugstunden

Täglich vor Dienstbeginn wird der Helikopter überprüft, alle 25 Flugstunden ist eine Wartung angesetzt. In vorgeschriebenen Intervallen werden Verschleißteile erneuert. „Selbst wenn ein Hubschrauber ausfallen würde, wäre das kein Problem“, betont der Sprecher der Bundespolizei. Dann würde eine Ersatzmaschine nach Duisburg beordert. „Wir benötigen eine Stunde, um die entsprechenden medizinischen Einrichtungen umzumontieren“, so Schnurr.

1131 Einsätze hat der Rettungshubschrauber Christoph 9 im Jahr 2010 geflogen und dabei 325 Patienten transportiert. 360 Flugstunden war der Helikopter dabei in der Luft.

Der Einsatzradius des Hubschraubers beträgt 50 bis 70 Kilometer im Umkreis von Duisburg, umfasst Teile des Ruhrgebiets, des Bergischen Landes und den gesamten Niederrhein. Bis nach Holland hinein ist der knatschorange Helikopter aus Buchholz unterwegs. Trotzdem kann die rund zehn Millionen Euro teure Maschine mit einer Höchstgeschwindigkeit von 257 Stundenkilometern in nur 15 Minuten alle Punkte ihres Einsatzgebietes erreichen.

Über den Einsatz entscheidet die Rettungsleitstelle der Berufsfeuerwehr Duisburg. In nur zwei Minuten muss der Helikopter einsatzbereit sein. Angefordert wird der fliegende Doktor, wenn entweder besondere Eile geboten oder der Einsatzort für Rettungsfahrzeuge nur schlecht erreichbar ist. Zum Beispiel bei Staus. Auch für Transporte in Spezialkliniken steht der Hubschrauber zur Verfügung.

Leitstelle entscheidet

An Bord befindet neben dem Piloten und einem Notarzt auch ein Rettungsassistent der Duisburger Feuerwehr. Der Helikopter ist übrigens – streng genommen – primär gar nicht für die Luftrettung zuständig, sondern für den Zivil- und Katastrophenschutz. Da aber solche Schadensfälle glücklicherweise ziemlich selten sind, ist der Bund dauerhaft damit einverstanden, dass „Christoph 9” auch zur Luftrettung entliehen werden kann.

Der Eurocopter 135 ist übrigens erst die dritte Maschine, die in Duisburg eingesetzt wird. Die erste MBB BO 105 wurde 1975 in Dienst gestellt und hatte satte 20 Dienstjahre auf dem Buckel, bevor sie 1995 von einem 30 Zentimeter längeren Helikopter gleichen Typs ersetzt wurde. Die wurde 2008 nach zwölf Dienstjahren verkauft. Vorher allerdings kam Christoph 9, die zweite Generation, sogar zu philatelistischen Ehren. Die Maschine wurde auf Wohlfahrtsmarken verewigt.

 
 

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