Weg vom Erdgas!

Tobias Appelt
Auch wenn das Land die Erdgassuche mittels der umstrittenen Fördermethode „Fracking“ vorerst gestoppt hat, sorgt das Thema nach wie vor für Aufregung am Niederrhein. Deutlich wurde dies auch bei einer Bürgerversammlung am Mittwochabend in Hamminkeln.

Am Niederrhein. „Niemand ist momentan auf der sicheren Seite“, warnte der Hamminkelner Grünen-Politiker Johannes Flaswinkel. „Das Problem ist nur aufgeschoben, keinesfalls aufgehoben.“ Die Landesregierung in Düsseldorf entschied, dass Probebohrungen erst wieder genehmigt werden, wenn es ein offizielles Gutachten über die Gefahren des Frackings gibt. Dieses Expertenpapier soll bereits im Sommer 2012 vorliegen.

Beim „Fracking“ pumpen Gaskonzerne mit Hochdruck einen brisanten Cocktail aus Wasser, Sand und teils gefährlichen Chemikalien unter die Erde, um so Gas aus tief liegenden Bodenschichten zu lösen. Gegner kritisieren, dass dadurch eine nicht abzuschätzende Gefahr für die Wasservorräte der Region ausgeht. Ferner sei es möglich, heißt es, dass durch Fracking Erdbeben ausgelöst werden.

Vertreter von „BritishGas“ kam nicht

Befürworter halten dagegen, die Technik sei erprobt und sicher. Dies bekamen die Hamminkelner Bürger jedoch nicht zu hören, da der Vertreter des Unternehmens „British Gas“, das sich die Bohr-Rechte für das 650-Quadratkilometer-Feld „Saxon I West“ (unter anderem Wesel, Hamminkeln, Emmerich, Kleve) gesichert hatte, der Versammlung überraschend fernblieb. Aus Termingründen sei er verhindert, hieß es.

Anders lief es im Mai, als sich Vertreter des Unternehmens Thyssen in Hamminkeln den Fragen der Bürger stellten. Thyssen teilt sich mit weiteren Firmen den 320-Quadratkilometer-Claim „WeselGas“, wo man jedoch auf den Einsatz von Fracking verzichten will. Dies sei eine vorläufige Hinhalte-Taktik, sagen Kritiker. Rohstoffe wie etwa Gas werden künftig knapper – und somit teurer. „Die Unternehmen werden es so lange hinauszögern, bis sich die Förderung für sie lohnt“, vermutet Bürgermeister Holger Schlierf.

Kritik wurde in Hamminkeln am Bergrecht geäußert, das angesichts der neuen Technologien nicht mehr zeitgemäß sei. Jüngst hatte das Land NRW eine Novelle des Gesetzes im Bundesrat vorgeschlagen. Ohne Erfolg. Ziel wäre auch eine stärkere Einbindung der Öffentlichkeit bei Fracking-Vorhaben gewesen. Ein Vertreter des Bergamts, ebenfalls eingeladen, der die Sorgen der Bürger hätte zerstreuen können, erschien ebenfalls nicht zu der Versammlung.

In Hamminkeln, so das Fazit, werde man trotz des vorläufigen Fracking-Stopps, weiter gegen die Pläne der Unternehmen ankämpfen. „Was die Menschen hier bewegt, interessiert scheinbar niemanden – Wir haben aber auch Rechte und sind nicht dafür da, ausgenutzt zu werden“, zeigte sich Grünen-Sprecher Flaswinkel kämpferisch. Das letzte Wort ist also lange noch nicht gesprochen.