Was Frauen wirklich wollen zum Valentinstag

Anja Hasenjürgen

Am Niederrhein. Statt Blümchen: Wir fragten Gleichstellungsbeauftragte am Niederrhein nach ihren Wünschen zum Valentinstag. 1,5 Millionen Euro. Viele Frauen werden wohl am Valentinstag von Ihrem Liebsten ein Blümchen bekommen. Bestenfalls.

Soviel Umsatz bescherte der Valentinstag der Blumenversteigerung Veiling Rhein-Maas in Straelen-Heringen an nur einem Tag. Das ist der höchste Tagesumsatz seit dem Zusammenschluss der FloraHolland mit der deutschen Landgard. Für die Herzensdame wird es wahrscheinlich ein Strauß mit Rosen oder mit Tulpe, vermutlich in rosa oder rot. Denn das, so teilt de Veiling Rhein-Maas mit, sind weiterhin die Verkaufsrenner. Ganz innovative Herren wählen Frühlingsblumen, Ranunkeln oder Anemonen, pastellfarbene. Abgesehen davon, dass es ganz hinreißend ist, wenn Er überhaupt an Sie denkt: Sind Rosen und Tulpen in Rosa und Rot das, was Frauen sich wirklich wünschen? Das haben wir Frauen gefragt, die sich mit Frauen von Amts wegen auskennen: die Gleichstellungsbeauftragten am Niederrhein.

Blümchen und liebevolle Worte sind schön. Annette Valenta, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Kevelaer, aber rät: „Am Niederrhein sagen wir ja immer: Nit quake . make! Heißt: Nicht nur über Gleichstellung reden, sondern sie auch in die Realität umsetzen.“

„Nit quake - make!“

Das wünschen sich viele vor allem in Hinblick auf die derzeit diskutierte Frauenquote. Monika van Heek, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goch etwa: „Eine 50-Prozent-Quote für Frauen“ - fällt ihr spontan zu Valentins-Wünschen ein. „Wobei,“ so fügt sie hinzu: „Ich will ja nicht träumen: Mit 30 Prozent wäre ich auch schon zufrieden.“ Auch ihre Dinslakener Kollegin Marianne Lauhof ruft: „Gleichberechtigung, jetzt! Vor allem in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und bei der Frauenquote.“

In Norwegen, weiß Cornelia Hüsch, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Neukirchen-Vluyn, zu berichten, ist das schon geschehen. „Dort gibt es seit 2003 eine Frauenquote. Seitdem ist die Wirtschaft im Jahresdurchschnitt um zwei Prozent gewachsen. Natürlich sind Frauen qualifiziert - sie benötigen aber derzeit noch eine Krücke, weil sie einfach nicht im Blickpunkt sind. Männer fragen Männer. Ich meine aber, dass gemischte Teams effektiver arbeiten - das trifft auch auf Vorstände zu. Und eine Aufsichtsratssitzung muss ja nicht um 18 Uhr beginnen. Das geht auch um 9 Uhr, so dass es mit Familien vereinbar ist.“ Sie wünscht sich, „dass über die Frauenquote nicht so negativ diskutiert wird - in den Medien, von Männern und auch von Frauen.“

Barbara Folkerts, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Moers, möchte überhaupt nicht mehr über Quoten diskutieren müssen: „Ich wünsche mir, dass es selbstverständlich ist, dass alle, Frauen und Männer, die gleichen Möglichkeiten haben.“ Sie erinnert daran, dass „bis 1976 Männer noch unterschreiben mussten, wenn ihre Frau arbeiten wollte.“ Und sie erinnert an das Motto des Weltfrauentages im Jahr 1986: „Brot und Rosen. Das Brot stand für gleichen Lohn und die Roen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Seitdem ist nicht so viel passiert.“

Aufsichtsratssitzung um 9 Uhr statt abends

Anke Schott, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Hünxe, denkt vor allem an Frauen, die Opfer von Gewalt werden: „Als Gleichstellungsbeauftragte kann ich mir nur wünschen, dass aus Liebe nicht so oft Hiebe werden.“

Frauen, so findet Andrea Perau, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Wesel, „sind in vielen Bereichen der Gleichberechtigung ein Stück nähergekommen. Eine tatsächliche Gleichstellung gibt es bis heute trotz aller Fortschritte nicht - weder in Beruf noch in der Gesellschaft. Ich wünsche mir für Frauen, dass die Umsetzung der Gleichberechtigung an Realität gewinnt und dass sich viele, Männer und Frauen, dafür einsetzen, dass das erreicht, gelebt und selbstverständlich wird.“

Yvonne Tertilte-Rübo, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Kleve, wünscht sich: „Am Valentinstag würde ich gerne mit meinem Freund auf dem Rad durch Amsterdam fahren - und zwar so, dass ich hinten drauf sitze und mein Freund strampelt“, erzählt sie schmunzelnd. Tatsächlich radeln die beiden am Valentinstag - allerdings ganz gleichberechtigt: Jeder auf seinem Rad.

Heike Kemper, Gleichstellungsbeauftragte in Wesel, weiß schon seit mehreren Tagen, „dass mein Wunsch zum Valentinstage erfüllt wird: Ich gehe mit meinem Mann abends essen - darauf freue ich mich sehr. Unser 13-jähriger Sohn schläft bei den Großeltern. Anderen Frauen wünsche ich, dass sie auch einen so aufmerksamen Partner haben, der an sie denkt.“