War Toni Turek wirklich ein Fußballgott, Herr Eckel?

Ingo Plaschke
Horst Eckel, Weltmeister von 1954, hier 2008 bei einem PR-Termin im APX in Xanten.
Horst Eckel, Weltmeister von 1954, hier 2008 bei einem PR-Termin im APX in Xanten.
Foto: NRZ Marc Albers
Nein, sagt Horst Eckel, sein ehemaliger Mannschaftskamerad aus der Herberger-Elf. Über das Denkmalfür den Torwart, das 60 Jahre nach dem WM-Sieg enthüllt werden soll, freut er sich dennoch

Duisburg/Düsseldorf.  60 Jahre „Das Wunder von Bern“. Am 4. Juli 1954 wird Deutschland zum ersten Mal Fußball-Weltmeister. Im Tor für Deutschland damals: Toni Turek. Seine Paraden im Endspiel gegen Ungarn machen ihn als „Fußballgott“ berühmt. Jetzt bekommt der gebürtige Duisburger sein Denkmal – in Düsseldorf. Hier spielte er sechs Jahre lang für die Fortuna. Endlich. Darüber freut sich besonders Horst Eckel, einer von zwei noch lebenden 54er WM-Helden.

Herr Eckel, einen 82-Jährigen darf man diese Floskel zu Beginn eines Gesprächs wohl fragen: Wie geht es Ihnen?

(lacht) Ach ja, wie es einem alten Mann eben geht. Ich würde sagen: im Moment gut.

Von 1952 bis 1958 spielten Sie 32 Mal für Deutschland, nahmen an den Weltmeisterschaften 1954 in der Schweiz und 1958 in Schweden teil. Ich nehme mal an, die WM in Brasilien verfolgen Sie gerade am Fernseher.

Natürlich. In der Vorrunde habe ich mir immer die beiden ersten Spiele angesehen, um 18 und um 21 Uhr. Das Spiel um null Uhr war mir dann aber doch immer zu spät – aber das ist jetzt ja vorbei.

Zurück zur WM 1954, insbesondere zu Torwart Toni Turek. Ihm soll in wenigen Tagen in Düsseldorf ein Denkmal gesetzt werden.

Ich habe davon gehört, das ist ja schon länger im Gespräch. Jeder, der den Namen Toni Turek hört, denkt an die Stadt Düsseldorf und den Verein Fortuna Düsseldorf.

Die Enthüllung und Einweihung des Toni-Turek-Denkmals soll am fußballhistorischen 4. Juli sein. Werden Sie auch dabei sein?

Am 4. Juli kann ich leider nicht, da bin ich unterwegs. Aus dem Kopf heraus weiß ich aber gerade nicht, wo ich dann sein werden, da müsste ich nachschauen. Irgendetwas ist in diesen Tagen immer. Langsam wird ein bisschen viel, aber ich werde es überstehen.

Hat Toni Turek denn ein Denkmal verdient?

Natürlich! Weil er ein guter Torwart war.

Toni Turek ist jetzt seit 30 Jahren tot. Sagen Sie uns bitte, was für ein Typ war er?

Es wird öfter geschrieben, er war gemütlich und abgeklärt – und das kann man wohl so sagen.

Also war er doch keine rheinische Frohnatur?

Doch, doch. Er hat oft etwas zum Spaß gemacht. Er gehörte auch immer zu denen, die etwas getan haben, wenn die Mannschaft zurücklag und wiederkommen musste.

Wie kamen Sie als Pfälzer Bub mit dieser rheinischen Art zurecht?

Ich fand das gut! (lacht) Was er gemacht hat, war ja auch nicht verkehrt.

Bundestrainer Sepp Herberger war da anderer Meinung, liest man hier und da.

Ach ja, das stimmt schon. Sepp Herberger hat es eben nicht gerne gesehen, wenn jemand so lustig war.

Toni Turek war mit 35 Jahren damals der älteste Spieler der deutschen Nationalmannschaft. War er damit automatisch eine Respektperson.

Abgesehen davon, dass er einfach ein guter Mann war: Wer immer eine Frage hatte, konnte zu ihm kommen, er hat immer eine Antwort darauf gehabt. Deshalb war er innnerhalb der ganzen Mannschaft angesehen.

Sie waren damals mit 22 Jahren der jüngste Spieler der Endspielelf. War Turek ein Vorbild für Sie?

Ja, das war er. Weil er immer ein Sportler war und sich entsprechend verhielt. Und weil er immer ein Mensch geblieben ist. Auch nach dem großen Erfolg ist er bescheiden gewesen. Später sind wir Freunde geworden.

Toni Turek hat die vermeintlich besten Jahre eines Fußballerlebens im Krieg verbringen müssen. Sie dagegen waren bei Kriegsende gerade mal 13 Jahre alt. Haben SIe jemals mit ihm darüber gesprochen.

Nein. Wenn überhaupt, dann war das innerhalb der Mannschaft nur für die älteren Spieler, die den Krieg wirklich miterlebt haben, ein Thema. Aber nicht für mich, ich war damals ein kleiner Junge, der keine Ahnung davon hatte.

Was für ein Torhüter war Toni Turek?

(lacht) Kein Flieger! Er hatt ein gutes Auge. Deshalb stand er auch immer dort, wo der Ball hingeflogen kam.

Nicht wenige Fußball-Experten behaupten: Bernd Trautmann war in den 1950er Jahren der beste deutsche Torhüter. Er durfte aber nicht in der Nationalmannschaft spielen, weil er damals in England war.

Das kann ich nicht beurteilen, weil ich den Trautmann nicht so gut gekannt habe.

Hatte der Radio-Reporter Herbert Zimmermann Recht, als er jubelte: „Toni, du bist ein Teufelskerl.“

(lacht) Ja.

Und war Toni Turek auch ein „Fußballgott“, wie Zimmermann meinte?

Nein. Ich finde, das kann man so nicht sagen. Das Wort „Gott“ gehört nicht zu einem Fußballspieler.






INFO:

Eine Gedenktafel in Duisburg, ein Stadion in Erkrath, eine Straßenbahn in Düsseldorf und die Geschäftsstelle der dortigen Fortuna tragen seinen Namen: Toni Turek. Ein richtiges Denkmal aber, also eine Skulptur des Fußballtorhüters, gab es bislang noch nicht.

Das soll am kommenden Freitag nachgeholt werden. Auf den Tag genau 60 Jahre nach dem Wunder von Bern. Als der legendäre Radio-Reporter Herbert Zimmermann in der 66. Minute begeistert jubelte: „Turek, du bist ein Teufelskerl. Toni, du bist ein Fußballgott.“

Die Idee zum Denkmal ist in der Fankurve von Fortuna Düsseldorf entstanden. Björn Bogerding sammelte für die Realisierung Geld übers Internet. Mit Erfolg.

In einer kleinen Feierstunde soll am 4. Juli ab 15 Uhr das neue Toni-Turek-Denkmal neben der Esprit-Arena (Arena-Straße) eingeweiht werden. Dazu eingeladen wurde unter anderem eine andere Torwartlegende: Sepp Maier.

In dem Dorf an Düssel endet damit eine provinzielle Posse. Ein vorab als Toni-Turek-Straße eingeweihter Weg in einem geplanten Neubaugebiet wurde nie fertig gestellt, und das Straßenschild wieder entfernt. Ein geplanter Toni-Turek-Platz mit Gedenktafel wurde nach Protesten von Anwohnern nicht verwirklicht.

Nun endlich soll Anton Turek sein Denkmal bekommen, der 1919 in Wanheimerort geboren wurde und 1984 in Neuss starb – und den alle Welt „Toni“ nannte.