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Vom Suchen und Finden der Schimanski-Drehorte - Trio mit ungewöhnlichem Hobby

22.05.2012 | 09:00 Uhr
Die Schimanski-Tatort-Fans: (v.l.) Marc Broja, Christoph Rauer und Gilbert Goetze. Foto: Lars Fröhlich /WAZ Foto Pool

Duisburg.   Diese drei jungen Männer haben ein ungewöhnliches Hobby: Schimanski-Drehorte suchen, finden und besuchen. Sie lokalisierten bis heute rund 75 Schauplätze der Tatort-Filmarbeiten in Duisburg. Im Jahr 2011 trafen sich Marc Broja und Christoph Rauer zum ersten Mal - virtuell auf der Internetseite des Tatort-Forums.

Szene 1, Klappe, die Erste. „Action“ und „Film ab“: „Guck’ mal, da vorne, das ist die Wand an die Thanner mal gepinkelt hat“. Marc Broja kennt sich da aus. „Wie? Die da? War das, als Schimmi dann um die Ecke kam? Das war doch in der Folge ‘Kuscheltiere’.“ Christoph Rauer erinnert sich sofort an die Filmszene. „Und da hinten auf der Arnoldstraße, da bin ich damals als Komparse beim Dreh zu ‘Schuld und Sühne’ mit dem Fahrrad vor dem Puff lang geradelt. Wisst ihr noch? Da haben wir uns kennen gelernt“, sagt Gilbert Goetze.

Zu sehen ist ein brachliegendes Gelände in Duisburg-Bruckhausen. Im Hintergrund die Kokerei, eine begehrte Filmkulisse in Duisburg. Im Vordergrund drei junge Männer vor einem Auto in ihrem Element: Schimanski-Drehorte suchen, finden und besuchen. Das ist ihr Hobby.

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Szene 2, Klappe, „Action“: Ruhrort, das Café Kaldi auf der König-Friedrich-Wilhelm-Straße. In einer Schimanski-Folge ist es die Kneipe „Zum Anker“. Heute treffen sich hier gerne Fans. Bilder des Kriminalhauptkommissars aus dem Duisburger Tatort schmücken die Wand, Souvenirs wie „Schimi“-Postkarten und -T-Shirts werden angeboten. Die „Drehorte-Junkies“, wie sich die drei jungen Männer aus Düsseldorf, Bochum und Duisburg nennen, sitzen an einem der Tische. Und tauschen sich über ihre Erinnerungen an den Beginn ihrer Schimanski-Leidenschaft aus: Es war in der Kindheit, da sind sich die Drei - heute alle in den Dreißigern - einig. „Mein erster war die Folge ‘Moltke’“, sagt der Düsseldorfer Gilbert Goetze. „Ich war elf Jahre alt.“ Der von Götz George gespielte Tatort-Kommissar Horst Schimanski hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei dem Jungen. In seiner Jugend in den 90ern nimmt Gilbert Goetze alle Fernseh-Wiederholungen auf Video auf. „Da war ich in dem Alter, in dem alle wollen, dass man sich korrekt ausdrückt. Und dann war da dieser Tatort-Kommissar, der sich so verbal daneben benahm. Das passte einfach gut.“

Marc Broja, Gilbert Goetze und Christoph Rauer (v.l.) vor der der Hochofen-Kulisse in Bruckhausen. Foto: Lars Fröhlich

Auch Christoph Rauer aus Bochum gefällt als Jugendlicher das „abgefuckte Ambiente der Filme“. Als er dann 2001 mit dem Lehramtsstudium in Duisburg beginnt, begibt er sich auf Schimmi-Spurensuche. „Viele Orte habe ich plötzlich hier wiedererkannt.“ Seine Leidenschaft für die Schimanski-Drehorte ist geweckt. Er führt Buch über die Schauplätze, die er findet. „Ich bin halt ein Ruhri-Kind. Da hat mich das Lokalkolorit der Filme begeistert.“

Lokalkolorit? Für Marc Broja ist es weit mehr als das. Duisburg, das ist seine Heimat. „Ich fand es einfach unheimlich spannend, dass diese Filme hier in meiner Stadt gedreht wurden.“

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Szene 3, Klappe, „Film ab“: Eine Straße in Duisburg-Mitte vor 25 Jahren. Zu sehen ist ein Autostunt. Und ein Jugendlicher, der hinter der Absperrung begeistert zuschaut. „Es war ein Dreh für den zweiten Schimanski-Kinofilm ‘Zabou’“, sagt Marc Broja. Zum ersten Mal ist er so nah an der fiktiven Welt des Films, die plötzlich real ist. Das Drehorte-Fieber packt ihn.

Schimanski bald wieder im TV

„Gut, ich war 14 Jahre alt und etwas eingeschränkt: ich hatte keinen Führerschein, kein Auto und keine Ahnung.“ Doch er versucht es auf gut Glück, sucht nach der Schule die großen Lkw der Filmcrew. Manchmal erfährt er aus der Zeitung, wo gedreht wird. „In den 80ern war Götz George ja gefühlt ständig in der Stadt“, meint Marc Broja. „Es war einfach so ein tolles Flair am Set. Ich wollte Filmluft schnuppern. Und ich war total gespannt, wie die Szene hier aus Duisburg wohl hinterher im Film aussehen würde.“

Seit 1987 war er beinahe bei jedem Schimanski-Dreh dabei.

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Die drei Schimanski-Fans vor der Hafen-Kulisse in Duisburg-Ruhrort. Foto: Lars Fröhlich

Szene 4, Klappe, „läuft“: Ruhrort, das Hafenbecken an der Firma Kleinholz. Unzählige Male diente diese Szenerie als Filmkulisse. Nicht nur bei den Schimanski-Folgen. Gilbert Goetze, Christoph Rauer und Marc Broja waren schon häufig hier: Auf der Suche nach dem genauen Drehort einzelner Szenen. Gilbert Goetze fand die Film-Schauplätze im Internet über Google-Maps. Christoph Rauer und Marc Broja suchten sie direkt vor Ort in Duisburg. „Das ist wie eine Droge“, erzählt Broja von seiner Drehorte-Sucht. „Als ich anfing, wollte ich unbedingt wissen, wo jedes Gebäude aus dem Hintergrund einer Szene steht, an welcher Bude sich Schimmi seine Currywurst holt.“ Etwas aus dem Hintergrund im Film muss erkennbar sein. Dann wird recherchiert: im Internet, anhand von Karten, entlang der Straßen, bei der Filmcrew und dem Studio, bei Bekannten, Freunden und der Familie. „Innenaufnahmen sind immer schwierig. Dazu kann man nur etwas von der Filmcrew erfahren“, weiß der Experte.

Über Jahre tragen die Drei ihre Funde zusammen. Jeder für sich, ohne zu wissen, dass es einen der anderen überhaupt gibt. 2011 treffen sich Marc Broja und Christoph Rauer dann zum ersten Mal: virtuell auf der Internetseite des Tatort-Forums. Kurz darauf persönlich an einem Drehort des Films „Schuld und Sühne“. Und lernen dort auch gleich Gilbert Goetze kennen. „Ich war aber eigentlich nur Komparse in dem Film, weil ich weder über das Internet noch auf anderem Wege herausfinden konnte, wo gedreht wird.“ Sein Ziel war der Film-Schauplatz, mehr nicht.

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Szene 5, Klappe, die Letzte, „Film läuft“: Noch einmal sind Bruckhausen und Obermeiderich zu sehen. Im Vorbeifahren. „Hier war die Kneipe ‘Wolfsschlucht’.“ Marc Broja deutet auf ein ziemlich heruntergekommenes Haus. „Aber da ist jetzt ein Verein drin und die lassen mich nicht rein.“ Manchmal ist es eben auch ein schwieriges Hobby. „Ein ziemlich beklopptes sowieso“, meint Broja. „Aber es ist nur eine Freizeitbeschäftigung, nicht unser Leben“, versichert Gilbert Goetze. Andere Menschen wissen, in welcher Minute eines Fußballspiels vor 30 Jahren ein bestimmter Spieler mit seinem rechten oder linken Fuß aus welcher Entfernung ein Tor schoss. Die „Drehorte-Junkies“ wissen dagegen eben alles über Horst Schimanski, die Filmdrehs in Duisburg und an welche Wand Thanner in der Folge „Sünde“ pinkelt. Ganz so viele Schimanski-Drehorte-Fans wie Fußball-Fans gibt es zwar nicht. Doch der Schimanski-Spur folgen im Drehorte-Blog der Drei mittlerweile rund 20 000 Besucher...

Szenen aus Duisburg

Insgesamt wurden 27 Tatort-Folgen mit Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski gedreht, zwei Schimanski-Filme sowie 16 Folgen der Fernsehreihe „Schimanski“. Viele Szenen spielen in Duisburg, einige wurden aber auch in München und Köln gefilmt. Die drei „Drehorte-Junkies“ Gilbert Goetze, Christoph Rauer und Marc Broja konnten mittlerweile rund 75 Schauplätze der Filmarbeiten in Duisburg lokalisieren. „Etwa zehn Orte sind schätzungsweise noch offen“, so Goetze. Welche Arbeit sich die Drei bisher mit ihrem etwas außergewöhnlichen Hobby gemacht haben, kann man im Internet unter www.schimanski-drehorte.blogspot.com bewundern.

Wer sich selbst einmal einige Schimanski-Drehorte in Duisburg anschauen möchte und nicht alleine losziehen will, kann an der DU-Tours-Führung „Auf Schimanskis Spuren durch Ruhrort“ teilnehmen (Termine: 3. Juni, 26. August, 16. September, jeweils um 11 Uhr, Kosten 22 Euro, inklusive Schimmi-Teller). Die Tour führt zu einem Teil der Orte, die von den drei „Drehorte-Junkies“ ausfindig gemacht wurden. Weitere Infos hierzu im Netz unter www.du-tours.de.

Elke Wiegmann


Kommentare
22.05.2012
14:03
Vom Suchen und Finden der Schimanski-Drehorte - Trio mit ungewöhnlichem Hobby
von Duisburg1970 | #1

Ich bin zwar kein Hardcore-Fan, kenne aber auch alle Folgen. Und "Sünde" ist eine Folge der Reihe "Schimanski" auf dem Jahr 2005. Das war 11 Jahre nach dem Tod von Eberhard Feik. Somit hat Thanner, der ausschließlich in der "Tatort"-Reihe auftrat, in dieser Folge an überhaupt keine Mauer gepinkelt.

2 Antworten
Vom Suchen und Finden der Schimanski-Drehorte - Trio mit ungewöhnlichem Hobby
von marctronic | #1-1

richtig. thanner hat in der folge "kuscheltiere" an die mauer gepinkelt ... .von "sünde" hat beim interview eigentlich niemand gesprochen ... aber so sind sie halt, die journalisten ;)

Vom Suchen und Finden der Schimanski-Drehorte - Trio mit ungewöhnlichem Hobby
von elwi | #1-2

Vielen Dank für den Hinweis!

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