Viel zu wenig getan

Markus Peters
Erich Staake,Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG. Foto: Ilja Hoepping / WAZ FotoPool
Erich Staake,Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG. Foto: Ilja Hoepping / WAZ FotoPool
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Die Logistik-Infrastruktur am Niederrhein reicht nicht aus, um den steigenden Verkehr aufzunehmen

Am Niederrhein. Der Ton ist zwar versöhnlicher geworden, aber den Spott kann sich Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG, nicht ganz verkneifen: „Ich habe den Eindruck, dass die Welthäfen am Niederrhein noch etwas Zeit brauchen“, kommentierte der 58-Jährige gestern auf einer Podiumsdiskussion der DGB-Region Niederrhein ironisch den jahrelang andauernden Findungsprozess der Häfen im Kreis Wesel.

Allerdings bekundete Staake sein Interesse, bei einer Entwicklung am Niederrhein helfen zu wollen. „Wir wollen keine Häfen übernehmen, sondern bieten unser Know-How an.“ Allerdings machte der Manager auch deutlich, dass der Duisburger Hafen nicht auf die Flächen im Lippemündungsraum angewiesen sei. „Wir haben für die kommenden 30 Jahre Zugriff auf alle freiwerdenden Bergbauflächen“, betonte Staake.

Entspannte Diskussion

Das macht die Diskussion über eine mögliche Zusammenarbeit aus Sicht seines Vorstandskollegen Markus Bangen entspannter. „Es ist nie gut, wenn Kooperationsgespräche aus Abhängigkeiten heraus geführt werden.“ Gleichwohl bestätigte auch Bangen das Interesse der Duisburger an einer Kooperation mit der zu gründenden Hafengesellschaft in Wesel. Aber zunächst müsse der Findungsprozess im Kreis abgeschlossen werden. Da seien noch einige Fragen zu klären, zum Beispiel wer für die Sanierungskosten des maroden Weseler Stadthafens aufzukommen habe.

Die Diskussion um die Häfenkooperation am Niederrhein zieht sich allerdings ähnlich quälend lange hin wie die Planung wichtiger Verkehrsprojekte am Niederrhein wie zum Beispiel der Ausbau der „Betuwe-Linie“ und des „Eisernen Rheins“. „Was wir getan haben, ist zu wenig“, machte Jochen Ott, Verkehrspolitischer Sprecher der SPD im Düsseldorfer Landtag angesichts der Gütermengen, die über den Rotterdamer Hafen auf den Niederrhein zukommen werden, deutlich. Ott verwies darauf, dass die Niederländer längst entlang der Maas kleine Verteilzentren aufgebaut hätten, auf denen die aus Rotterdam kommende Ware vom Binnenschiff auf den LKW umgeladen werden sollen. „Die werden unsere Straßen mit LKW fluten, wenn wir mit dem Ausbau unserer Infrastruktur nicht fertig sind.

Dass kurzfristig noch Kapazitäten verfügbar sind, machte Jörg Rusche, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Binnenschifffahrt deutlich. Die Schiffer könnten ihre Kapazitäten kurzfristig verdoppelt. Damit sind sie allerdings der einzige Verkehrsträger mit Wachstumspotenzial. Die Betuwe-Linie zwischen Oberhausen und Emmerich ist längst nicht ausgebaut und die Diskussion um den „Eisenern Rhein“ kommentierte der DGB-Regionsvorsitzende Rainer Bischoff, ironisch: „Ich bin 53 Jahre alt, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 78 Jahren. Ich möchte noch erleben, dass auf dieser Strecke ein Zug fährt.“

Sechs Züge pro Woche

Nach Ansicht von Markus Bangen vom Duisburger Hafen stünden die Chancen dafür übrigens gar nicht schlecht. „Wenn wir über das Thema reden, wird häufig so getan, dass es sich um eine Neubau-Strecke handelt. In Wirklichkeit sind 170 von 176 Kilometer noch in Betrieb“ (allerdings einspurig und nicht elektrifiziert). Es gehe lediglich nur um ein kurzes Stück. Dem Hafen Duisburg würde es für den Anfang schon reichen, sechs Züge pro Woche auf die Reise nach Antwerpen schicken zu können.

Dass sich manchmal doch etwas bewegt, machte Thomas Keuer von Verdi deutlich. „Als ich vor 30 Jahren nach Wesel kam, wurde schon über die Rheinbrücke diskutiert. Jetzt ist sie endlich da.“