Verrückt nach Fliegern

Von Felix zur Nieden
Mathhias Mai und Heinz Schlosser verbringen ganze Tage am Flughafen, um möglichst jede Maschine abzulichten.
Mathhias Mai und Heinz Schlosser verbringen ganze Tage am Flughafen, um möglichst jede Maschine abzulichten.
Matthias Mai und Heinz Schlosser sind Plane-Spotter. Ihr Hobby ist es, Flugzeuge zu fotografieren

Weeze.  Der Himmel ist bedeckt, das Thermometer zeigt gerade einmal acht Grad und immer mal wieder kommen an diesem Morgen ein paar Tropfen aus den Wolken gefallen. Kein schöner Tag um draußen zu sein, doch Heinz Schlosser und Matthias Mai kümmert das Wetter wenig.

Sie haben Anderes im Sinn, Größeres, Faszinierenderes. Der Traum vom Fliegen ist auch ihr Traum. Flugzeuge haben es den beiden angetan. Sie sind Plane-Spotter – Flugzeug-Beobachter.

Heinz Schlosser und Matthias Mai haben sich an diesem Tag am Ende der Landebahn des Airports Weeze positioniert, um die vorbeirollenden Flugzeuge ganz besonders lange zu sehen.

10 000 Fotos im Archiv

Knapp 10 000 Fotos hat Matthias Mai in seinem Archiv, dabei ist er gerade einmal 23 Jahre alt. „Angefangen hat das im Spanien-Urlaub mit meinen Großeltern. Ich war gerade 14 Jahre alt und wir sind geflogen. Seitdem bin ich von Flugzeugen begeistert“, sagt er.

Im Moment büffelt er sogar für die Verkehrspiloten-Lizenz, um selbst einmal einen großen Jet fliegen zu dürfen. „Es ist reine Physik, aber dass sich ein 65 Tonnen schwerer Flieger in der Luft halten kann, ist immer wieder beeindruckend.“

Schon seit 1962 sind die Flieger Heinz Schlossers große Liebe. „Damals standen am Flughafen in Düsseldorf nur vier Maschinen, doch wen der Bazillus einmal gepackt hat, den lässt er nicht mehr los.“ Er muss es wissen, denn es gibt Tage, die verbringt er komplett am Flughafen. Von morgens bis abends. Manchmal sogar erst nach einem mehrstündigen Anflug. „Natürlich sind wird auch schon mal nach London oder Mailand geflogen, nur um dort Flugzeuge zu fotografieren“, sagt Schlosser. Und dabei geht es nicht nur darum, jeden Flugzeugtyp einmal abgelichtet zu haben. Nein, es geht auch um die verschiedenen Bemalungen. Vor allem die Regierungsflieger sind gern gesehene Fotoobjekte. Aber auch kleine Privatjets von wohlhabenden Unternehmern gehören in die inzwischen 12 000 Bilder umfassende Galerie von Heinz Schlosser.

Funk wird mitgehört

Da braucht es gute Informanten an den Flughäfen in der Umgebung und natürlich einen regen Austausch in der Spotter-Gemeinde. Mai und Schlosser sind Mitglieder im Hansa Jet e.V., ein Zusammenschluss von Flugzeug-Liebhabern. Im Internet informieren sich die Spotter, welche Rarität es wann, wo zu sehen gibt. Außerdem wird aus dem Auto der Funk der verschiedenen Tower in der Umgebung mitgehört – alles legal und mit Sprechfunkzeugnis. „Ein Beschäftigter des Bodenpersonals hat mal zu mir gesagt, dass es ihm im Traum nicht einfallen würde, einen Haufen gebogenes Blech zu fotografieren“, sagt Schlosser und lacht. Selbst bei Schnee und Eis ist er schon zum Flughafen gedüst, nur um einen kleinen Flieger des Stuttgarter Flugdienstes bei diesen speziellen Bedingungen vor die Linse zu bekommen. „Natürlich ist das ein bisschen verrückt, aber das gehört doch zu jedem Hobby.“ Und ganz nebenbei: Noch gibt es zahlreiche Flughäfen, an denen Heinz Schlosser noch nicht fotografiert hat.

Ursprung des Plane-Spottens

Ursprünglich kommt das Plane-Spotten aus dem zweiten Weltkrieg. Die Küstenbewohner in England beobachteten den Luftraum, um deutsche Flugzeuge früh zu erkennen. Sie identifizierten die Maschinen und gaben die Informationen an das britische Militär weiter.

Noch heute gibt es in Großbritannien viele Plane-Spotter, die nicht fotografieren, sondern nur aufschreiben, welche Flugzeuge sie wann, wo gesehen haben.

Flugzeuge gucken in Weeze

Wer selbst einmal die großen Flieger am Flughafen in Weeze beobachten oder fotografieren möchte, kann dies von der Besucherterrasse aus. Sie befindet sich neben dem Panorama-Restaurant in der ersten Etage des Terminals. Der Zugang ist kostenlos.


Weil der Airport Weeze im Vergleich zum Düsseldorfer Flughafen sehr klein ist, kann man in Weeze ziemlich nah ans Rollfeld – muss dann aber natürlich durch einen Sicherheitszaun blicken.

Am Flughafen gibt es 7000 Parkplätze. Gebühren: 3 Euro pro Stunde, ganzer Tag 18 Euro (P1) oder 12 Euro (P2). Die Kassenautomaten sind im Terminal.


Das Panorama-Restaurant hat von 4 bis 21 Uhr geöffnet. Das Gate-Café „Tramezzini“ von 4 Uhr bis zum letzten Flug, ebenso die Gate-Bar, die Grolsch-Lounge öffnet zwischen 4 und 24 Uhr, der Biergarten zwischen Parkplatz und Terminal von 10 bis 18 Uhr

Infos: www.airport-weeze.de