Unvergessen: Karl Leisner

Schon bei der Eröffnung war das Besucherinteresse groß.
Schon bei der Eröffnung war das Besucherinteresse groß.
Foto: ja NRZ
Der Niederrhein würdigt einen mutigen Mann. Den „Märtyrer und Seligen“ kann man neu entdecken...

Am Niederrhein..  Es hätte auch anders kommen können. Karl Leisner hätte vielleicht sogar seiner Deportation ins KZ Dachau entgegenwirken können – hätte vielleicht gar als freier Mann den Gerichtssaal verlassen können – nun, wir alle wissen, die Geschichte war gnadenlos. Karl Leisner starb im August 1945 an den Folgen einer Lungentuberkulose und ganz sicher an den Folgen seiner KZ-Inhaftierung. Was Karl Leisner, den jungen Theologen aus Rees, unvergessen macht, ist seine tragische Lebensgeschichte, die geprägt ist vom tiefen, festen, christlichen Glauben. Und es ist vor allem auch das: sein imponierender Mut, seine unbeugsame Treue zum Glauben aber auch zu sich selbst. Das feste Einstehen für die eigene Überzeugung.

„ ... aber zwingen laß ich mich nicht, denn ich bin frei“ ist denn auch der Titel der Karl Leisner-Ausstellung, die im Xantener Stiftsmuseum schon viele Besucher berührte.

„aber zwingen laß ich mich nicht, denn ich bin frei...“ Ein Satz in seinen Tagebüchern. Und das Motto für seinen Lebensweg. „Schade dass es nicht geklappt hat“, war Karl Leisners Reaktion auf das missglückte Attentat auf Hitler – ein Mitpatient hörte das, teilte es der Gestapo mit. Wenig später wurde Leisner verhaftet. Der Richter gab ihm noch eine Chance: „Sie haben das so doch sicher nicht gemeint....?“ Doch. Leisner hatte es so gemeint.

In Xanten nun zeigt sich eine intensive, bewegende Ausstellung. Das Stiftsmuseum zeigt Dinge, die Leisner selbst in der Hand hielt: seinen Kelch, seine Handspielpuppen aus der Zeit der Klever Jugendarbeit, seine Tagebücher, sein Messgewand, das er vermutlich bei seiner heimlichen Priesterweihe im KZ trugt und das irgendwie ins Lager geschleust wurde. Leisners Familie hat all die Dinge, von denen man kaum ahnen konnte, dass es sie noch gibt, dem Museum zur Verfügung gestellt. Große historische Fotos ergänzen die Ausstellung, Texte stellen alles in den geschichtlichen Kontext. Es sind die persönlichen Dinge, die einem nahe gehen: kleine Glückwunschzettelchen, die Priesterkollegen Leisner nach der heimlichen Primizfeier zusteckten. Das Messgewand, das vermutlich rosa eingefärbt werden sollte, aber doch orange wurde. Das Foto, das den sterbenskranken Karl Leisner noch einmal Blickkontakt mit der Welt aufnehmen lässt. Ihn lächelnd zeigt, in sich glücklich. „ ... aber zwingen laß ich mich nicht, denn ich bin frei.“

Am Niederrhein hat man in den vergangenen Wochen immer wieder an Karl Leisner erinnert. In Kleve, der Stadt, in der er aufwuchs, erinnert nun eine zweieinhalb Meter große Bronzeskulptur vor der Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt an ihn. Der Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim hat sie geschaffen – im Auftrag des Internationalen Karl Leisner Kreises (IKLK).
In Xanten trägt eine der neuen, geweihten Glocken des St. Viktor Domes nun den Namen „Karl Leisner“ und die Inschrift „Christus – Du bist meine Leidenschaft“.
In Rees widmet sich eine Wander-Ausstellung im Koenraad-Bosmann-Museum, Am Bär 1, auf 30 Bild- und Texttafeln ebenfalls dem Leben und Wirken Karl Leisners. Thematisch gegliedert berichten sie u.a. über seine Kindheit und Jugend sowie die Studienzeit in Münster und Freiburg. Zu sehen bis 3. Mai, samstags und sonntags von 14 - 17 Uhr, sonntags zudem auch von 11 bis 13 Uhr. Eintritt: zwei Euro.

Am 100. Geburtstag Karl Leisners, Samstag, 28. Februar, bietet das Stiftsmuseum Xanten um 11 Uhr eine Führung mit dem Historiker Dr. Burkhardt Tutsch aus Münster an. Die Teilnahme ist kostenlos. Museumseintritt: vier Euro. Literatur über Leisner steht im Lesesaal bereit. Darunter die druckfrische Gesamtausgabe der Tagebücher und Schriften, herausgegeben von Hans-Karl Seeger und Gabriele Latzel.

Die Ausstellung im Stiftsmusuem Xanten (Kapitel 21) ist bis zum 28. Juni zu sehen. Das Musuem hat geöffnet: dienstags bis samstags, 10 bis 17 Uhr; sonn- und feiertags 11 bis 18 Uhr. Eintritt: Vier Euro. Unter 18 Jahren ist der Eintritt frei.

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