Und er bewegt uns noch!

Mainz/Moers..  2015 ist das Hanns-Dieter-Hüsch-Jahr. Vor 90 Jahren wurde er geboren, in Moers. Vor zehn Jahren starb er, in Werfen, hoch über Windeck im Siegerland. Dazwischen lagen acht Jahrzehnte eines unvergleichlichen Künstlerlebens. Einer, der hautnah dabei war, ist Jürgen Kessler. 33 Jahre arbeitete er an der Seite des vielseitigsten Kabarettisten Deutschlands. Ihm zu Ehren hat er ein Bühnenstück geschrieben, mit dem er an seinen Freund erinnern möchte.

„Und sie bewegt dich noch!“ lautet der Titel, in Anlehnung an Hüschs Programm „Und sie bewegt mich doch“ aus dem Jahre 1985.

In die Rolle des großen Hüsch schlüpft ein weiterer guter Freund des gebürtigen Moersers, der von Mainz aus seine beispiellose Karriere machte: Holk Freytag, der Gründungsintendant des Moerser Schlosstheaters. Er war es auch, der Ende der 1970er Jahre das schwarze Schaf zurück in seine für ihn schwierige Heimat führte.

Jürgen Kessler, der seit 1989 das Deutsche Kabarettarchiv in Mainz leitet, spielt sich einfach selbst: den vertrauten Manager des wortakrobatischen Workaholics, der in manchen Jahren mehr als 250 Mal auf die Bühne trat.

Im kurzweiligen Dialog rasen sie sich das Hüsch’sche Leben. Angefangen von der Kindheit in der Kleinbürgerlichkeit, die mit einer Missbildung der Füße begann. Über ihre gemeinsame Zeit „on the road“, inklusive ihrer Thomas-Bernhard-Phase, als sie sich nicht mehr einen „Guten Morgen“ wünschten, sondern nur noch „Morgen Augsburg“ sagten. Herrlich verrückt. Bis zum Abschied von der Bühne, als Hanns Dieter Hüsch schon an Krebs erkrankt war.

„Die besten Geschichten stehen nicht im Buch“, gibt Jürgen Kessler unumwunden zu – „weil sie viel zu privat sind.“ Ein echter Freund. Geschadet hat die Selbstzensur dem Stück nicht,das dennoch sehr persönlich, sehr dicht und sehr rührend ist.

Dazu tragen auch Johannes Reinig am Klavier bei, und Irmgard Haub, die einfühlsam die zeitlos schönen Lieder von Hanns Dieter Hüsch singt. „Die Lampen leuchten – der Tag ist aus.“

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