Trotz Fristende keine Störfall-Lösung

Duisburg..  Das geplante Factory Outlet Center (FOC) in Hamborn bleibt ein planerischer Problemfall. Eigentlich sollte es inzwischen Klarheit über die Störfall-Problematik geben: Bis zum Ende des Jahres sollte eine Lösung auf dem Tisch liegen, wie sich die Sicherheit angesichts des nahen Abstands zum Grillo-Werk gewährleisten lässt. Doch das haben die Planer und Entwickler offenbar immer noch nicht geschafft.

Die Stadt lässt sich bei den Verträgen mit der Douvil GmbH ungern in die Karten schauen: Da eine politische Mehrheit aus SPD und CDU weiter an dem Megaprojekt festhält, ließ man die Möglichkeit zum Ausstieg im September verstreichen, besserte stattdessen hinter den Kulissen die Verträge nach: Seitdem steht der Stadt ein zusätzliches Rücktrittsrecht vom Grundstücksverkauf zu, falls der Investor bestimmte „Meilensteine“ nicht innerhalb festgelegter Fristen erreicht.

Der erste dieser „Meilensteine“ sollte am 31. Dezember 2014 erreicht sein: Bis dahin sollte die Douvil GmbH als Projektentwickler die überarbeiteten Gutachten vorgelegt und insbesondere eine Lösung für den problematischen Störfall-Abstand auf dem eigenen Gelände präsentiert haben. Das hatte der Rat Ende September in seiner nicht-öffentlichen Sitzung beschlossen.

Doch wer gehofft hat, dass nach Ablauf der Frist jetzt im neuen Jahr Klarheit herrscht, wird wieder einmal enttäuscht. Wie die Stadt auf NRZ-Nachfrage mitteilt, zeichne sich ab, „dass es aufgrund der komplexen Thematik in Einzelfällen weiterer Ergänzungen bedarf.“ Die vom Projektentwickler Douvil zu erarbeitenden wesentlichen Gutachten befänden sich „in intensiver Bearbeitung“ und würden fortlaufend „auf Vollständigkeit und Plausibilität“ geprüft. Sprich: Was der Projektentwickler bisher vorgelegt hat, reicht offenbar nicht aus, um damit planungssicher weiterzuarbeiten. Der neue Geschäftsführer der Douvil GmbH, der Berliner Architekt Carsten Grauel, ließ die Nachfrage zum Fristende und der Störfall-Problematik unbeantwortet.

Die Stadt ließ auf Nachfrage ebenfalls offen, ob im Hinblick auf die verstrichene Frist ein Rücktrittsrecht vom Grundstücksverkauf besteht, und verwies „auf nichtöffentliche Vertragsinhalte“. Stattdessen heißt es aus dem Rathaus: Es sei weiterhin Ziel, „mit Hilfe gründlich erarbeiteter Gutachten den nächsten Verfahrensschritt zeitnah zu erreichen.“

Das wäre dann die Offenlegung des Bebauungsplans, die ursprünglich bis Ende Februar geplant ist. Im Sommer soll der Rat den Bebauungsplan dann endgültig verabschieden. Dass sich der Zeitplan einhalten lässt, ist unwahrscheinlich. Denn die einzige Lösung, die sich bisher abzeichnet, um den mangelnden Abstand zum Grillo-Werk zu umgehen, ist das gesamte FOC in einem abgeschlossenen Gebäude zu realisieren. Doch statt einem „Duisburger Outlet Village“ würde dann eher eine übliche Shopping-Mall entstehen, der für Outlet-Center typische Charakter eines Einkauf-Dörfchens mit ­vielen kleinen Einheiten unter ­freiem Himmel ließe sich nicht halten.

Mit der neuen Problemlage wird sich auch die Politik auseinander setzen müssen: Über die Entwicklung zum Jahreswechsel sind die meisten Ratsleute noch gar nicht informiert. Und die siebenköpfige Kommission, die das Projekt politisch begleiten soll und im September mit Ratsleuten neu besetzt wurde, hat seitdem noch kein einziges Mal getagt.

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