Traumzeit-Festival vor dem Aus?

Der künstlerische Leiter des Traumzeitfestivals Tim Isfort hofft, dass er sein Programm doch noch durchziehen kann. Foto: Andreas Mangen
Der künstlerische Leiter des Traumzeitfestivals Tim Isfort hofft, dass er sein Programm doch noch durchziehen kann. Foto: Andreas Mangen
Foto: A.Mangen / waz
Dem Traumzeit-Festival fehlen nach dem Absprung von RWE als Hauptsponsor 230 000 im Etat. Festival-Leiter Tim Isfort hat die Planung trotz der Finanznot noch nicht ganz aufgegeben. Doch die Hoffnung schwindet, dass die Gelder noch rechtzeitig zusammenkommen.

Duisburg.. Wer auf die Homepage des Traumzeit-Festivals geht, darf sich schon mal ordentlich vorfreuen: „Der Termin für die kommende Traumzeit steht bereits fest. Vom 6. bis 8. Juli 2012 lädt das Festival wieder zu einer Entdeckungsreise zwischen Jazz, Rock, Weltmusik, Elektronik und neuer Musik in den Landschaftspark Duisburg-Nord.“, heißt es dort vielversprechend. Dass dies wirklich so ist, muss man derzeit allerdings ins Reich der Hoffnung verweisen.

Denn das Traumzeit-Festival hat ein massives, sprich existenzielles Finanzierungsproblem, seit Hauptsponsor RWE sein Engagement beendet hat und damit nun 230 000 Euro im Etat fehlen. Doch ohne diese Summe hat das von Stadt und Stadtmarketinggesellschaft veranstaltete Musikfestival, dessen Gesamtetat jährlich zwischen 450 000 und 500 000 Euro liegt, kaum Überlebenschancen. Der städtische Anteil an diesem Budget liegt im Übrigen bei 40 000 Euro. Neue finanzielle Förderer? Bislang Fehlanzeige. Pessimisten (und inzwischen nicht mehr nur die) befürchten bereits ein Ende des angesehenen und weit über Duisburgs Grenzen strahlenden Festivals, bei dem seit seiner Gründung 1997 Stars aus Jazz, Chanson und Weltmusik wie Juliette Greco, Joe Zawinul, Chick Corea, Helge Schneider, Nigel Kennedy, Branford Marsalis oder Dr. John bejubelte Auftritte hatten.

Tim Isfort, der seit drei Jahren als künstlerischer Leiter bei der Reihe höchst ambitioniert und erfolgreich neue Akzente setzt, hat „sein“ Festival aber noch nicht aufgegeben, zumal er auch international viel Zuspruch bekommt. „Ich war gerade bei Festivals in Frankreich und Kopenhagen - die kennen dort alle die ,Traumzeit’“, so der 44-jährige Musiker, der seit Jahresanfang ohne Honorar für das Festival arbeitet. „Wenn man so ein Programm wie unseres in einer Stadt wie Berlin anbieten würde, wär das der totale Hype.“ Aber wer will schon nach Berlin!! Die „Traumzeit“ gehört nach Duisburg.

Und, so Isfort weiter: „Ich hab so viele Visionen und Ideen für das Festival, die würde ich gerne konstruktiv diskutieren und realisieren. Diese Veranstaltung ist ein Aushängeschild für die Stadt.“

Von der Anregung, die „Traumzeit“ - so eine Finanzierung absehbar wäre - nur noch alle zwei Jahre über die Bühne gehen zu lassen, hält er allerdings nichts. „So etwas muss beim und fürs Publikum Kontinuität haben.“

Halbes Programm als Option

Und wenn nun doch noch ein kleines (oder besser größeres) Geldwunder geschieht? Käme dann so kurzfristig überhaupt noch ein Festival 2012 zustande? „Das halbe Programm ist optioniert. Eineinhalb Tage könnte ich im Juli mit Musik-Acts füllen. Dazu müsste ich nur noch zusagen.“ Allerdings: mit jeder Woche, die vergeht, schwinden die Chancen, die angefragten Künstler tatsächlich noch zu bekommen.

Und leid tut es Isfort auch für die im vergangen Jahr begonnene Zusammenarbeit mit Künstlern aus Myanmar. „Eigentlich war das als zweijähriger Kulturaustausch angelegt. Ich sehe uns da auch als Gastgeber in der Pflicht.“

Bleibt also nur: hoffen. Auch wenn die Hoffnung, das Festival doch noch zu retten, im Sinkflug ist.

 
 

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