Strategien gegen schlechte Laune

Raus an die frische Luft. Foto: Matthias Rietschel/dapd
Raus an die frische Luft. Foto: Matthias Rietschel/dapd
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Auch am Niederrhein leiden im Herbst die Menschen häufig unter Verstimmungen. Therapeutinnen geben Tipps gegen den Novemberblues. Wir stellen verschiedene Strategien gegen Trübsal vor.

Am Niederrhein.. Tausend Liter Tee in greifbarer Nähe, ein Meer von Kerzen, dicke Socken an den Füßen und eine Decke über den Knien oder am besten direkt über dem Kopf und dann schön still und möglichst unbeweglich auf der Couch verharren, bis der November endlich vorbei ist, der Winterspeck angesetzt hat und endlich die Weihnachtszeit anfängt. Für viele sieht so oftmals der Novemberalltag aus. Auch wenn sich der elfte Monat im Jahr in diesen Tagen noch von einer goldenen Seite zeigt: Die tristgrauen Tage werden bestimmt noch kommen.

Für die Niederrheiner, die unter einer saisonal depressiven Verstimmung, kurz und neudeutsch: „Novemberblues“, leiden, sind die vier Wochen vor dem Dezember schlimm. Ständige Müdigkeit, Antriebslosigkeit und das frustrierende Gefühl, das Jahr sei wieder viel zu schnell vorbei gegangen. Das kann den Herbst so richtig vermiesen. Aber den sonst grauesten Monat des Jahres muss man nicht zwingend in Schockstarre auf dem Sofa verbringen.

„Der November ist eigentlich total schön, wir wissen es bloß nicht“, das sehen jedenfalls Psychotherapeutin Heike Fuest und Heilpraktikerin Ulrike Winkler so. Die beiden Expertinnen in Sachen Novemberblues haben, um diese These zu unterstützen, ein paar ganz einfache Strategien entwickelt, wie wir die kommenden Novembertage trotz Nieselregens, Sturm, wenig Tageslicht und scheinbar undurchdringlicher Wolkendecke genießen oder zumindest doch besser hinter uns bringen können.

Wichtig zu wissen: Sich im November ständig müde oder frustriert zu fühlen ist keine Krankheit, sondern ein völlig normales, biologisch erklärbares Phänomen – und absolut kein Anzeichen für eine „echte“ Depression. „Im Herbst fährt unser Stoffwechsel einfach herunter, früher war das aufgrund der Lebensbedingungen sinnvoll – in unserer heutigen Leistungsgesellschaft ist die ständige Müdigkeit allerdings eher hinderlich. Aber unser Körper kommt der schnellen Entwicklung einfach nicht hinterher“, erklärt Heike Fuest. Also: Stoffwechsel austricksen ist angesagt.

Strategie Nummer eins: Raus!

„Auch wenn das Wetter richtig uselig ist: Man muss raus! Sie tun sich wirklich etwas Gutes, wenn Sie rausgehen“, betont Fuest. Ganz frei nach dem Motto: Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur falsche Kleidung... „Man muss sich auch gar nicht viel bewegen, bloß um die Mittagszeit herum ein wenig spazieren gehen. Dadurch nimmt der Körper auch viel wertvolles Tageslicht auf“, stapelt Fuest tief.

Strategie Nummer 2 hat deshalb viel mit Strategie 1 zu tun: so viel Tageslicht aufnehmen wie möglich. 3000 bis 4000 Lux braucht der menschliche Körper, um sich eine Stunde lang rundum wohl zu fühlen und in seelischer Balance zu sein. „Bei Dunkelheit wird das Schlafhormon Melatonin ausgeschüttet, deshalb ist man bei wenig Tageslicht auch so müde. Man sollte darauf achten, dass man eine Raumbeleuchtung mit hoher Lux-Zahl anschafft oder eben in der Mittagszeit viel draußen ist“, sind sich Fuest und Winkler einig.

Strategie Nummer 3 ist dann um einiges pikanter, Fuest und Winkler grinsen sich an. „Ganz wichtig, um sich wohl zu fühlen, sind natürlich soziale Kontakte und vor allem Körperkontakt“, meint Heike Fuest verschmitzt und Ulrike Winkler ergänzt: „Deshalb ist das Mittel der ersten Wahl gegen Novemberblues natürlich Sex.“

Vor allem, weil dabei – genau wie bei leichtem Sport oder beim Naschen von Schokolade – Glückshormone ausgeschüttet werden. Für wen Sex gerade nicht verfügbar ist – auch kein Problem.

Hier greift die vierte Strategie: „Ganz toll sind gute Gespräche mit lieben Menschen. Umgeben Sie sich möglichst nur mit Menschen, die Ihnen gut tun. Ich laufe zum Beispiel mit meiner Freundin und dabei quatschen wir die ganze Zeit. Das ist toll“, schwärmt Fuest. Und wer im November ganz besonderen Heißhunger auf Süßes, auf gutes Essen oder Wein hat, soll diesem Heißhunger ruhig nachgeben.

Strategie Nummer 5 propagiert eindeutig den Genuss. „Und Hunger geht sowieso auf die Stimmung“, sind sich die Expertinnen sicher. Trotzdem: besser zum Vollkornbrot greifen, als zum Schokoriegel. „Das hält viel länger vor.“ Neben gutem Essen helfen auch Farben und Düfte, die Stimmung zu heben.

Strategie 6: „Wenn Sie mies drauf sind, ziehen Sie Ihr Lieblingsteil an. Oder zumindest eine Farbe, die Ihnen gut steht“, rät Fuest. Winkler hingegen, Fachfrau in Sachen Naturheilkunde, rät zu Lavendel und Melisse. „Das sind Pflanzen, die gut für die Balance sind.“ Von Experimenten mit homöopathischen Mitteln rät sie allerdings ab. „Das ist für Laien viel zu schwierig.“

Dann doch lieber zu den ganz einfachen Dinge greifen, die definitiv gegen miese Stimmung helfen: ein gutes Buch, ein ausgiebiges Bad, Plätzchen backen, einen Wellness-Tag machen und ins Kino gehen. „Wichtig ist, dass Sie sich ernst nehmen und sich am Tag mindestens eine halbe Stunde Zeit für sich nehmen“, betont Fuest.

Und wem das alles nichts hilft, braucht auch nicht vollkommen zu verzweifeln: mit den ersten Sonnenstrahlen gehen winterliche Verstimmungen ganz von selbst wieder weg.

 
 

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