Neuer Treff für junge Lesben und Schwulen in Krefeld

Schaut her, wir sind normal und gemeinsam stark: Selbstbewusst werben diese jungen Leute für den „Sozialverein für Lesben und Schwule.
Schaut her, wir sind normal und gemeinsam stark: Selbstbewusst werben diese jungen Leute für den „Sozialverein für Lesben und Schwule.
In Krefeld baut der „Sozialverein für Lesben und Schwule“ einen Freizeittreff und eine Beratungsstelle für Jugendliche auf.

Krefeld. Und es ist doch keine Phase - auch wenn die Mama sagt: „Ach Mädchen. Das geht doch vorbei. Warte, bis erst der Richtige kommt.“ Nein! Genau das will der Teenager nicht hören, wenn er seinen Eltern eröffnet, dass ihre Tochter „anders“ ist: lesbisch. Das weiß die Sozialpädagogin Nina Maria Pawlowski - aus eigener Erfahrung und aus den Erzählungen der Jugendlichen, die sie im „Sozialverein für Lesben und Schwule“ betreut. Seit mehr als zehn Jahren ist der Verein mit Sitz in Mülheim in der schwul-lesbischen Jugendarbeit aktiv. Bislang gab es nur Anlaufstellen im Ruhrgebiet. Das ändert sich jetzt. In Krefeld wird derzeit ein neues Projektbüro für den Niederrhein eingerichtet. Es ist die erste Anlaufstelle für jugendliche Schwule und Lesben am Niederrhein und kann mit einer Finanzhilfe des NRW-Jugendministeriums zunächst bis 2014 die Arbeit aufnehmen.

Bislang kaum Angebote am Niederrhein

„Bisher tendiert das Freizeit- oder Beratungsangebot am Niederrhein in den Kreisen Kleve und Wesel gegen Null“, sagt Torsten Schrodt, der mit Nina Maria Pawlowski den Treff in Krefeld aufbaut. „Gerade im ländlichen Raum fühlen sich schwule und lesbische Jugendliche alleine. Die Möglichkeiten, andere Jugendliche mit denselben Gefühlen, Wünschen und Ängsten zu finden, sind gering“, so Torsten Schrodt, der selbst auf dem Land aufgewachsen ist.

Jugendliche nehmen lange Fahrtzeiten in Kauf, um Gleichgesinnte treffen zu können. „Wir haben in den Ferien bei uns in Mülheim viele Jungen und Mädchen aus dem Kreis Kleve und Wesel, die für zwei Stunden am Jugendtreff teilnehmen“, erzählt Torsten Schrodt. Derzeit putzt der Sozialpädagoge Klinken. Er informiert Jugendämter, Jugendhilfeausschüsse, die Awo und Träger sozialer Einrichtungen über „Together“ - so heißt das Projekt. „Wir haben nach Wünschen und Tipps gefragt. Doch das Ergebnis ist leider: Es gibt fast nichts“, sagt Torsten Schrodt. Zwar hätte es immer mal wieder schwule und lesbische Jugendgruppen wie in Geldern oder Wesel gegeben, „aber wie das so ist. Auf zwei, drei Leuten lastet die Arbeit, irgendwann lösen die sich auf, weil der eine wegzieht, der andere studiert oder einfach keine Lust mehr hat. Dann bricht die Gruppe ausein­ander“, so Schrodt. Die Kontinuität fehle.

Keine Akzeptanz in der eigenen Familie

Die sei aber wichtig. Auch, um die Jugendlichen aus der Isolation rauszuholen, in die sie sich zurückziehen, wenn sie merken, dass sie anders als ihre Freunde sind. „Zuerst haben sie das Gefühl: Das darf keiner mitkriegen. Ich bin alleine. Und wenn sie sich outen, ziehen sie sich zurück, verlieren Freunde, die Angst haben, man könnte ja zusammen gesehen werden. Klassenfahrten werden zum Horror. Was bleibt, ist der PC. Sie suchen in Chatrooms Kontakte“, sagt Torsten Schrodt.

Schwul sein, sich als Lesbe zu outen - das sei auch heute noch immer nicht einfach, auch wenn die Akzeptanz in der Gesellschaft zunehme. Torsten Schrodt denkt an den schwulen Karnevalsprinzen im Kreis Kleve, schwule Bürgermeister, lesbische Moderatorinnen. Es gebe derzeit vor allem zwei Typen, die in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Entweder die Vorzeige-Homos, Karrieretypen oder die Tunten und Kampflesben, so Torsten Schrodt. Die meisten Schwulen und Lesben seien aber weder das eine noch das andere.

Sie passen nicht in diese Klischees. Und schon gar nicht als Jugendliche. Die leiden oft darunter, dass sich ihr persönliches Umfeld durchaus oft offen gegenüber Schwulen und Lesben zeigt - „solange es nicht im eigenen Haus ist. Die Tochter des Nachbarn ist lesbisch? Ach, wie süß. Nein, damit haben wir doch kein Problem, heißt es. Aber wenn es die eigene Tochter ist, dann ist doch auch heute noch immer oft die erste Reaktion: Oh Gott“, sagt Nina Maria Pawlowski. Traurig mache sie Erfahrungen, die sie an Schulen gemacht hat. „Wenn ich Lehrer darauf ansprach, dass es Schüler gibt, die ein Problem haben, dann hieß es: Nein, an unserer Schule ist das kein Problem.“

Auch hier will der Sozialverein sensibilisieren, damit sich Jugendliche nicht zurück ziehen. Torsten Schrodt betont, dass es nicht darum geht, zu isolieren. „Wir bieten den Jungen und Mädchen eine Insel, auf der sie sich nicht erklären müssen“, sagt der Sozialpädagoge. Sie sollen gestärkt werden und das Bewusstsein bekommen, „dass es normal ist, schwul und lesbisch zu sein.“ Und die Phase nicht vorbei geht.


Infos:
Das Projekt „Together“ des „Sozialvereins für Lesben und Schwule“ will junge Lesben und Schwule im Alter zwischen 14 und 26 Jahren beraten und ihnen auch einen Freizeittreff bieten. Bislang gab es Anlaufstellen in Mülheim, Essen und Gelsenkirchen. In Krefeld, Neue Linner Straße 61-63, ist jetzt das vierte Büro eingerichtet worden. Aufgabe des vom Land NRW zunächst bis 2014 unterstützten Projektes ist es auch, die örtliche Jugendhilfe für die Probleme junger Lesben und Schwule zu sensibilisieren.
Infos zu Öffnungszeiten und Freizeitangeboten: www.svls.de oder 0208-412 59 21.

 
 

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