Müssen wir Niederrheiner ihm ewig dankbar sein, Frau Hüsch?

Schmerzt der 6. Dezember noch?

Ja. Ich fände es auch schlimm, wenn der Schmerz schon nach zehn Jahren nachgelassen hätte. Ein Trost ist, dass es am Sonntag im „Haus des Gastes“ in Windeck-Herchen einen Abend mit Wendelin Haverkamp und Erwin Grosche geben wird. Auch Jürgen Pankarz und Lothar Lechleiter werden kommen. Das ist schön, denn diese Freunde waren auch damals da, um sich von meinem Mann zu verabschieden.

Was vermissen Sie am meisten an ihm?

Seine Lust am Herumalbern, an Wort- und Rollenspielen. Und seine Empathie, die er anderen Menschen und auch Tieren gegenüber hatte.

2015 ist das Hüsch-Jahr: 90. Geburtstag, zehnter Todestag. Journalisten stürzen sich auf solche Daten. Nervt dieser künstliche Rummel manchmal?

Na ja, so viele Anfragen kommen jetzt nicht, mein Mann war schließlich kein Rockstar. Grundsätzlich gehört es zum Gedenken dazu, demnach ist es in Ordnung. Ich würde mir wünschen, dass jedes Jahr etwas Schönes zu Hanns-Dieter Hüsch gemacht würde.

Rückblickend, welches war für Sie das schönste Hüsch-Gedenken in diesem Jahr?

Ehrlich gesagt kann ich diese Frage gar nicht beantworten kann. Ich konnte am 6. Mai ja bloß an einem Ort sein. Ich war in Moers, die WDR-Veranstaltung mit Jürgen Becker, Wilfried Schmickler und all den anderen Künstlern fand ich sehr beeindruckend.

Die Menschen, die Hüsch noch auf der Bühne live gesehen haben, werden weniger. Inwiefern verändert sich die Erinnerung an ihn?

Jede Erinnerung ist auch ein Form der Interpretation. Wenn es heute Hüsch auf der Bühne gibt, dann ist das immer nur ein Ausschnitt. Hüsch aber war in seinem ganzen Programm am stärksten. Ich befürchte, dass die Nummern, die nicht als Knaller über die Bühne gehen, irgendwann in Vergessenheit geraten werden. Doch auch diese waren gut und machten ihn aus.

Eine These: Jüngere, die Hüsch für sich entdecken, begegnen ihm vorurteilsfreier als ältere Zeitgenossen, weil sie keine ideologischen Grabenkämpfe mehr führen.

Ich hoffe, auch Jüngere greifen zu seinen Texten und lesen, wie aktuell diese oft noch sind – leider, muss ich hinzufügen. Andererseits haben sich die Zeiten geändert, ein bisschen mehr politische Engagement wäre sehr schön – deshalb denke ich: Hanns Dieter Hüsch polarisiert heute nicht mehr.

Noch eine These: Dieter Nuhr ist heute derjenige auf der Bühne, der mit seinen Beobachtungen des Alltags Hanns Dieter Hüsch am nächsten kommt.

Bei manchen Kollegen hüschelt es ganz viel. Das finde ich sehr schön. Dieter Nuhr ist einer davon. Daneben gibt es Kollegen wie Lars Reichow, Piet Klocke oder Erwin Grosche, die ein wenig schräg sind, in denen auch sehr viel Hüsch steckt. Oder Franz Hohler, der die literarische Tradition fortführt. Und alle anderen Kollegen, die ich jetzt spontan vergessen habe, mögen mir bitte verzeihen.

Sind wir uns einig: Die Niederrheiner müssen Hüsch auf ewig sein, denn er hat ihnen erst eine Identität gegeben?

Ich denke schon. (lacht) Mittlerweile sehen die Niederrheiner ja auch ein, dass er sie nicht verspotten wollte und seine Beschreibungen nicht böse gemeint waren.

Letzte Frage: Alle haben ihren Hüsch, die Kabarettfans, die Kirchenleute, die Niederrheiner – welchen Hanns Dieter Hüsch behalten Sie in Erinnerung?

Um jetzt eine Sache zu nennen, die ihn auch ausmachte: Er hatte sich etwas Kindliches behalten. Er konnte über Dinge staunen so wie ein Kind, dass etwas zum ersten Mal erlebt. Das fand ich sehr schön. Alles, was er auf der Bühne war, das war er auch im Privaten – und noch viel mehr für mich.


 
 

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