„Meine glücklichste Theaterzeit“

Was hat sich seitdem geändert?

Uns ist der Zukunftsglaube abhanden gekommen und wir betäuben uns mit Krimis, öden Talk- und Quiz-Shows, nicht zu vergessen die derzeit 42 Kochsendungen auf den verschiedensten Kanälen. Das muss jeder Theaterabend in den Köpfen der Menschen erstmal wegräumen.

Sie haben unter anderem 1979 mit ihrer als Peep-Show inszenierten Aufführung der „Bacchantinnen“ weit über Moers hinaus für Furore gesorgt. Der „Zeit“-Kritiker schrieb: „Im kleinen Schlosstheater gibt es viele große Augenblicke“. War diese Inszenierung Ihr „größter Augenblick im kleinen Schlosstheater“?

Nein, unsere wichtigste Arbeit war die sechseinhalb Stunden dauernde Inszenierung der „Orestie“, die wir 102 mal gespielt haben. Auf dieses Stück haben wir jahrelang hingearbeitet und ich treffe heute noch immer wieder auf Menschen, die dieser zweieinhalbtausend Jahre alte Text damals aufgewühlt hat.

Funktioniert Theater in einer Stadt wie Moers heute anders als vor 40 Jahren?

Ich glaube, Theater funktioniert seit dreitausend Jahren immer auf die gleiche Art: auf der Bühne stehen Schauspieler, die eine Geschichte zu erzählen haben und im Zuschauerraum sitzen Menschen, die sie hören wollen. Wichtig ist nur, dass die Geschichte etwas mit den Menschen zu tun hat, für die sie erzählt wird.

Bei der letzten großen Spardiskussion um das Schlosstheater hat man auch Ihre Stimme in Moers laut gehört. Wie sehr liegt Ihnen das STM immer noch am Herzen?

Für das Schlosstheater würde ich jeden Urlaub abbrechen. Ich muss mich nicht verantwortlich fühlen, weil es in guten Händen ist, aber ich leide mit, wenn es ihm schlecht geht.

Rückblickend – welchen Stellenwert hat die Moerser Zeit für Sie?

Bei meinem Abschied im Kulturausschuss hab ich damals wörtlich gesagt: „Ich weiß, dass die Zeit in Moers immer meine glücklichste Theaterzeit gewesen sein wird.“ Dem habe ich auch heute nichts hinzuzufügen.

Sie bringen am 10. Mai mit Jürgen Kessler in Erinnerung an Hanns-Dieter Hüsch die szenische Lesung „Und sie bewegt dich noch!“ auf die Bühne. Vielen gelten Sie als derjenige, der Hüsch mit seiner Heimatstadt versöhnt hat. Woran hat es damals eigentlich gehakt?

Die Moerser haben viele Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass Hüsch hinter den oft brüllend komischen Niederrhein-Nummern eine tiefe Liebe zu den Menschen hier versteckt hat. Hüsch hat ihnen die Sprache gegeben, das musste erst akzeptiert werden. Aber er war sehr glücklich über die letztendliche Anerkennung. Willy Brunswick hat große Verdienste um Hüsch in seiner Heimatstadt.

Was wünschen Sie dem STM in zehn Jahren zum 50. Geburtstag?

Die nächsten fünfzig Jahre.

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