Initiative unterstützt Hochwasserschutz

Foto: www.blossey.eu

Am Niederrhein..  Beim Besuch von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks im Wahrsmannshof in Rees schnitt Deichgräf Herbert Scheers das Thema Hochwasserschutz an, insbesondere die große Sorge der Bevölkerung vor einem Jahrhunderthochwasser. Seine Vorwürfe richteten sich gegen das Land NRW, das die Deichsanierung auf die lange Bank geschoben habe. „Der Deichbau soll 2025 abgeschlossen sein. Das ist ein ehrgeiziges Ziel und wir hoffen, dass sich das 100-jährige Hochwasser daran hält, das letzte war nämlich 1926“, trug Scheers mit dem nötigen Sarkasmus vor. „Keines der vom Bund geförderten Hochwasserprojekte, von denen die Ministerin sprach, betreffen uns“, so Scheers im Anschluss an die Zusammenkunft.

Retentionsflächen geschaffen

Auch auf dem gestrigen Symposium des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz ging es um die Umsetzung des Hochwasserrisikomanagements. Die Kies- und Sandunternehmen des Initiativkreises Zukunft Niederrhein haben das Thema ebenfalls im Blick. „In der Vergangenheit hat unsere Branche viele Hochwasserschutzmaßnahmen erfolgreich umgesetzt “, erklären die Koordinatoren Michael Schulz und Michael Hüging-Holemans. Auch in Zukunft wolle ihre Industrie ihr Know-How einbringen, um ein Mehr an Sicherheit für die Menschen zu schaffen.

Die Kies- und Sandindustrie hat durch verschiedene Maßnahmen einen entscheidenden Beitrag zum Hochwasserschutz in der Region geleistet. Dazu gehört die Gestaltung der Rheinvorländer: Deiche wurden zurückverlegt sowie ufernahe Flächen ausgekiest und tiefer gelegt. Auf diese Weise entstanden über 110 Millionen Kubikmeter so genannter Retentionsflächen. Diese Flächen bieten heute Raum, wenn der Wasserpegel im Rhein einmal steigt, und verhindern so Hochwasserschäden. Darüber hinaus wurde durch Gewinnungsprojekte wie dem Reeser Meer im Binnenland Retentionsraum geschaffen, um eine Entwässerung im Hochwasserfall sicherzustellen und ein Pumpen in den Rhein zu verhindern.

So hat sich seit 1996 der Hochwasserschutz dank der Abgrabung Reeser Meer wesentlich verbessert: Über die Haffensche Landwehr, die das gesamte Deichhinterland zwischen Bislich und Rees entwässert, werden die Wassermengen bei höheren Rheinpegelständen zunächst im Reeser Meer zwischengespeichert. Das Gewässer bietet einen zusätzlichen Retentionsraum von bis zu 5,8 Millionen Kubikmetern. Erst wenn die Stauhöhe von 15,40 mNN im Reeser Meer erreicht ist, muss das Wasser in den Rhein gepumpt werden. Zuvor musste bereits bei Wasserständen von 14,70 mNN ein Pumpwerk in Gang gesetzt werden. Der Allgemeinheit bleiben auf diese Weise hohe Pumpkosten erspart.

Auch bei der Schaffung von Poldern, wie z.B. dem Polder Lohrwardt in Rees, hat die Kiesindustrie mitgewirkt. Diese können kurz vor Eintreten der Hochwasserscheitel gezielt geöffnet werden und schnell große Wassermengen aufnehmen.

Einer Fortsetzung des bewährten Zusammenspiels von Rohstoffgewinnung und Hochwasserschutz stehen aktuell rechtliche Hürden im Weg. „Kiesgewinnung ist politisch derzeit nicht gewünscht und durch die aktuelle Regionalplanung schwer möglich“, erklärt Schulz. Projekte von Kiesunternehmen und öffentlichen Trägern für einen effektiven Hochwasserschutz seien deshalb kaum umsetzbar. Dabei bieten diese Kooperationen viele Vorteile: „Im Rahmen von Kooperationen mit der Kiesindustrie können öffentliche Träger durch Synergieeffekte Kosten sparen und auf die Technik und das Know-How der Unternehmen zurückgreifen“, erläutert Hüging-Holemans.

 
 

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