Hand aufs Herz, Herr Freiherr, das Ritterlager ist Ihr Lieblingsplatz, oder?

Alexander Raitz von Frentz. Freut sich wieder auf das Spektakel.
Alexander Raitz von Frentz. Freut sich wieder auf das Spektakel.
Foto: NRZ
Gaukler und Achatschleifer, Lanzenstechen und Stroh flechten - zum 39. Mal schlägt rund um die Wasserburg Linn bei Krefeld der Flachsmarkt seine Zelte auf. Und Alexander Raitz von Frentz ist mittendrin - zum 39. Mal

Krefeld-Linn..  Der Mann ist mit Gauklern und Kerzenziehern, Handspielpuppenmachern und Rittern groß geworden. Sein Stammbaum ist ein gar fürstlicher und geht zurück ins 12. Jahrhundert. Am Wochenende wird er wieder Kabeltrommeln schleppen, Marktbeschicker betreuen und Mädchen für alles sein. Seit 39 Jahren hat Alexander Raitz von Frentz keinen einzigen Flachsmarkt verpasst auf Burg Linn. Seit zwei Jahren ist er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Flachsmarkt – und mitverantwortlich dafür, dass zu Pfingsten rund um die Burg Linn nicht nur das Mittelalter wieder lebendig wird sondern aussterbende Handwerkskünste Jung und Alt in Staunen versetzen.

Guten Tag, Herr – ups – ja, was sagt man denn da – Guten Tag Herr Freiherr? Oder: Guten Tag Herr Baron?

Neinnein, ganz einfach: Guten Tag Herr Raitz von Frentz. Die Titel hat man Anfang des vorigen Jahrhunderts ohnehin abgeschafft.

Aber die Damen und Herren aus dem Geschlecht derer von Raitz von Frentz gehören schon dem alten deutschen Uradel an.

Ja, das stimmt.

Ihr ältester historisch verbürgter Vorfahre?

Puh. Da muss ich glatt überlegen. Ich glaube, das war ein gewisser Rutger Raitz, Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts. Der war Ritter und Bürgermeister in Köln. Irgendwann haben sich die von Raitz’ und die von Frentz’ zusammengetan. Und seitdem heißen wir Raitz von Frentz.

Gestatten Sie ein paar Steckbrieffragen: Ich heiße...

Alexander Raitz von Frentz.

Ich bin...

43 Jahre alt. Und in festen Händen.

Kinder?

Ein Sohn, 24.

Mein Blut ist...?

Meistens rot.

Hobby?

Karate. Wenn mal Zeit ist.

Beruf?

Wirtschaftsingenieur in der IT-Branche.

Gibt es ein Familien-Wappen?

Klar.

Und was ist da drauf zu sehen?

(der Freiherr kramt eine fein gerahmte kleine Zeichnung aus der Schublade)

Also da sind die beiden goldenen Kreuze auf schwarzem Grund. Und die sechs Goldammen. Das Wappen wurde im Laufe der Geschichte immer wieder mal erweitert und verändert.

Hand aufs Herz: Das Ritterlager zu Füßen der Burg Linn im Rahmen des Flachsmarktes – das ist ihr Lieblingsschauplatz, oder?

(lacht) Unter anderem. Ich mag das Ritterturnier sehr. Aber auch das Getümmel auf den Wiesen rundum ist total faszinierend. Wir können in diesem Jahr auf dem Flachsmarkt mehr als 300 Stände anbieten – viele viele alte Handwerke in Aktion. Das ist ja unser Markenzeichen und ganz wichtig: Die alten Handwerkskünste werden gezeigt. Ob das ein Zigarrendreher ist oder ein Seifen-oder Zylindermacher, ein Perückenmacher oder ein Münzschneider. Sogar ein Feinhaarpinselmacher ist wieder dabei.

Es ist der 39. Flachsmarkt den eine sehr rührige und engagierte Arbeitsgemeinschaft da auf die Beine stellt. Sie sind seit zwei Jahren Vorsitzender der AG - haben den Posten gewissermaßen vom Vater geerbt.

Naja, geerbt nicht direkt. Wir sind ja eine ganzes Team von etwa zehn Leuten, die sich um die Organisation kümmern.

Bemerkenswert: Da ist ein ganzer Ort auf den Beinen. Ganz Linn hilft mit.

Ja. Ohne die Hilfe der Linner, der Vereine und Kompanien könnten wir so ein großes Ereignis ja auch gar nicht auf die Beine stellen. Da sind so viele Dinge zu tun: Kassenhäuschen besetzen, Kabel verlegen, Müll entsorgen, Wasserversorgung sicher stellen, Toilettenwagen, Sanitätsdienst, Parkplatzordner. So zwischen 400 und 500 Leute sind da im ehrenamtlichen Dienst.

Mit wieviel Besuchern rechnen Sie denn?

Ich hoffe auf 40.000 bis 50.000 Besucher an den drei Pfingsttagen. Wichtig ist: Gutes Wetter.

Die Familie Raitz von Frentz war von Beginn an sehr engagiert. Und Sie sind gewissermaßen auf dem Flachsmarkt groß geworden.

Ich war jedenfalls immer mittendrin. Mein Sohn ist auch aktiv mit dabei. Als Marktmeister.

Da gibt es so ein Döneken vom kleinen Alexander...

...das erzählen meine Eltern immer gern. Aber ich bin mir gar nicht sicher, ob es stimmt.

Jaha...?

Man erzählt, dass ich als Baby schon immer dabei war. Klar. Und irgendwann hat man mich angeblich wohl beim Sargmacher geparkt – wo ich in den Sägespänen friedlich geschlafen haben soll.

Nun also der 39. Flachsmarkt.

Ich spreche lieber vom Erlebnismarkt. Wir sind ja weniger ein Mittelaltermarkt als ein Markt, auf dem man altes Handwerk erleben kann. Sensendengler, zum Beispiel. Oder einen Kettensäger.

Eine Kettensäge ist in der Tat nicht sehr mittelalterlich.

Von wegen! Der Mann schnitzt und sägt Ketten aus einem einzigen Baumstamm, ganz bewegliche Glieder, richtige Holzketten also. Damit steht er auch im Guinnessbuch der Rekorde. 248 Meter Kette aus einem einzigen Baumstamm gearbeitet!

Ist es schwer, heute noch solche besonderen Handwerkskünste auf einem Markt zu präsentieren?

Zumindest wird es immer schwieriger, außergewöhnliche und wirklich alte Handwerk-Traditionen zu zeigen. Entweder scheiden Aussteller aufgrund ihres Alters aus oder auch wegen der Kosten. Da ist die Anreise, die Unterbringung, u.a. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Standmieten. Nicht an allen Ständen wird viel verkauft – weil uns ja auch wichtig ist, dass produziert wird und nicht nur ein einfacher Verkaufsstand da steht. Die Sensendengler etwa bekommen von uns eine Gage – heute kauft ja niemand mehr Sensen.

Von den Eintrittsgeldern müssen Sie alle Unkosten bestreiten?

Ja. Vom Strom bis zum Wiederherstellen der Grünanlagen nach dem Markt. Zum Glück ist bislang immer noch etwas übrig geblieben, dass wir dann spenden – für die Brauchtumsarbeit und Denkmalpflege in Linn.

Wenn Ihnen jetzt eine gute Fee drei Wünsche zaubern würde...

Drei Tage schönes Wetter ohne Sturm und Regen. Das wäre super.

Handwerker, Ritter und Musikanten präsentieren sich am Pfingstwochenende, Samstag, 7., bis Montag, 9. Juni, auf dem Flachsmarkt an der Burg Linn.


Mehr als 300 Stände erwarten die Besucher, alte Handwerkskünste werden demonstriert. Es gibt ein Ritterlager, ein Kasperletheater, Falkner Flugshows und vieles vieles mehr. Samstag ist Familientag: Kinder unter 16 Jahren haben freien Eintritt. Zudem gibt es erstmals ein Babywickelzelt und ein gastronomisches Angebot auch für Veganer.


Geöffnet: 7. und 8. Juni: 10-19 Uhr; 9. Juni: 10-18 Uhr.

Eintritt: Erwachsene 8 Euro, Kinder zwei Euro. Kinder unter sechs Jahren frei.


I nfos: www.flachsmarkt.de

 
 

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