Erfolgreich in der Nische

Hamminkeln.. Serie „Bier von hier“: Die Feldschlösschen Brauerei in Hamminkeln ist die älteste der Region. Und hat sich auf Malzbier spezialisiert

Im Stammsitz der Feldschlösschen Brauerei hängt neben der Tür, die von der Diele ins Büro führt, eine Kopie an der Wand. Der Zeitungsausschnitt aus den „Niederrheinischen Neuesten Nachrichten“ stammt aus dem Sommer 1909. „Bierpreis-Erhöhung!“ steht da in fetten Lettern. Es ist eine Mitteilung vom „Verein der Brauereien am Niederrhein“. Die zwölf Mitglieder hatten sich darauf verständigt, die Preise um zwei Pfenning pro Flasche anzuziehen.

Mehr als 100 Jahre später ist die Erinnerung an die meisten dieser Brauereien längst genauso verblasst wie das Original des Artikels. Aber eine gibt es bis heute: die Feldschlösschen Brauerei.

Frühzeitig spezialisiert

Wie hat es das Traditionsunternehmen geschafft, auch nach 160 Jahren in der hart umkämpften Bierbranche noch im Geschäft und in Familienhand zu sein? Wilhelm Kloppert muss nicht lange überlegen: „Wir haben uns frühzeitig spezialisiert und auf unsere Kernkompetenz konzentriert“. Und die Kernkompetenz der Feldschlösschen Brauerei – die ist und bleibt das Malzbier.

Drei Flaschen davon stehen auf dem schweren Eichentisch im Büro, an dem der Braumeister sitzt. Gemeinsam mit seiner Schwester Marlene Kloppert-Dreissen führt der 49-Jährige die Geschäfte in sechster Generation. Neben ihm am Tisch hat Helmut Ebbert Platz genommen. Der 48-Jährige ist fürs Marketing und den Vertrieb zuständig – und gehört als Klopperts Schwager auch zur Familie.

Bevor es an die Verkostung geht, nimmt Kloppert den Besucher mit auf eine Reise in die 160-jährige Firmengeschichte. 1852 gründeten Klopperts Vorfahren die Brauerei in den Feldern Hamminkelns. „Anfangs waren wir, wie eigentlich alle Brauereien in dieser Zeit ,eine Vielsortenbrauerei“, sagt Kloppert. Schon sehr früh brauten sie auch Malzbier. Das war zwar kein Alleinstellungsmerkmal. Aber das Malzbier aus Hamminkeln stand im Ruf, das leckerste seiner Art zu sein und war äußerst beliebt in der Region.

Wegen dieser Beliebtheit und regionalen Verwurzelung setzte Klopperts Großvater Wilhelm Kloppert senior dann in den 1960er-Jahren alles auf die Malzbier-Karte. Während sich die anderen Brauereien der Region auf Altbier oder Pils spezialisierten und die Malzbierproduktion allmählich einstellten, richteten sich die Hamminkelner in der Nische ein. Eine Nische ist es zweifellos. „Denn Malzbier macht nur etwa ein Prozent des gesamten Bierumsatzes aus“, sagt Kloppert.

Die Strategie war erfolgreich und die regionalen Grenzen schnell überschritten. Im ganzen Land stieg die Nachfrage nach dem Feldschlösschen-Malz. Anfang der 1970er-Jahre gab’s die ersten internationalen Prämierungen für das Malzbier von Niederrhein.

Vielleicht liegt es am Geschmack: Das Feldschlösschen Malz ist weniger süß als andere Malzbiere. Dafür schmeckt man den kräftigen Malzgeschmack deutlicher heraus. Selbst das „Feldschlösschen Malz light“ – das auch für Diabetiker geeignet ist und von Fachärzten empfohlen wird – ist kräftig, malzig und sehr erfrischend. Und enthält wie alle Feldschlösschen-Biere keine Farbstoffe.

Während sich die Flaschen schnell leeren, fährt Kloppert fort, über die Entwicklung der Brauerei zu erzählen. In deren Geschichte stellten die 1980er-Jahre einen weiteren Wendepunkt dar. Damals begannen die Hamminkelner als Dienstleister Spezialprodukte für andere Brauereien abzufüllen. Eine neue Geschäftsidee, die gut lief. So gut, „dass wir am Standort Hamminkeln an unsere Produktionsgrenzen gestoßen sind“, sagt Kloppert. 50.000 Hektoliter Malzbier und Spezialprodukte füllten die 50 Mitarbeiter zu Spitzenzeiten ab.

Experiment mit Schuss

Davon ist heute nicht mehr viel zu sehen: Wer Kloppert und Ebbert durch die Schiebetür in die ehemalige Abfüllhalle folgt, der sieht viel freie Fläche. Seit fünf Jahren sei die Abfüllung am Stammsitz Geschichte. „2008 haben wir die Abfüllung ins benachbarte Wesel ausgelagert“, berichtet Kloppert, während er die Treppe hinauf geht. Viele Mitarbeiter seien damals mit in die neu gegründete Feldschlösschen-Produktionsgesellschaft gewechselt. Aus der haben sich die Hamminkelner als Gesellschafter zwar inzwischen zurückgezogen; abgefüllt wird das Feldschlösschen Malz aber auch weiterhin in Wesel.

„Wir sind momentan in einer Umbruchphase“, sagt der Braumeister, als er bei der Sud-Anlage im Obergeschoss angekommen ist. 135 Hektoliter Ausschlagmenge schafft der blank polierte Kupferkessel pro Sud. Für die Malzbierproduktion – derzeit liegt sie bei jährlich 30.000 Hektolitern – seien so große Mengen gut. Für neue Kreationen allerdings zu risikoreich. „Deswegen wollen wir eine zweite, kleinere Sud-Anlage, um zukünftig mehr experimentieren zu können.“

Als erstes Experiment ist seit kurzem das „Feldschlösschen Pils Schuss“ dauerhaft im Angebot. Es besteht zu zwei Dritteln aus Pils und zu einem Drittel aus Malz Klassik und ist das erste alkoholhaltige Getränk seit Jahren, mit dem die Feldschlösschen-Brauerei in Serie geht. Weitere sollen folgen.

„Wir haben viele Pläne und wollen uns in Zukunft neben dem Malzbier als erstem Standbein vor allem auf regionale Spezialitäten konzentrieren“, sagt Ebbert. Weil die Feldschlösschen Brauerei Mitglied in der Genussregion Niederrhein ist, sei er viel unterwegs und merke immer wieder, dass die Menschen auch beim Bier wieder den regionalen Bezug suchten.

„Den Preiskampf gegen die großen Brauereien kann man nicht gewinnen“, sagt Ebbert: „Man muss mit Qualität und einheimischen Produkten punkten.“ Helfen sollen dabei vor allem die guten Kontakte zur heimischen Gastronomie. Und die treuen Kunden, die sich die Feldschlösschen-Produkte per Direktversand auch über hunderte Kilometer zuschicken lassen: „Die Wertschätzung unserer Stammkunden ist sehr hoch.“

Dass Wilhelm Kloppert beim Brauen experimentieren kann, hat er erst kürzlich unter Beweis gestellt: bei einem zweiwöchigen Seminar zum Bier-Sommelier. Die Diplom-Urkunde hängt im Flur, direkt gegenüber von dem Zeitungsausschnitt. Wie hatte Ebbert zu Beginn des Gesprächs noch gesagt? „Bei uns liegen Tradition und Zukunft eng beieinander.“

 
 

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