Eine Kathedrale aus Bäumen

Flevoland.. Die Provinz Flevoland wurde künstlich angelegt - und ist ein Traum für Landschaftskünstler. Und natürlich für alle, die solche Kunst zu schätzen wissen; oder einfach nur einen schönen Ausflug machen möchten.

Seeboden aus wogendem Gras oder eine hohe Mauer, die dem Betrachter grau und kalt vor Augen führt, wie tief er unter dem Meeresspiegel steht: „Es gibt keine Gegend auf der Welt, wo Landschaftskunst besser passt als hier!“, sagt Sophie van Steenderen überzeugt. Sie führt Besucher zu den ungewöhnlichen Werken und erzählt unterwegs ebenso begeistert von der Kunst wie von dem Land, das einmal Meer war.

Flevoland ist die jüngste Provinz der Niederlande, erst 1968 waren die letzten Flächen trockengelegt worden. Weite Felder, moderne Städte - alles ist hier erst vor Kurzem von Menschen ersonnen und geschaffen. „Es ist die perfekte Umgebung für Kunstobjekte, die nicht nur einfach im öffentlichen Raum stehen, sondern die mit der Landschaft verschmelzen!“, so die Kunsthistorikerin van Steenderen.

Von weitem sichtbar hockt ein Mann aus Stahl auf einem Damm vor Lelystad. Nähert sich der Betrachter, löst sich die massive Gestalt auf: Es bleibt ein 26 Meter hohes Gewirr aus fast 2000 Stahlträgern - als hätte ein Riese einen Hochspannungsmast zerknüllt. Das beeindruckende Stückchen Ingenieurskunde fordert zum Klettern heraus.

Reichlich Bewegungsfreiheit

Kunst im öffentlichen Raum darf benutzt werden, meint der international bekannte Künstler Antony Gormley. Er schuf „Exposure“ 2010. Damit ist diese Landmarke das neuste von insgesamt sechs Landschaftskunstwerken in Flevoland. Auch Daniel Libeskind, Richard Serra und Robert Morris sind hier vertreten.

Ein Tagesausflug zur Landschaftskunst in Flevoland lässt sich gut mit Kindern kombinieren, denn auch die anderen Objekte bieten reichlich Bewegungsfreiheit.

So ist „Erdmeer“, 1982 von Piet Slegers erschaffen, fünf Hektar groß. Genauso groß wie die Grundstücke, die nach der Trockenlegung an die Bauern ausgegeben wurden. Der Künstler stellt die Seele dieses Neulandes plastisch dar: Hügel sind der gewellte Meeresboden, langes Gras erinnert an die hier einst wogende Algen und die Blätter der Silberpappeln schimmern wie das glitzernde Meer.

Gotteshaus aus 178 Pappeln

Die Idee vom trocken gelegten Meer, vom Gang über den Seeboden und vom drohenden Wasser hinter den Deichen beflügelte die Phantasie der Künstler. Ihre Kunstwerke gehen in der Landschaft auf. Sie sind mit Flevoland und seiner kaum 40 Jahre zählenden Geschichte verwachsen. So schenkte Marinus Boezem der „Stadt ohne Historie“ namens Almere ein gotisches Gotteshaus: 178 Pappeln bilden die Säulen seiner Grünen Kathedrale, durch die unsichtbaren Wände raschelt der allgegenwärtige Polderwind.

Das Licht und das Wetter sind Teil der Kunstwerke. Man muss hineingehen: den Raum erfahren, riechen, lauschen. Die Säulen-Bäume führen den Blick unwillkürlich hinauf, der Himmel bildet das Gewölbe dieses einmaligen Hochzeitsortes.

„Dieses Kunstwerk entwickelt sich immer weiter, genau wie diese einst öde Polderlandschaft,“ erklärt Sophie van Steenderen, „Aus mageren Setzlingen wurden mächtige Säulen, aus kahlem Meeresboden wurden saftige Äcker und bunte Wohnviertel.“ So bietet Flevoland reichlich Abwechslung neben der Landschaftskunst: z.B. moderne Architektur, das Museum über die größte Landgewinnung der Welt (Nieuwland Erfgoedcentrum) oder das Einkaufsparadies Batavia Stad in Lely-stad.

 

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