„Ein Mann der klaren Worte“

Bocholt..  Ulrich Paßlick (59) hat die meiste Zeit seines Lebens in Bocholt verbracht – als Stadtbaurat. 24 Jahre lang prägte der gebürtige Münsteraner damit das Gesicht der Stadt. Jetzt, nach drei Amtsperioden, hört er auf. Am Mittwoch wird er offiziell verabschiedet.

Ein Schlote-Plakat zum Stadtteil Feldmark hängt neben Paßlicks Schreibtisch. „Das war mein erstes großes Projekt im Wohnungsbau“, sagt Paßlick, auch wenn es die ersten Überlegen dazu schon unter seinem Vorgänger Klaus Fehlemann gegeben habe. „Über 900 Wohnungen sind da entstanden. Das war eine schöne Herausforderung.“ Ebenso wie das Aa-Center, aus dem – nach einer Verzögerung wegen der Wiedervereinigung – die Shopping-Arkaden wurden.

Beide Projekte nahm Paßlick, der zuvor acht Jahre lang Bauamtsleiter in Rees gewesen war, nach seiner Wahl zum Stadtbaurat 1992 in Angriff. Einen Namen machte sich Paßlick, der lange nach einem Haus für sich und seine Familie in Bocholt suchte, um dann 1994 hier zu bauen, auch mit dem Bocholter Bodenmanagement. Damit sei die Prozedur beendet worden, nach der Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert wurden, sagt er stolz. Städte wie Köln oder Berlin hätten zumindest Teile davon übernommen. Den schönsten Moment seiner Amtszeit aber habe er vor ein paar Wochen beim Sommerfest der Regionale erlebt, sagt Paßlick. NRW-Bauminster Michael Groschek habe sich da ganz begeistert von Kubaai gezeigt. „Er sagte, Bocholt agiere vorbildlich in der Stadtentwicklung. Das habe ich als persönliches Lob aufgefasst.“

„Sehr zufrieden“ sei er mit der Neugestaltung des Benölkenplatzes mit der Zentralmensa und dem Langenbergpark, sagt Paßlick. Das sei ein bundesweites Vorzeigeprojekt. Aber auch die vielen Straßenbauprojekte und kleinere Projekte wie der Ausbau Biemenhorsts, sein „Hobby“ Klimakommune und die Förderung des Radverkehrs seien ihm wichtig gewesen.

Pannen wie den „Tropenhaus“ genannten Anbau des Mariengymnasiums oder das Hickhack um den Westring-Tunnel gab es in den 24 Jahren freilich auch. Mit dem Tunnel an sich sei er zufrieden. „Da sind schon über 30 Millionen Autos durchgefahren“, sagt Paßlick. Autos, die sonst die Innenstadt verstopft hätten. Nur der Weg dorthin sei „holprig“ gewesen. Aber: „Das war damals nur ein Problem der Liquidität und des Managements.“ Wenig später präzisiert Paßlick: „Mein Krisenmanagement war nicht gut.“ Das sei „die schwierigste Phase seiner Amtszeit“ gewesen. Aber er habe Lehren daraus gezogen. Der Tiefbaubereich sei deshalb neu geordnet und ein Kosten-Controlling eingeführt worden.

Dass ein Stadtbaurat sich immer auch Feinde mache, sei klar. Diese Feindschaften müsse man aushalten, sagt Paßlick. Als Stadtbaurat müsse man das große Ganze im Blick haben, das Allgemeinwohl gegen das Eigenwohl einzelner durchsetzen. Darum sei es auch bei dem Streit um den Wegzug der Firma Herding gegangen. „Herding oder Kubaai?“ habe am Ende die Frage gelautet.

Vorbildlich habe sich demgegenüber die Firma Ibena verhalten, die ihre Lagerhallen verlegt habe. Klar, er habe eine „Macke“, räumt Paßlick ein. „Für den diplomatischen Dienst bin ich nicht uneingeschränkt verwendbar“. Er sei eben „ein Mann der klaren Worte“. Das schätzten die Menschen, auch wenn ihm „im Eifer des Gefechts“ schon mal etwas über die Lippen komme, was er besser anders formuliert hätte. „Ich bin eine Kämpfernatur“, sagt Paßlick. Wenn er überzeugt sei, dass etwas gut für Bocholt ist, setze er sich dafür ein. Da empfinde er Befriedigung.

„Ich habe Spaß an der Arbeit“, sagt Paßlick. „Von 150 auf 0 zu gehen, kann ich mir nicht vorstellen.“ Freiberuflich wolle er künftig als Berater für Städte tätig sein und Vorträge halten, er habe eine Anfrage für einen Lehrauftrag an einer Uni und als Präsident der Deutsch-Chinesischen-Gesellschaft setze er sich weiter ein. Privat wolle er sich mehr Zeit nehmen für Musik, Reisen und „Birdwatching“.

 
 

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