Ein Klima voller Neid und Missgunst

Markus Peters
Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
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Der Machtkampf beim MSV Duisburg spitzt sich zu. Dabei wird auch jede Menge schmutzige Wäsche gewaschen.

Am Niederrhein. Eine schier unendliche Geschichte: der Machtkampf beim MSV Duisburg. Vielleicht müssen demnächst sogar Juristen entscheiden, wer rechtmäßiger Vorstandsvorsitzender des Zweitligisten ist. Denn nicht erst seit dem Eklat um die Teilnahme von Oberbürgermeister Adolf Sauerland am Bankett herrscht Zoff zwischen dem Vorstand und dem Aufsichtsrat des MSV Duisburg e.V.

Seit April liegen die beiden Gremien über Kreuz. Wie Dieter Steffen, Noch-Vorstandsvorsitzender, schilderte, habe der Aufsichtsrat des MSV Duisburg e.V. Einsicht in die Arbeitsverträge von Mitarbeitern gefordert. Unter anderem in den Vertrag mit Geschäftsführer Roland Kentsch: „Die konnte ich aus rechtlichen Gründen nicht herausgeben“, begründet Steffen.

Denn: Die Mitarbeiter sind bei der MSV Duisburg Kommanditgesellschaft auf Aktien angestellt, einer ausgelagerten Tochterfirma des Vereins. Der DFB hatte Profivereinen einst diese Konstruktion empfohlen, um den Einfluss der Mitglieder auf den Profi-Bereich zu beschneiden. Auch die Satzung des MSV Duisburg definiert den Aufsichtsrat als Kontrollorgan des Vorstands, das beim Etat, Grundstücksgeschäften und ähnlichen Fragen zu konsultieren ist.

Robert Philipps, stv. Aufsichtsratsvorsitzender des MSV Duisburg e.V. bestätigte, dass weitreichende Informationsrechte geltend gemacht wurden, wollte aber zu weiteren Details keine Stellungnahme abgeben. Offensichtlich hat es einen 28 Punkte umfassenden Katalog gegeben, an dem unter anderem der ehemalige Mitarbeiter von Hellmich Marketing und kooptierte Aufsichtsrat, Arnold P. Nitzki, mitgearbeitet hatte. Der allerdings ist seit geraumer Zeit auf Distanz zu seinem früheren Arbeitgeber gegangen.

Steffens Weigerung, die geforderten Unterlagen zur Verfügung zu stellen, entpuppte sich als Bumerang. Der ehemalige Innenhafen-Entwickler geriet danach persönlich ins Visier des Aufsichtsrats. So wurde ihm unter anderem unterstellt, nur an DFB-Länderspielkarten und Fahrtkostenerstattung interessiert zu sein. „Es herrscht ein Klima von Neid und Missgunst“, schildert Steffen die Atmosphäre in der Führungsetage.

Das bestätigt auch eine E-Mail des Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Werner Tomalak an Dieter Steffen. Da heißt es: „Angesichts fehlender ... Regelungen bitte ich aufgrund wiederholt an den Aufsichtsrat herangetragener Nachfragen um eine schriftliche Stellungnahme...: 1. Sind die den derzeitigen Vorstandsmitgliedern (einschließlich eventueller Begleitpersonen) entstandenen Fahrtkosten zu Auswärtsspielen des MSV oder zum Besuch von Länderspielen vom MSV Duisburg e.V. oder der Spielbetriebsgesellschaft erstattet worden?

2. Sind die den derzeitigen Vorstandsmitgliedern entstandenen Hotel-/Übernachtungskosten ... erstattet worden ?“

Gezielt gestreute Gerüchte

Die Antwort von Dieter Steffen fällt kurz und knapp aus: „Auf beide Fragen gibt es eine Antwort: Nein, es sind keine Auslagen ersetzt worden.“ Zum fraglichen Länderspiel Deutschland - Brasilien in Stuttgart wurden übrigens alle Vorsitzenden der 1. und 2. Liga vom DFB eingeladen. Obwohl den Aufsichtsratsmitgliedern längst bekannt war, dass Steffen und seinen Vorstandskollegen Thomas Kretschmer und Stephan Bock bis heute keine Auslagen erstattet worden sind, wurden gezielt weiter Gerüchte gegen den Vorstand gestreut. Unter anderem in einschlägigen Internet-Foren.

Halbwahrheiten und Unterstellungen wurden auch über Edmund Baer verbreitet, der vom Vorstand als Kandidat für die Nachfolge des zurückgetretenen Vorstandsmitglieds Thomas Kretschmer benannt wurde. So behauptet unter anderem ein Nutzer namens „Vanitas“ am 11. November nach der Ablehnung des Stadtwerke-Vorstands durch den Aufsichtsrat: „Wer als gebürtiger Pfälzer nach der Meisterschaft des 1. FCK sein Büro rot streicht als bekennender Fan der Lauterer, hat meiner Meinung nach nichts in einer Führungsposition unserer Zebras zu suchen.“ Außerdem heißt es neben bösen Gerüchten über das Privatleben Baers: „Hier geht es augenscheinlich nur um ein lukratives und prestigeträchtiges Pöstchen...“

Alles Quatsch! Erstens ist Baer kein Pfälzer, sondern Rheinhesse, zweitens hat er sich sein Büro nach der Meisterschaft der Pfälzer nicht rot streichen lassen, drittens hat Baer dafür gesorgt, dass der sonst grün leuchtende Stadtwerke-Turm nach den Aufstiegen des MSV Duisburg in die Fußball-Bundesliga 2005 und 2007 weiß-blau beleuchtet wurde, viertens ist die Position im Vorstand des MSV Duisburg laut Satzung unentgeltlich.

Selbst Robert Philipps, stellvertretender Aufsichtsratschef und eine der treibenden Kräfte im Machtkampf bestreitet, dass es persönliche Gründe gegen Baer gegeben habe. Bleiben also nur taktische Erwägungen. Immer deutlicher kristallisiert sich heraus, dass der Rücktritt von Vorstandsmitglied Thomas Kretschmer benutzt wurde, um den Vorstand zu Fall zu bringen. Kurz nachdem der Rücktritt öffentlich wurde, skizzierte schon ein Nutzer namens „Walvater“ im MSV-Portal das Szenario.

Hatte Steffen am Abend nach der Ablehnung Baers noch besonnen reagiert, beging er auf der Pressekonferenz am nächsten Tag einen folgenschweren Fehler: Ohne Beweise dafür in der Hand zu haben, bezeichnete er den Rücktritt Kretschmers als „dienstliche Anordnung“. Außerdem dürfte er sich mit der sarkastischen Drohung, MSV-Legende Bernard Dietz für den Vorstand zu nominieren, wenig Freunde gemacht haben. Auch mit Details zum nachlassendem Sponsoring der Sparkasse lieferte Steffen dem Aufsichtsrat die bis dato völlig fehlende Begründung, nicht mehr mit dem Vorstand zusammenarbeiten zu wollen, frei Haus.

Die dafür satzungsgemäß notwendige außerordentliche Jahreshauptversammmlung will der Aufsichtsrat trotzdem nicht einberufen. Warum, will Philipps nicht verraten. Möglicherweise fürchten manche Aufsichtsräte auch das Mitglieder-Votum.