Ein Denkmal für den Fußballgott

Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool

Duisburg/Düsseldorf..  Er war der Teufelskerl und ein Fußballgott: Toni Turek. Der Torhüter der legendären Weltmeisterelf von 1954. Geboren wurde Anton Turek in Wanheimerort, Duisburg, er lebte lange Zeit in Kaarst und hütete einige Jahre lang bei Fortuna Düsseldorf den Kasten. Nun endlich, 60 Jahre nach dem Gewinn des WM-Titels, bekommt der Fußballer sein Denkmal. Besser spät als nie.

In der Kunstgießerei von Rolf Kayser rollen die Köpfe – von einer Produktionsphase zur nächsten. Hier, in der Halle an der Bremer Straße im Hafen, wird Toni Turek vom Fußballer zum Denkmal.

Spätestens am 4. Juli, also auf den Tag genau sechs Jahrzehnte nach dem „Wunder von Bern“, wird eine Skulptur des einstigen Fortuna-Keepers das Düsseldorfer Stadtbild bereichern. Standort: unmittelbar vor der Heimspielstätte, der Esprit Arena in Stockum, nahe der Messe.

Kunststück!

Kurios: Im Moment stehen noch zwei Köpfe des früheren Torhüter-Idols zur Verfügung. Soll er lächeln? Oder doch etwas ernster blicken? Da sind sich die Initiatoren noch nicht so einig. „Es geht jetzt ins Detail“, sagt Fortuna-Fan Björn Bogerding.

Die Idee zum Denkmal ist in der Fankurve der Fortuna entstandenen. Björn Bogerding machte daraus ein reales Projekt.

Bevor aus einem schwarz-weißen Foto eine Kunststoff-Plastik wurde, die in dieser Woche der versammelten Presse vorgeführt wurde, gab’s viel zu tun. Das Turek-Bild wurde zunächst gescannt, dann durch einen hochmodernen 3D-Drucker gejagt, und schließlich die Plastik modelliert.

Der Düsseldorfer Künstler Till Hausmann leistete die Vorarbeit, bevor es für die beiden Turek-Köpfe und die restlichen Körperteile in die Kunstgießerei Kayser im Düsseldorfer Hafen ging. „Der Hauptteil kommt noch. Und wenn die Statue erst einmal gegossen ist, muss sie noch zur Arena transportiert werden“, sagt Rolf Kayser.

Wie peinlich!

Wenn die Toni-Turek-Statue vor dem Stadion stehen wird, bedeutet dies auch den Abschluss einer fast unendlichen und oft unrühmlichen Geschichte. Diese handelt davon, wie der Torwart posthum geehrt werden könnte.

Fortuna Düsseldorf eröffnete 2012 ihre Geschäftsstelle am Flinger Broich als „Toni-Turek-Haus“. Die Rheinbahn, bei der das 1984 verstorbene Fußball-Idol lange als Fahrer angestellt war, schickte eine Turek-Straßenbahn als rollendes Museum mit dem Spruch „Toni, du bist ein Fußballgott“ auf die Gleise.

Die Stadt indes tat sich immer schwer mit ihrem Helden. Schon im Jahr 2004 hatte der damalige Oberbürgermeister Joachim Erwin in einem geplanten Neubaugebiet in Unterrath einen kleinen Weg als Toni-Turek-Straße eingeweiht. Die Siedlung wurde nie fertig gebaut, das bereits montierte Straßenschild wieder entfernt.

Drei Jahre später sollte an der Kehler Straße in Unterrath ein mit Fußball-Architektur gestalteter Platz samt Gedenktafel an den Weltmeister erinnern. Nach Protesten von Anwohnern verschwand der Entwurf wieder in den Schubladen der Verwaltung.

Nun also ein erneuter Versuch – der wohl gut ausgeht.

Ein riesige Party!

Toni Turek wird am Ende ein mit Bronze überschütteter Superheld sein: 4,5 Meter hoch und mit allen wichtigen Details ausgestattet; mit originalen 54-er Fußballschuhen, originalem DFB-Torwarttrikot und originaler Mimik.

Er wird an einem bronzenen Torpfosten lehnen und den Fans, die zu den Fortuna-Heimspielen kommen, an den Treppen zur Rheinbahn ins Gesicht schauen.

„Das alles haben wir in einem demokratischen Prozess entschieden“, berichtet Björn Bogerding. „Auch für die Familie von Toni Turek ist das Ergebnis, wie wir es alle bald sehen werden, perfekt.“

Das Geld für die Statue wurde über die Online-Plattform der Düsseldorfer Crowdrange AG gesammelt: per Schwarmfinanzierung. Das heißt: Jeder, der sich freiwillig beteiligen möchte, gibt so viel Geld wie er hat. Dem Aufruf folgten beispielsweise Unternehmen wie der Nahverkehrsbetrieb Rheinbahn. Auch viele Fortuna-Fangruppen sowie etliche Privatpersonen machten mit und spendeten. Eine Ehrensache eben.

Dabei kam am Ende die stolze Summe von 30 000 Euro zusammen. „Dass dieses Projekt überhaupt zustande kam, macht uns sehr glücklich und zeigt, welchen Stellenwert Toni Turek in der Stadt hat“, freut sich Nikdad Nasseh vom Crowdrange-Vorstand.

Aber nicht nur in Düsseldorf ist Toni Turek immer noch ein Begriff. bei der feierlichen Enthüllung wird sicher ganz (Fußball-)Deutschland in die Rheinstadt gucken.

Denn es ist gut möglich, dass das Denkmal bereits vor der Fußball-WM an der Arena der Öffentlichkeit präsentiert wird. Der DFB plant in Düsseldorf ein „Weltmeisterfest 1954“ mit allen noch lebenden „Helden von Bern“. Die Idee stammt von Wolfgang Niersbach und Peter Frymuth. Zurzeit planen die Verantwortlichen, ob Ende Mai ein Termin frei ist.

 
 

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