„Een, twee, g’suffa!“ beim Oranje-Oktoberfest

Markus Peters
Prost! Foto: Markus Peters
Prost! Foto: Markus Peters

Arcen. Sogar aus West-Friesland reisen die Feierbiester an, um in den Niederlanden mit 1600 Landsleuten Oktoberfest zu feiern. Das Oktoberfest bringt den deutschen Schunkel-Schlager im Nachbarland ganz groß raus. Bands wie die „Die Powerhosen“ profitieren.

„Wahnsinn, warum schickst Du mich in die Hölle“, singt Peter Ummels alias „Pummi Spitze“ ins Mikro und die rund 600 Zuhörer im Festzelt stehen auf den Bänken, recken die Maßkrüge hoch und grölen ordnungsgemäß „Hölle, Hölle, Hölle.“
Ummels lässt noch ein langanhaltendes „Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit“ samt „Zicke, zacke, zicke, zacke“ folgen. Die ausgelassene Menge auf den Bänken antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Hoi, hoi, hoi“.

Diese Szene spielt allerdings nicht irgendwo in Niederbayern oder am Niederrhein, sondern in den Niederlanden. Genauer im limburgischen Arcen. Dort organisiert der Gastronom Henk Clavis jetzt schon zum dritten Mal ein Oktoberfest mit allem Schnickschnack. „Von Jahr zu Jahr kommen mehr Besucher“, freut sich der Mann mit dem markanten Schnauzbart. Sogar aus West-Friesland sind die „Feierbiester“ angereist, um hier zu „zuipen als een ketel“ (saufen wie ein Kessel). Nachts um zwei Uhr geht es dann wieder im Autobus auf die dreistündige Heimreise.

Nicht schon im September

„Oktoberfeste werden auch in den Niederlanden immer populärer“, urteilt der Mann, der in Arcen an der „Hertog Jan-Brauerei, der kleinsten des Interbrew-Konzerns, eine urige Bierkneipe betreibt. Die Niederländer haben das Fest offensichtlich aus Deutschland importiert. Mit einem kleinen Unterschied: „Wir feiern das Oktoberfest nicht schon in September wie ihr Deutschen. Das ist blöd“, grinst Besucherin Maria Paschke und reiht sich in die nächste Polonaise ein.

Sogar eigene T-Shirts, Schals und Hüte zum Fest hat Henk Clavis produzieren lassen. Denn Dirndl, Krachlederne und Trachtenhut finden sich selten in niederländischen Kleiderschränken. Alles übrigens sehr günstig: „Bei uns darf es nie zu teuer sein“, grinst der Organisator und freut sich am ersten Abend schon über 600 ausgelassene Besucher im Zelt. Tags drauf kommen sogar 1600, weil „Die Powerhosen“ im Festzelt von Arcen ihre Live-DVD einspielen.

Doch Kellnerin Vera kommt kaum hinterher, die Bierkrüge - sogar mit Schaum - an die Tische zu schleppen. „Bis zu zehn Stück gleichzeitig geht schon“ sagt das Meisje im Dirndl, das heute die schöne Maid gibt. Den Party-Kracher von Tony Marshall hat die Band „Wir sind Spitze“ natürlich auch im Programm.

DJ Ötzi und
Status Quo

Die fünf semiprofessionellen Musiker haben sich seit zwei Jahren der deutschen Schlagermusik verschrieben. „Früher haben wir Rock-Songs gecovert. Doch daran haben sich die Leute inzwischen satt gehört“, erklärt Sänger und Saxofonist Peter Ummels. Deshalb hat das Quintett umgesattelt auf Stimmungsmusik und spielt die Hitparade der Erfolgsmusik ‘rauf und runter. Von DJ Ötzi bis zu den Schürzenjägern. Selbst vor Andrea Bergs „Du hast mich tausendmal belogen“ sind sie nicht fies.

Allerdings streuen sie hin und wieder ein „Rockin’ All Over the World“ ein, bekannt durch Status Quo. Da gehen dann doch die Rocker in der „Alpen-Spatzen-Buben-Rocker-Schlager-Freunde & Oberkrainer-Pop-Rebellen-Kapelle“ durch. „Bands wie die Powerhosen spielen ausschließlich Stimmungslieder“, sagt Sänger Ummels. „Die Leute kennen diese Musik aus ihren Ski-Urlauben in den Alpen.“ Allerdings weiß man auch bei den Spitze-Brüdern nicht ganz genau, was nun augenzwinkernde Ironie und was ernst gemeint ist.

Fest steht, dass auch in den Niederlanden der deutsche Schunkel-Schlager immer populärer wird. Zur Fußball Weltmeisterschaft war das Höhner-Cover „Viva Hollandia“ der Hit, beim Sommerfest in Venlo waren die „Bläck Fööss“ die Hauptattraktion. Woran das liegt? Ganz einfach. „Es gibt kaum niederländische Musik“, erklärt Ummels. Außer Heintje. „Aber in dieser Stimmlage kann ich nicht mehr singen.“