Die Fliegerwelt von „Laughing Laarbruch“

Von Anke Gellert-Helpenstein
Er grüßt heute nicht mehr Sonne, Sterne und Mond, sondern die Museumsbesucher: Rod Hawkins.Foto:Marc Albers
Er grüßt heute nicht mehr Sonne, Sterne und Mond, sondern die Museumsbesucher: Rod Hawkins.Foto:Marc Albers
Das Royal-Air-Force-Museum (RAF) gibt Einblicke in die Geschichte der britischen Luftwaffe. Bis 1999 waren die Soldaten am Niederrhein stationiert. Einer von ihnen: Rod Hawkins

Weeze.  Der 67-jährige Rod Hawkins ist eine stattliche Erscheinung. Kräftig, sportlich. Wenn er mit sonorer Stimme und starkem englischen Akzent aus seiner aktiven Fliegerzeit am Niederrhein und hier vom damaligen RAF-Stützpunkt Laarbruch spricht, ist es nicht schwer, sich die Szenen vorzustellen. Zumal dann nicht, wenn der Navigator der Lüfte im RAF-Museum des Flughafens Geschichten aus seiner aktiven Zeit erzählt.

The Saints, die Heiligen

„Wir haben immer gesagt: „Wild Wildenrath, Bullshit Brüggen und Laughing Laarbruch!“, verrät er. Auf dem Weezer Stützpunkt der britischen Luftwaffe, der Royal Air Force (kurz RAF), wurde eben oft und gerne gelacht. Von 1954 bis 1999 waren die britischen Soldaten am Niederrhein.

Als sie abzogen, blieben einige. Rod Hawkins etwa. Er hat seine Frau, die Weezerin Cilly Hawkins-Grüterich, die auf dem Stützpunkt arbeitete, 1970 kennen gelernt, 1973 geheiratet. Heute engagieren sich beide im Museumsverein, er als 2. Vorsitzender, sie als 2. Geschäftsführerin. Mit „Chef“ Helmut Hartmann gehören sie zu den Stützen des RAF-Museums.

Mittlerweile steht Hawkins neben zwei Anzügen, die er im Flieger als Navigator tragen musste. Einer diente auch als „Notausstiegshilfe“ mit Fallschirm für den Navigator. „Sehr unbequem und eng“, verrät Hawkins. Für die Bord-Navigatoren gab’s aber keine Schleudersitze. Vielmehr lagen sie im Bauch des Jets und mussten sich im Notfall durch ein enges Fenster zwängen.

Rod Hawkins flog mit der legendären Phantom (bis 83) und dem Tornado. Als Letzterer 1983 nach Laarbruch kam, freute sich die Besatzung über das bequeme und „leise“ Kampfflugzeug. „Ein Missverständnis“, erinnert sich Hartmann lachend. Denn leise war der Tornado nur für die, die drin saßen. Alle anderen erinnern sich eher ungern an den Lärm. Den Harrier hat Hawkins nicht mehr geflogen.

Das RAF-Museum am Flughafenring vom heutigen Airport Weeze zeigt Cockpits, Flugabwehrgerät, Schleudersitze, authentische Flugzeugmodelle, Uniformen, Bilder, Schriftstücke und vieles mehr. 45 Jahre Präsenz britischer Luftwaffe auf Laarbruch. Auch traurige Momente, die Laughing Laarbruch mal nicht lachend zeigen: Abstürze, Anschläge, Falklandkrieg. Soldaten fielen dort, die den Weezern zu Freunden geworden waren. Das RAF-Museum bewahrt das Kapitel der Heimat- und Nachkriegsgeschichte des Niederrheins, macht’s lebendig und begreifbar.

Wer das Glück hat, Rod Hawkins im Museum zu treffen, sollte ihm ruhig zuhören. Dann verrät der ehemalige Soldat beispielsweise, was es mit dem stilisierten Strichmännchen mit dem Heiligenschein auf sich hat, das sogar Anzüge, Flaggen und Maschinen schmückt:

Rod Hawkins gehörte nämlich zu den „Saints“. Zu jenen Briten, die einer der drei in Laarbruch ansässigen Kirchen angehörten – er der Saint Peters Church of England. Die Saints wurden zu „The Saints“, weil sie ihren Schutzpatron stilisierten und Flaggen, Maschinen und Co. damit schmückten.

Übrigens: Das heutige Museum befindet sich genau in dieser ehemaligen anglikanischen Kirche.

Museumsgeschichte und Öffnungszeiten

Das Royal-Air-Force-Museum wurde im Juni 2007 auf dem Flughafengelände eröffnet, acht Jahre nachdem das britische Militär abgezogen war. Ursprünglich als reine Dokumentensammlung gedacht, kamen immer mehr Exponate hinzu. Zurzeit werden Sponsoren gesucht, die den Transport eines gut erhaltenen Kampffliegers von England zurück nach Weeze ermöglichen.


Das Royal-Air-Force-Museum, Flughafenring, 47652 Weeze, ist bis September von freitags bis sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet. Mehr Informationen unter: 02837/82 90 oder: www.laarbruch-museum.net