Die 19-jährige Gülhiye Cengiz aus Moers kickt jetzt in der Bundesliga

Fußballtalent Gülhiye Cengiz spielt in dieser Saison erstmals für das Bundesligateam des FCR.  Foto: Christoph Wojtyczka
Fußballtalent Gülhiye Cengiz spielt in dieser Saison erstmals für das Bundesligateam des FCR. Foto: Christoph Wojtyczka
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Duisburg/Moers.. Das Moerser Fußballtalent Gülhiye Cengiz spielt in dieser Saison erstmals im Bundesliga-Team des FCR. Mit der DFB-U17-Auswahl wurde sie schon Europameisterin. Am Samstag geht es gegen den 1. FFC Frankfurt.

In der vergangenen Woche ist es passiert. Jemand hat im Fan-Shop des Duisburger Frauen-Fußball-Bundesligisten FCR ein Trikot mit Gülhiye Cengiz Namen bestellt. Zum ersten Mal. Und darauf ist die 19-Jährige „echt stolz“, sagt sie, strahlt - und nimmt sich sofort zurück: „Ich freue mich auf jeden Fall.“

Debüt im Bundesligateam

Erstmals spielt sie in dieser Saison im Bundesligateam des FCR, wurde von der Anführerin der zweiten Mannschaft zur Geführten, von der Kapitänin zum „Krümel“: So nennen die „Großen“ des Teams - wie die Nationalspielerinnen Annike Krahn, Simone Laudehr, Alexandra Popp, Linda Bresonik - die nur 1,60 Meter große Kleine manchmal.

Als „Krümel“ wird man bescheiden. „Ich bin dankbar für jede Minute“, sagt Gülhiye vor dem Spitzenspiel am Samstag gegen den 1. FFC Frankfurt. Stammplatz? Darüber will die gebürtige Moerserin gar nicht reden, nicht einmal nachdenken. „Ich will nur in die Zukunft hineinleben, ohne festes Ziel“. Und überhaupt: „Die Plätze im Mittelfeld sind gut belegt.“ Bescheiden. Immerhin stand sie schon sechsmal in der Saion in der Startelf.

Das Leben ist auf’m Platz

Unter mangelndem Selbstbewusstsein leidet die 19-Jährige allerdings nicht. Als es im Frühjahr bei der Jahreshauptversammlung um die Entlassung der Trainerin Martina Voss-Tecklenburg ging, stand Gülhiye Cengiz auf und forderte Antworten vom Vorstand. Gülhiye Cengiz, die Mittelfeldspielerin, die noch nicht einmal beim FCR groß geworden ist sondern die vom Niederrhein, vom TV Asberg kam. Aus der Jungsmannschaft. „Ich sage, was ich denke“, sagt Gülhiye und auch, dass das meist gut geht. Das lerne frau beim Fußball. „Man wird selbstständiger, sammelt Lebenserfahrung“.

Denn das Leben, das ist auf’m Platz. „Da muss man oft sehr schnell Entscheidungen treffen, die andere länger überdenken würden.“ Das schult. Ebenso wie der Umgang und das Zusammenspiel mit den Jungs beim TV Asberg.

Eltern waren verdutzt

Mit dreieinhalb Jahren verkündete Gülhiye Cengiz ihren verdutzten Eltern, dass sie, bitteschön, Fußball spielen möchte. Im Verein. Mit den Kumpels vom Kindergarten. „Meine Eltern waren erst verwundert“, erinnert sie sich - und dann wohl erstaunt, weil ihre Kleine schon beim Probetraining sofort mitspielen durfte.

Seitdem stehen sie immer hinter ihr. Standen bei jedem Spiel in Moers am Rand, bis ihre Tochter nach der C-Jugend nicht mehr in einer Jungenmannschaft spielen durfte, weil die Regeln das so vorsehen. Dabei war das „cool mit den Jungs“ und gelernt habe sie auch eine Menge: „Jungen spielen viel aggressiver, körperbetonter.

Intelligenz ausspielen

Bei Mädchen beruft man sich mehr aufs Taktische und spielt aus der Intelligenz heraus“ erklärt Gülhiye, die auch von ihren Mitspielerinnen immer als „Spielern“ spricht und die findet, dass Mädchen „so lange wie möglich mit Jungen in der Mannschaft spielen“ sollten. Dass sie Jungen später als Profis ein Vielfaches von Frauen verdienen? Geschenkt. „Darüber darf man nicht nachdenken, sonst ärgert man sich nur.“

Auch beim Wechsel nach Duisburg vor sieben Jahren, den ihr Asberger Trainer vermittelt habe, standen die Eltern hinter ihrer Tochter, auch, als sie scheinbar kaum fürs Abi lernte. „Das hat für Diskussionen gesorgt“, erinnert sich Gülhiye, vor allem „weil meine Mutter mich nie hat Hausaufgaben machen sehen“. Abends habe sie gelernt, nach dem Training, manchmal bis zwölf, ein Uhr nachts.

Studium nebenbei

Weil das nicht nur zum Gewinn der Europameisterschaft im U17-Team des DFB sondern auch für einen Abischnitt von 2,0 gereicht hat, sehen die Eltern es gewiss ganz locker, dass Gülhiye auch ihr Studium - „International Business and Social Science“ auf der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort - eher so „nebenbei“ betreibt. Heißt: Sie verlässt das Haus um acht Uhr morgens und fährt von der Uni zum Training. Mitten in der Vorlesung. Jeden Tag. Bis auf Mittwochs. Da trainiert sie privat mit ihrer Mannschaftskollegin Jennifer Oster.

Einen Termin mit Gülhiye? Also, sie hätte da zehn Minuten Zeit zwischen Uni und Training, bietet der Sprecher des Vereins an. „Es ist nicht so wichtig, ob das Studium vier oder fünf Jahre dauert“, meint die Mittelfeldspielerin: „Wenn man so jung ist, braucht man Spielpraxis“. Der Trainer honoriert das. „Gülli“, sei eine „junge talentierte Spielerin“, die sich auch durch ihre Spielauffassung und -freude auszeichne. „Sie hat eine Riesenzukunft beim FCR“, sagt Marco Ketelaer.

Dem einen Trikot werden noch viele folgen.

 
 

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