Der strenge Blick des Brückenprüfers

Duisburg. Hier oben auf 36 Metern Höhe hat Günter Volkgenannt einen prächtigen Blick über Duisburg. Doch der 64-jährige Bauingenieur der Wirtschaftsbetriebe hat gar keine Zeit, diese Fernsicht zu genießen. Die Brücke der Solidarität erfordert seine ganze Aufmerksamkeit. Schließlich steht eine sogenannte Hauptprüfung an. „Dann muss ich immer jedes Bauteil der Brücke handnah prüfen. Das heißt: Ich muss es angefasst und genau kontrolliert haben“, erklärt der in Meiderich lebende Volkgenannt, während er die Hubbühne bei herrlichstem Sommerwetter in luftige Höhen dirigiert. Der Rest ist Staunen. Staunen über die Imposanz des Bauwerks aus dieser Perspektive, aber auch über die Masse der Prüfaufgaben.

Alle sechs Jahre steht eine solche Hauptprüfung an. Und für die Wirtschaftsbetriebe-Kräfte aus der Abteilung Brückenbau gilt es, in ganz Duisburg 275 Bauwerke in regelmäßigem Turnus unter die Lupe zu nehmen – darunter sind allein etwa 180 Brücken.

Neuer Korrosionsschutz nötig

Soeben hat der Prüfer die Anschlüsse der stählernen Stabilisatoren in Augenschein genommen, die die beiden Bögen der Brücke miteinander verbinden. Auch die Hängerseile, von denen es am Bauwerk 64 gibt, waren bereits an der Reihe. „An einigen Seilen muss der Korrosionsschutz erneuert werden“, erklärt der Bauingenieur. Die entsprechenden Stellen hat er in Weiß markiert, so dass die Mitarbeiter der Firma, die diesen Job übernommen hat, sofort die richtigen Stellen mit ihrem Hubwagen ansteuern. Und was ist jetzt gerade an der Reihe? „Die Vergusshülsen der Hängeseile“, antwortet Volkgenannt. „Ich muss fühlen, ob sich eine Mulde im jeweiligen Blei-Zink-Verguss gebildet hat. Falls ja, müssen wir da sofort ran.“

Günter Volkgenannt ist bereits seit 25 Jahren im Geschäft und daher als routinierter Prüfer mit der 256 Meter langen und 3200 Tonnen schweren Brücke der Solidarität quasi „auf Du und Du“. Was hat sich seit der letzten Hauptprüfung im Jahr 2010 denn am heftigsten verschlechtert?

„Ganz klar der Asphaltwulst, der sich hier gebildet hat“, sagt der Prüfer und zeigt auf das bis zu sieben Zentimeter hohe Gebilde am Rande der rechten Fahrbahn. „Das werden wir zeitnah abfräsen, um die Entwässerung der Brücke bei Regen sicherzustellen“, so Volkgenannt. Denn besagter Asphaltwulst verhindere, dass das Wasser die Abflüsse erreichen kann. „Stattdessen entsteht auf den Fahrbahnen die Gefahr von Aquaplaning.“ Die Fräsarbeiten sollen in den Sommerferien 2016 erfolgen. Dann wird die Brücke aber nicht wie jetzt für zwei Tage vollgesperrt, sondern alles wird bei laufendem Verkehr mit Absperrungen erledigt.

Wie geplant ging die Prüfung am Samstag zu Ende. „Ich bin zufrieden“, bilanzierte Volkgenannt. „Die Brücke ist in einem guten Zustand.“ Das wird er auch in seinem rund 100-seitigen Prüfbericht attestieren. Den bekommt die Stadt als Eigentümerin des Bauwerks.

 
 

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