Der ewige Beuys

Joseph Beuys in seinem Haus am Drakeplatz, 1976.
Joseph Beuys in seinem Haus am Drakeplatz, 1976.
Foto: NRZ
Kleve, Moyland oder sonst irgendwo: Der berühmteste Künstler vom Niederrhein ist immer für eine Ausstellung gut. Warum das so ist? Ein Erklärungsversuch aus der Galerie im Park in Viersen

Am Niederrhein..  Nur zur Erinnerung: Joseph Beuys starb am 23. Januar 1986 in Düsseldorf.

Beuys, Beuys, Beuys. Im Museum Kurhaus Kleve wurde kürzlich sein altes Atelier in weiten Teilen wiederhergestellt. Im Museum Schloss Moyland ist er Stammgast, ständig wechseln hier seine Werkschauen – weil sich im Keller das Joseph-Beuys-Archiv befindet.

Und jetzt ist ihm in der Galerie im Park in Viersen noch eine Ausstellung gewidmet – die eine Erklärung für die große und andauernde öffentliche Aufmerksamkeit des Ausnahmekünstlers liefern könnte.

„Joseph Beuys: Werbung für die Kunst“ heißt die Schau. Sie ist eine kleine, aber detailreiche Annäherung an das Phänomen Beuys.

„Es ist uns wichtig, die spannende Aktualität des Gesamtwerkes von Joseph Beuys zu zeigen“, behauptet Lars Dannenberg, einer von vier Ausstellungsmachern. Und es stimmt ja. Auch 26 Jahre, nachdem die Asche von Joseph Beuys in der Nordsee verstreut wurde, wirkt er als ein Publikumsmagnet.

Joseph Beuys Superstar. Im Mai 1974 reiste er nach New York. Für die Aktion „I like America and America likes me“ ließ er sich am Flughafen in Filz einwickeln, mit einem Krankenwagen zu einer Galerie fahren, um dort einige Tage mit einem Kojoten zu verbringen. Sein internationaler Durchbruch.

Das soll Kunst sein? Unumstritten gehört der umstrittene Hochschulprofessor zu den berühmtesten Künstlern aus Deutschland. Wider- und Zuspruch fielen und fallen gleich heftig aus.

Wer in der Ausstellung in Viersen vor dem Werbeplakat der Münchener Boulevardzeitung „tz“ aus dem Jahr 1980 steht, auf dem eine Telefonaktion mit dem „umstrittensten Avantgardisten der Welt“ angekündigt ist, kann sich schmunzelnd vorstellen, wie lebhaft die Anrufer damals gewesen sein dürften.

Kunst = Kapital

Natürlich war sich der Provokateur aus der Provinz seiner Wirkung bewusst. Gekonnt und geschickt inszenierte sich Joseph Beuys selbst. „Werbung gehört zum Produkt wie der elektrische Strom zur Glühbirne.“ Der Spruch des Werbefotografen Charles Wilp ist in Viersen an einer Wand zu lesen. Und Beuys beherzigte das Credo seines Freundes. Er kleidete sich mit Hut und Weste, mal mit langem Mantel, mal mit langem Stock – und schuf so die äußeren Erkennungsmerkmale eines Mannes und einer Marke.

Im November 1979 titelte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“: „Künstler Beuys. Der Größte. Weltruhm für einen Scharlatan?“. Spätestens da war er in der Wahrnehmung des großen Publikums seiner Kunst entsprungen – und zu einer Ikone geworden.

Was die Schau in Viersen aber auch zeigt: Joseph Beuys nutze seine Popularität gezielt, um seine Aktionen umsetzen zu können. Wenn er für den Getränkekonzern Coca Cola einen Kalender gestaltete, wenn er im japanischen Fernsehen für Whisky warb (siehe: www.youtube.com) – alles für seine Kunst. Denn 7 000 Eichen in Kassel, zum Beispiel, die pflanzt man nicht mal eben. Die legendäre Aktion, die auf der Kunstschau „documenta 7“ begann, deren Ende Joseph Beuys im Juni 1987 selbst gar nicht mehr miterlebte, kostete viel Zeit und noch mehr Geld.

Verächtlich? Joseph Beuys, 1979 grüner Spitzenkandidat bei der Europawahl: „Ich habe mein ganzes Leben lang geworben, aber man sollte sich mal dafür interessieren, wofür ich geworben habe.“

 
 

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