Der Esel von Wesel

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(Ober-)Wesel..  Wie heißt der Bürgermeister von Wesel? Ulrike Westkamp. So weit, so ironiefrei. Aber in Wesel, zumal zum 775-jährigen Stadtjubiläum, ist die Eselei eine schöne Tradition. Daher darf an dieser Stelle die eselige Frage gestellt werden: Woher stammt eigentlich der Esel von Wesel? Eine Spurensuche.

Die Antwort führt zum vielleicht berühmtesten Echo Deutschlands. Wie heißt der Bürgermeister von Wesel? Esel.

Ein Reim, den (noch immer?) jedes Kind kennt. Bundesweit bekannt wurde der Spruch im Winter 1992, als das Zweite Deutsche Fernsehen eine neue Folge der Weißblauen Geschichten ausstrahlte: „Das Echo vom Karfunkelsee“. In der Hauptrolle: Gustl Bayrhammer. In einer Nebenrolle: der Wesel-Esel-Ruf.

Den Karfunkelsee gibt es nicht wirklich, gedreht wurde auf dem Königssee in Bayern – mit der legendären Echowand. Hier rief schon so mancher Tourist den Esel von Wesel aus. Der Wahrheit halber muss man hinzufügen: Das war auch schon so, lange bevor Gustl Bayrhammer seine weißblauen Geschichten erzählte.

Der kindliche, für manche auch kindische Reim, ist nämlich sehr viel älter. Wie alt genau, und von wem er ursprünglich stammt, ist ungeklärt; und wird es vielleicht auch immer bleiben.

Im 19. Jahrhundert griff der Volksliedsammler Anton Wilhelm von Zuccalmaglio den Vers auf. Genau genommen war es ein ganzes Lied: „Rheinwiederhall“. Es beginnt eben mit jenem Schmähruf: Wie heißt der Bürgermeister von Wesel? Esel.

Dazu muss man wissen, Zuccalmaglio wuchs im Bergischen Land und Kölner Raum auf. Schon früh begann er, mündlich überlieferte Volkslieder aus seiner Heimat zu sammeln und aufzuschreiben. Daher liegt es nahe, den „Rheinwiederhall“ nicht unbedingt am Niederrhein zu verorten.

Wer schon einmal im Romanticum in Koblenz war, einer interaktive Erlebnisausstellung zur Landschaft Oberes Mittelrheintal, begegnet dort – Überraschung! – dem Esel von Wesel. Mit Hilfe einer „Flüstertüte“ lässt sich dort – Originalzitat aus dem Museum! – „sogar das berühmte Echo von Oberwesel nachvollziehen“. Der Besucher fragt: „Wie heißt der Lehrer von Wesel?“. Und als Echo schallt es zurück: „Esel“.

Klingt nach einem lustigen Schülerspruch. Und macht diese Geschichte um eine Episode reicher.

Anruf bei Kathrin Zwanzig, Pressesprecherin der Stadt Wesel. „Ja“, bestätigt sie, der Wesel-Esel-Reim stamme wohl nicht aus Wesel. „Vermutlich eher aus Oberwesel.“ Anruf bei Daniela Ziermann von der Touristinformation in Oberwesel: „Nein“, dementiert sie, man wisse nicht genau, woher der Wesel-Esel-Reim komme. „Wir haben gedacht, aus Wesel.“ Also vom Niederrhein.

Tja, woher denn nun?

Wer sich in Wesel auf die Suche nach einer Stelle macht, an der eine Echo ausgerufen werden kann, muss ewig suchen. In Oberwesel, unweit von Sankt Goar und der berühmt-berüchtigten Loreley, dürfte es eine solche Stelle bestimmt geben. So muss die Spurensuche nach dem Esel von Wesel naturgemäß wohl dort weitergehen.

Vorweg schon mal: Wie heißt der Bürgermeister von Oberwesel? Jürgen Port.

 
 

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