Das soziale Kunst-Netzwerk

Walburga Schild-Griesbeck vor der Farbwand aus Wollschals.
Walburga Schild-Griesbeck vor der Farbwand aus Wollschals.

Dinslaken.. Es ist eine bestrickende Idee mit engagiertem Hintergrund.Walburga Schild-Griesbeck gestaltet für ihre Benefizausstellung „Flachdach“ eine Farbwand aus Wollschals. Mehr als 100 Frauen strickten mit.

Bei Walburga Schild-Griesbeck, über die Grenzen ihres Atelierstandortes Dinslaken für ihre vielschichtigen Farbflächenbilder vor allem in „Walburga-Rot“ und seit dem letzten Jahr auch für ihre Häkel-Aktionen rund um das Kreativ.Quartier.Lohberg bekannte Künstlerin, treffen derzeit beinahe täglich selbstgestrickte Schals ein. Nicht, weil sich das Atelier Freiart unter dem Fördergerüst des ehemaligen Bergwerks Lohberg zum Handarbeitstreffpunkt entwickeln würde, sondern weil die Künstlerin mit der Liebe zur Farbe mit Bedeutung mit der Kunst aus Wolle tatsächlich Fäden spinnt und soziale Vernetzungen fördert.

Eisblau für die Eiszeit

„Eiszeit für Kinder“ heißt das Kunstprojekt unter der Schirmherrschaft von Landrat Dr. Ansgar Müller. Die Ausstellung, in deren Zentrum eine komplett aus selbst gestrickten Schals gestaltete Farbwand stehen soll, ist bereits die dritte ihrer Art im Atelier Freiart.

Unter dem Titel „Flachdach“ zeigt und verkauft Walburga Schild-Griesbeck seit 2009 in der Adventszeit ausgewählte Arbeiten. Die Hälfte des Erlöses kommt Organisationen zugute, die sonst keine große Lobby haben.

Das soll der Name Flachdach ausdrücken: Es beschützt, doch ist es selbst eine in sich fragile, nicht übermäßig belastbare Konstruktion“.

Im Vorfeld von „Flachdach III“ wurde Walburga Schild-Griesbeck auf JUMP aufmerksam, ein Unterprogramm der Diakonie. „Es ist Eiszeit für Kinder“, schoss ihr durch den Kopf, als sie sich mit der Arbeit der „Hilfe für junge Mütter und ihre Kinder“ näher beschäftigte.

Und wo bei Walburga Schild-Griesbeck ein Gedanke und eine Empfindung ist, ist auch Farbe: eisblau sollte das Kunstwerk zur Unterstützung der Organisation sein.

Bei der Idee zum Material des Kunstwerks werden neben „wolligen“ Mutter und Kind-Bildern auch der Häkel-Hype, den Walburga Schild-Griesbeck rund ums Kreativ.Quartier ausgelöst hat, eine Rolle gespielt haben.

Um Mitstreiter - nun ja, tatsächlich sind es bislang ausschließlich Mitstreiterinnen - für das Schaffen eines soziale Kunst-Netzwerks zu umgarnen, scheint Wolle die perfekte Materie zu sein. 113 Schals in den unterschiedlichsten Blautönen trafen bislang im Atelier ein. Frauen strickten in Voerde und im Allgäu, in Oberhausen und in Düsseldorf, im Zug nach Jerichow und am Möhnesee. Selbst auf der Fahrt zum eisigen Nordkap klapperten Stricknadeln.

Und nun gestaltet Walburga Schild-Griesbeck, deren Verbindung zur Textilkunst in den 80er Jahren wurzelt und die Paramentenstickerin als ursprünglichen Berufswunsch nennt, aus Wellenmuster und Filethäkelei, Perlmuster, Halbpatent und Waffelmuster ein Gesamtkunstwerk, das in seiner plastischen Oberfläche und seiner Farbigkeit durchaus konzeptionelle Ähnlichkeiten zu den Acryl- und Ölbilder der Künstlerin aufweist.

Am Sonntag, 11. Dezember, um 11 Uhr stellt sie die „Eiszeit für Kinder“ in ihrem Atelier erstmals öffentlich vor. Ab dann bietet sie eigene Werke in Blautönen, aber auch das Gesamtkunstwerk für den guten Zweck an. Die Schals können zum Preis von 25 Euro einzeln erworben werden, bis zum Ende der Ausstellung am 23. Dezember erhalten sie den typischen roten Galeriepunkt, wenn sich ein Käufer gefunden hat.

Anschließend werden aus den Fragmenten des „Flachdach III“ neue Ausstellungen entstehen. Es wird also weitergestrickt an der soziokulturellen Kunst, die, wie Walburga Schild-Griesbeck sagt, „zu leben beginnt“.

Info: Die Ausstellung „Flachdach III - Eiszeit für Kinder“ kann am 11. Dezember von 11 bis 17 Uhr, am 14. und 21. Dezember von 10 bis 13 Uhr und am 16. und 23. Dezember von 15 bis 18 Uhr im Atelier Freiart, Hünxer Straße 374 in Dinslaken-Lohberg besucht werden.

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