Duisburg

Das Millionenspiel beim MSV Duisburg

Markus Peters
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Duisburg. . Ein Fußballverein funktioniert wie eine mittelständische Firma. Sagt Roland Kentsch Geschäftsführer des Zweitligisten MSV Duisburg. Für die abgelaufene Saison 2009/10 rechnet er mit Miesen.

Roland Kentsch dürfte am vergangenen Freitag um 20.47 Uhr ein schwerer Stein vom Herzen gefallen sein. Mit dem 2:0-Auswärtssieg in Lübeck im DFB-Pokalwettbewerb kann der MSV Duisburg zusätzlich 200.000 Euro auf der Habenseite verbuchen. Soviel Geld fließt nämlich jedem Club zu, der die zweite Runde in diesem Wettbewerb erreicht. Diese Summe war nicht im Etat eingeplant. „Da ist der DFB knochenhart. Mit höheren Pokaleinnahmen als 100.000 Euro, die jedem Verein als Antrittsgeld zustehen, darf nicht kalkuliert werden“, erklärt der 53-Jährige Ex-Bielefelder, der seit März 2010 bei den „Zebras“ für die Zahlen zuständig ist.

Und die sind tiefrot. Der Verein hatte in der Saison 2008/2009 einen Verlust von 3,4 Millionen Euro gemacht. Für die abgelaufene Saison 2009/10 rechnet Kentsch ebenfalls mit Miesen. Zuletzt hatte der MSV Duisburg in der Bundesliga-Saison 2007/08 schwarze Zahlen geschrieben (über 3 Millionen Euro). Es bedurfte daher schon einiger Klimmzüge, um die Lizenz für die Spielzeit 2010/11, die morgen für den MSV beginnt, zu erhalten. Der Deutsche Fußball-Bund hat dem Verein bekanntlich die Bedingung gemacht, entweder seine Einnahmen zu erhöhen oder die Ausgaben zu senken. „Beides haben wir vor der Saison getan“, betont Kentsch.

Auf der Habenseite kann der MSV verbuchen, dass endlich der Stadionname vermarktet werden konnte. Mit Schauinsland-Reisen hat sich ein in Duisburg ansässiges Touristikunternehmen die Rechte gesichert. Nicht zuletzt dieser Deal führte dazu, dass die Einnahmen durch Sponsoring beim MSV Duisburg vergleichsweise hoch sind: „Das macht 45 % unserer Einnahmen aus. Das ist für die Zweite Liga ein sehr guter Wert“, betont der studierte Volkswirt und gelernte Banker. Hinzu kommen die Einnahmen aus den Fernsehgeldern (30%), die sich nach der Platzierung aus der Vorsaison berechnen. Vergleichsweise eine geringere Rolle spielen Eintrittsgelder (10%) und der Verkauf von Fan-Artikeln (5 %).

An der Kostenschraube drehen

Auch an der Kostenschraube musste der Geschäftsführer vor der Saison drehen: „Einmalig für diese Saison konnten wir mit der Stadionprojekt GmbH eine Reduzierung der Mieteinnahmen aushandeln.“ Ein sensibles Thema, denn insbesondere die fünf Millionen Euro Miete, die ein Investorenkonsortium unter Leitung des Noch-Vorstandsvorsitzenden Walter Hellmich kassiert, hatte in der Vergangenheit für Kritik gesorgt.

Kentsch weist darauf hin, dass die Höhe der Jahresmiete keine alleinige Entscheidung der Stadionprojekt GmbH, sondern eine Bedingung des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bürgschaft beim Bau des Stadions war. Fest steht aber: „Diese Summe wird auf Dauer in der Zweiten Liga nur schwer zu erwirtschaften sein“, weiß der Geschäftsführer und hofft, dass der Verein mittelfristig den Aufstieg in die Eliteklasse schafft: „Wir stehen mit anderen Vereinen wie Bielefeld, Bochum, Mainz, Freiburg oder Karlsruhe unter den mittleren 12 Clubs der 36 Profimannschaften in Deutschland. Für diese Teams geht es mal rauf und mal runter.“

Und wenn es wie beim MSV Duisburg drei Jahre lang in Folge zweitklassig zugeht, müssen die Kosten reduziert werden. Mit Dorge Kouemaha und Sandro Wagner wurden bereits in der Vorsaison zwei Leistungsträger während der laufenden Saison verkauft, um Transfererlöse zu erzielen. Von einigen Spielern mit Verträgen aus Erstligazeiten (Björn Schlicke) konnte sich der MSV Duisburg vor der Saison vorzeitig trennen. Mit dem verletzten Rumänen Mihai Tararache steht ein weiterer Großverdiener nicht mehr auf der Gehaltsliste: „Nach sechs Wochen übernimmt die Berufsgenossenschaft die Lohnkosten. Das ist wie bei jedem anderen Arbeitnehmer auch“, erklärt Kentsch.

Sonst nicht zu stemmen

Vor der Saison verpflichtete der MSV Duisburg eine Reihe von talentierten, jungen Spielern und ließ sich bei einigen erfahrenen Akteuren wie Stefan Maierhofer und Filip Trojan, die in ihren Stammvereinen nicht mehr erste Wahl waren, auf Leihgeschäfte ein. Dabei tragen die Wolverhampton Wanderers und Mainz 05 einen Teil der Gehaltes weiter. Sonst wären diese Spieler für den MSV nicht mehr zu stemmen.

Denn die Personalkosten sind auch bei einem Fußballverein der entscheidende Faktor. Sie betragen beim MSV Duisburg rund zehn Millionen Euro. Davon dürfte die Lizenzspielerabteilung geschätzte fünf Millionen Euro verschlingen, die andere Hälfte geht für den Stab, die Geschäftsstelle und für die Spieler der Amateurmannschaft, der A- und B-Jugend drauf, die ebenfalls bei der MSV Duisburg GmbH & Co. KGaA angestellt sind.

„Insgesamt“, so Roland Kentsch, „sind beim MSV Duisburg rund 80 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das entspricht der Größe eines mittelständischen Unternehmens.“ Hinzu kommen 140 geringfügig Beschäftigte. Dazu gehören die Jugendspieler, aber auch viele Mitarbeiter, die nur an Spieltagen im Einsatz sind.

Nicht darin enthalten dagegen sind die Beträge für Ordner und Rettungskräfte. Die gehören zu den Kosten für den Spielbetrieb. Und die machen mit rund fünf Millionen Euro pro Jahr einen ganz schönen Batzen aus. „Wenn wir nur das Licht in der Arena anknipsen, sind schon 30.000 Euro futsch“, erklärt Roland Kentsch.

Neuer Vorsitzender gesucht

Dass die Flutlichter aber nicht ausgehen, davon ist der ehemalige Banker (Dresdner Bank, ABN Amro) überzeugt. Auch nach dem bevorstehenden Rückzug von Walter Hellmich nicht. Den Aufsichtsratsvorsitz der KGaA, das wirtschaftliche Herz des Vereins, hat der 66-Jährige schon an David Karpathy abgegeben. Ein neuer Vorstandsvorsitzender des Vereins wird noch gesucht.

Dennoch werden Walter und sein Sohn Marc Hellmich auch in Zukunft beim MSV Duisburg ein entscheidendes Wort mitreden: Als größter Anteileigner der Stadionprojekt GmbH gehört Hellmich ein Teil der MSV-Arena. Über die Hellmich Marketing Management GmbH, die langfristig noch Sponsorengelder anwerben soll, ist Sohn Marc Hellmich mit 11,11 % auch an der KGaA beteiligt.

Insbesondere der Marketing-Vertrag und seine stillschweigende Verlängerung hatten in der Vergangenheit in Fankreisen für Empörung gesorgt. „Ich habe den Vertrag überprüfen lassen. Er ist absolut branchenüblich“, betont der 53-Jährige dazu.

Kentsch hofft, dass nach den Rückzug von Walter Hellmich, der trotz unbestreitbarer Verdienste zuletzt für viele Fans zur Reizfigur wurde, der MSV nun im ruhigeren Fahrwasser segelt. Dabei wird das Verhältnis zwischen dem neuen KGaA-Aufsichtsratsvorsitzenden David Karpathy und dem neuen Vorstandsvorsitzenden des Vereins von entscheidender Bedeutung sein. Kentsch: „Die beiden Akteure müssen sich einfach gut verstehen.“