Das älteste Dorf der Niederlande

Ausgrabungen Maasboulevard Venlo
Ausgrabungen Maasboulevard Venlo
Foto: NRZ

Venlo..  Nimwegen soll die älteste römische Siedlung der Niederlande sein? Wirklich Nimwegen? Nein! Ein von unbeugsamen Limburgern bevölkertes Dorf, rund 70 Kilometer südlich der angeblich ältesten Stadt der Niederlande, hört nicht auf, gegen diese Behauptung Widerstand zu leisten. Die fröhlichen Venloer buddeln so lange, bis sie Beweise finden. Und fürchten dabei nicht einmal, dass die Ausgrabungen ihnen den Boden unten den Füßen wegziehen...

Ganz im Gegenteil: „Wir haben unter dem neuen Maasboulevard archäologische Schätze ausgegraben, die belegen, dass Venlo mindestens genauso alt ist wie Nimwegen“, sagt Maarten Dolmans, Archäologe der Gemeinde Venlo. Und ergänzt: „Wenn nicht sogar älter...“ Er schmunzelt. Seine Kollegen in Nimwegen hören so etwas gar nicht gerne. „Sie waren ein bisschen böse. Dabei war es eigentlich nur ein Scherz, als wir mitteilten, dass Venlo wahrscheinlich älter sei, da die Römer ja schließlich von Süden kamen.“ Die landesweiten Presseagenturen hatten den kleinen Spaß nicht verstanden und verbreiteten im Sommer die Neuigkeiten völlig humorfrei.

Die Fakten liegen allerdings etwas anders: Beide Siedlungen entstanden etwa zur gleichen Zeit, um 19 vor Christus, wie die Ausgrabungen bestätigen. Dennoch sind die Funde in Venlo eine Sensation. Zwar war der römische Ursprung der heutigen Gemeinde bereits bekannt. Doch die Größe des römischen Dorfes, seine strategische Straßen- und Häuser-Planung, sein genaues Alter und seine wichtige Funktion als militärischer, logistischer und ökonomischer Standort lagen lange tief unter der Erde begraben. „Nun wissen wir aber, dass Venlo bereits seit 2000 Jahren ein Logistik-Standort ist“, sagt Dolmans und lacht.

Sablones nannten
die Römer das alte Venlo

„Damals war Venlo ein Dorf im Hinterland, aber es war ein Standort von großer Bedeutung für die Römer, weil von hier aus das römische Militär am Limes unterstützt wurde.“ Anders als Nimwegen sei es aber kein Stützpunkt der Legionen mit 10 000 Bewohnern gewesen, sondern nur mit ein paar hunderten. Venlo war ein Dorf. Eines, das damals den Namen Sablones trug, meint der Forscher. Und tritt damit gleich dem nächsten Ort auf die Füße: Kalden-kirchen in Deutschland. „Bis vor kurzem war Kaldenkirchen das römische Sablones. Aber wir denken, dass es der Name des römischen Venlos ist, da Sablones viel größer und bedeutender war.“

Um so viele Informationen über den Ursprung Venlos ans Licht zu bringen, brauchte es allerdings Zeit. Und Fläche. Zweieinhalb Jahre dauerte die größte Ausgrabung, die die Grenzstadt jemals gesehen hat. Auf einem Areal von anderthalb Hektar durften sich rund 30 Archäologen austoben. „So etwas ist wirklich selten. Das war eine größere Ausgrabung als die aktuelle in Köln“, sagt Dolmans Kollege Jacob Schotten, ebenfalls als Archäologe für die Gemeinde tätig. „Wann wird schon eine so große Fläche in einer Innenstadt freigelegt? Normalerweise sind es einzelne, kleine Gebäude, die abgerissen werden.“ Die Planung des neuen Maasboulevards Ende der neunziger Jahre wurde zum echten Glücksfall für die Forscher.

„Als die ersten Gebäude im September 2002 abgerissen wurden, begannen unsere Untersuchungen.“ Kaum jemand hätte damals gedacht, was sie zutage fördern würden: Römische Wasserbrunnen, Latrinen, Amphoren und Transportkeramik (insgesamt 37 176 Keramikfragmente aus der Römerzeit mit einem Gewicht von 7372 Kilogramm), Mauerreste, Fragmente einer Coolus (Bronzehelme aus der Zeit des römischen Kaisers Augustus), Ziegel, Glasperlen und 170 römische Münzen, darunter auch die keltischen Avaucia-Münzen, die unter anderem das Älter Venlos genau bestimmen lassen.

Gefunden wurden aber auch zahlreiche bedeutsame Objekte aus dem Mittelalter. „Durch die Ausgrabung eines jüdischen Ritualbades können wir jetzt auch beweisen, dass Venlo schon um 1200 eine städtische Kultur hatte und eine Handelsstadt war, obwohl der Gemeinde erst 1342 das Stadtrecht verliehen wurde“, so Dolmanns.

Bedeutende Stadt
im Mittelalter

Eine Stadt, also doch! Nicht die älteste der Niederlande - das Vorrecht wird Nimwegen wohl behalten. Aber eine besonders bedeutende im Mittelalter, ähnlich wie Köln, Speyer oder Worms - mit eindeutig größerer Nähe zum deutschen Niederrhein als zu den Niederlanden, wissen die beiden Archäologen. „Das kann uns keiner nehmen!“

 
 

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