Biss, später vielleicht

Heike Waldor-Schäfer
Ulli Heinrich mit ihren Lieblingen - und ihrem ersten Roman: Was sich hinter dem Mond im See verbarg...
Ulli Heinrich mit ihren Lieblingen - und ihrem ersten Roman: Was sich hinter dem Mond im See verbarg...
Foto: WAZ FotoPool
Für die einen makaber, für Ulli Heinrich total kuschelig. Gruselambiente im Wohnzimmer, mit Skelett und Dracula. Nun hat sie eine Liebesgeschichte veröffentlicht, natürlich einen Vampirroman

Duisburg-Marxloh.  Was sich hinter dem Mond im See verbarg…

Netter Titel für einen Erstlingsroman. Wenn da nicht diese seltsamen Gestalten wären am Fenster. Und wenn man ganz genau hinguckt, auch an der Wand, im Regal, auf der Couch. Also, dass Edward mit den Scherenhänden die Gäste im Flur begrüßt, okay, nettes Püppchen. Aber diese kleinen Särge im Wohnzimmer…

Und, nunja, dieses Ding da, das jeden anstarrt aus hohlen Augen, der es wagt, durch die Tür zu schreiten. Ein ziemlich verschlissenes Hemd über den knöchernen Schultern, ein wenig keck die Mütze auf, aber diese toten Augen… Also, im Dunkeln muss man nicht unbedingt die Heinrichs besuchen wollen. Es sei denn, nunja, es sei denn man ist Vampirfan – oder vielleicht selber einer…

Vampire zählen gern

Ulrike Heinrich ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, ganz sicher. Eine nette, sympathische Frau, 45 Jahre alt. Lehrerin am Berufskolleg in Marxloh. Aber Achtung: Mathelehrerin. Sagt man nicht auch Vampiren einen gewissen Hang zu Zahlen nach? Ulrike, also eigentlich Ulli, Heinrich schmunzelt. „Klar. Vampire müssen immer zählen. Deshalb kann man ihnen ja auch entkommen, wenn man eine Handvoll Reis auf den Boden wirft. Ein guter Vampir muss dann erst mal alle Körner zählen…“

Nun, Reiskörner muss man nicht dabei haben, wenn man auf der Couch neben Graf Zahl (aus der Sesamstraße) sitzt, über einem eine Riesenspinne ein Netz webt und man direkt auf diese kleinen entstellten Gesichter der Horrorpüppchen guckt, die da an der Wand kleben. „Living dead dolls“, sagt Ulli Heinrich. „Die sammel’ ich seit ein paar Jahren. Das da vorn ist die Blutgräfin, die immer im Blut von Jungfrauen badet. Dahinter, das ist frozen Charlotte, und natürlich habe ich von allen die Sterbeurkunde.“

Frau Heinrich, das ist ja nun klar, gruselt sich gerne. Und sammelt alles, was einen zarten Charakter leicht in Angst und Schrecken versetzen könnte. Zum Glück teilt Ehemann Jörg diese dunkle Leidenschaft – sonst wär’s schon schwierig in einer gemeinsamen Wohnung, die man bei den Heinrichs mit allerlei Schauergestalten teilen muss – nicht nur an Halloween sondern – immer!

Was sich hinter dem Mond im See verbarg – ist der Titel ihres ersten Romans. Ulli Heinrich schmunzelt, Mitte der 80er Jahre schon entstand die Idee zu dem Roman in ihrem Kopf, doch es sollten mehr als 20 Jahre vergehen, bis das Werk nun vollendet ist und vor ihr liegen kann. Ein Liebesroman ist es geworden. Aber natürlich kein normaler. Wobei Leidenschaft, Emotionen, Liebe, Hass, Angst und Glück auch drin vorkommen. Aber, Sie ahnen es, einen Courths-Mahler-Geschichte würde Ulli Heinrich nicht aufschreiben.

Christopher Lee lässt grüßen

Nein, „Was sich hinter dem Mond m See verbarg“ ist ein stilechter moderner Vampirroman. Dracula am Niederrhein. Josephine, eine Psychologiestudentin, hat sich in diesen Typen mit den eigenartig blauen Augen verliebt, eines Nachts offenbart er sich ihr – doch damit beginnt erst der Kampf um ihre Liebe.

Spannend geschrieben, sicherlich in guter alter Twilight-Manier, Christopher Lee lässt grüßen. Eines weiß Ulli Heinrich schon jetzt: Nach dem ersten Band wird es noch zwei weitere geben. Damit dürfte klar sein, dass die Liebesgeschichte zumindest jetzt noch ein Happyend verspricht – „Ich könnte die Geschichte auch gar nicht schlecht ausgehen lassen, also jetzt noch nicht.“