An der Friteuse: Carolin

Caro, die Fee an Pfanne und Friteuse...
Caro, die Fee an Pfanne und Friteuse...
Foto: Funke Foto Services
Caro Gebauer hat sich einen Jugendtraum erfüllt: Den Traum von der eigenen Pommesbude.

Moers-Kapellen.  „Das isse“, sagt Carolin Gebauer und blinzelt den Gast mit einem fröhlichen „Na-ist-das-nicht-toll-geworden-Blick“ herzlich an. „Das iss unsere Brutzelbude.“ Und während man den ersten prüfenden Blick auf die hausgemachten Frikkos in der Auslage wagt, schießt die Chefin mit dem lustigen roten Käppi auf dem Kopf resolut nach: „Wir sind ein klassischer Imbiss, aber bitte, sagen Sie ruhig Pommesbude. Das ist die schönste Bezeichnung für uns die es gibt.“ Also gut, Carolin Gebauer ist Pommesbudenbesitzerin. Sie steht an Friteuse und Bratpfanne, schaufelt kleine in Fett gebackene Kartoffelstäbchen in Schälchen, knippst mit der Schere hölzerne Stängchen durch, die sie vormittags mit Fleischstückchen gespickt hat und siebt Currypulver auf leicht gebräunte, im eigenen Saft gebrutzelte Würstchen.

Currywurst geht immer

„Ich habe mir einen Jugendtraum erfüllt“, sagt sie dabei und strahlt. Und man kann gar nicht anders, als ihr das zu glauben. „Wissen Sie, ich finde es einfach großartig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, zu erzählen, über gute und schlechte Zeiten zu reden. Ob die Oma kommt, die sich einmal im Monat ein Schälchen Pommes gönnt oder die Kids, die sich hier ne Cola kaufen oder der Elektriker, der jeden Montag seine Currywurst in der Mittagspause kriegt. Der Kontakt zu den Menschen ist das, was mich so fasziniert. Wir wollen Treffpunkt sein für alle.“ Wenn Caro wir sagt, dann meint sie ihren Mann Bernd. Der und Carolins Vorliebe für Teddybären waren denn auch Namensgeber für den Schnellimbiss: Bärnis Brutzelbude.

Imbissbuden sind seit Mitte des 20. Jahrhundert für alle Bevölkerungsschichten fester Bestandteil der Esskultur – noch vor dem Siegeszug von McDonald’s und anderer Fast-Food-Ketten in den 1970er Jahren. Ob Currywurst oder Döner, für den Hunger zwischendurch finden sich nahezu an jeder Ecke Schnellimbisse. Vor etlichen Jahren begann auch am Niederrhein so etwas wie die Griechifizierung der Pommesbuden – Schnellpizzerien schossen aus dem Boden. Damit einher ging eine geradezu dramatische Veränderung der Speisekarten. Gyros vom Drehspieß oder knusprige Margerita aus dem Backofen statt heiße Würstchen mit Kartoffelsalat. Caro Gebauer schmunzelt. „Alles lecker. Aber ich wollte wieder eine klassische Pommesbude haben: Frische Pommes, Schaschlik, Hähnchen, leckere Currywurst und hausgemachte Frikadellen, natürlich. Leckere Saucen, selbstgemachte Salate.“ Kraut, Bohnen, Gurken, Tomate. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Einziges Zugeständnis: die Burger. Ohne die läuft auch in Kapellen nix – wobei sich der Burgerfan seinen Klops individuell gestalten lassen kann.

Bastelburger heißt das dann und geht mit Hühnchen, Fisch oder Rind, mit Ketchup oder sweet Chili, Jalapenos oder Röstzwiebeln.. Geschmackssache eben. Und deshalb haben sich auch ein paar holländische Bitterballen hineingeschmuggelt und sogar backed beans.

Plaudern über Gott und die Welt

Aber: „Currywurst geht immer.“ 90 Gramm Brüh- oder Bratwurst garniert mit einer kräftig roten Tomaten-Gewürz-Sauce und einer mitunter kräftigen Prise Currypulver ist im Social-Media-Zeitalter so aktuell wie vor knapp 70 Jahren, als eine Berliner Imbissbesitzerin die Currywurst erfunden haben soll. 14 Sitzplätze gibt es, alles im gemütlichen rot-gelben Outfit.

In der Ecke blinkt und dudelt einer dieser seltsamen Geldspielautomaten. Die WDR 4-Musik im Hintergrund wird hin und wieder übertönt vom Aufzischen der Friteuse, wenn ein neuer Korb Fritten versenkt wird. „Ich bin das Schaschlik – und ich die Currywurst“ tönt es von Tisch drei – Mittagspause, die Stammgäste kommen. Caro schaufelt und frittiert. Man plaudert über die Familie, Probleme mit den Kindern, das kaputte Auto. „Ein paar feste Stammgäste mehr könnten es schon sein“, sagt die 48-Jährige später. „Die Pommesbude ist mein Traum – ich muss zum Glück nicht davon leben...“ – „Machse mir ne Tüte?“ Der ältere Herr von gleich nebenan hat das Kleingeld schon in der Hand. „Klar. Wieder nur mit’n bissken Salz dran, wie immer?“ – „Ja, wie immer.“

Bärnis Brutzelbude, Ringstr. 51, Moers-Kapellen.

 
 

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