Vom alten Kurpark zu den Externsteinen

Die Externsteine – beliebter und gut besuchter Klassiker bei Horn-Bad Meinberg
Die Externsteine – beliebter und gut besuchter Klassiker bei Horn-Bad Meinberg
Foto: Hermsen

Horn-Bad Meinberg..  Städte mit Doppelnamen haben es schwer. Sie sind irgendwie gespaltene Persönlichkeiten. Horn-Bad Meinberg macht da keine Ausnahme. Hatte halt eine schwierige Kindheit. Gebietsreform, rivalisierende Dörfer, alte Vorurteile, Sie kennen das. Und dann 16 kleinere und größere Dörfer unter einem Rathausdach... Deswegen hieß der Ort auch schon mal Bad Meinberg-Horn. Aber heute steht das Horn vorn.

Dabei ist genug Platz für alle Gemeinden und die Flure dazwischen sind reichlich mit Wäldern und Wiesen ausgestattet, die höchsten Hügel des Teutoburger Waldes haben hier ihren gut 460 Meter hohen Platz, dazu das Eggegebirge. Ein Auf und Ab also im fernen Osten NRWs, wo recht eigentlich weder Nordrhein noch Westfalen ist, sondern Lipperland; jener oft vergessene dritte Landesteil, der uns die rote Rose im Landeswappen schenkt.

NRW, aber wederNordrhein noch Westfalen

Eine Rose, die allerdings hier und da schon ein wenig welkt. Und als einstiges staatliches lippisches Kurbad Bad Meinberg darf man nicht welken, da muss man erblühen. So, wie der streng geometrisch angelegte, schöne alte Kurpark mit dem großen Trinkbrunnen in der Mitte, wo es blubbert in einem großen Kübel etwas milchiger Flüssigkeit: Als man die Kurquelle anzapfen wollte, hat man auch eine Gasblase angestochen.

Aber gesund soll es sein, das Bad Meinberger Wasser. Und überall an den Wanderwegen stehen Schilder, die zu mehr Haltung mahnen. Und mehr Achtsamkeit. Und weniger Alkohol, Kaffee und Nikotin und Stress. Von letzterem kommt man hier sehr schnell runter. Stress ist dem Lipperland so fern wie die Zugspitze. Ein wenig mehr Leben möchte die Stadt mittlerweile schon: Derzeit wird ein privater Investor gesucht, der das Idyll zwischen den bewaldeten Hügeln am Kurpark neu beatmet und ins Fitness-Studio schickt.

Genug gekurt und geguckt, jetzt wird gewandert: Horn, der andere Namensgeber, ist knappe fünf Kilometer entfernt. Der Weg abseits der Straße führt ins Moor. Und auch, wenn die Gegend „Stinkebrink“ heißt: Die Luft ist rein. Sogar dort, wo die Herde Galloway-Rinder stehen und mit schicker weißer Bauchbinde sinnend ins Lipperland starren.

Horn hat Fachwerk und einen Hauch der so genannten Weserrenaissance, die auch die nahen Städte Detmold, Lemgo und Co verschönern. Eine Handvoll Cafés, ein „Schokoladen“ und offensichtlich so etwas wie den ultimativen Messie-Shop: Die Ladentür ist nicht mehr zu öffnen, dahinter türmen sich Bücher bis zur Decke ohne jeden Durchschlupf. Voll und geheimnisvoll.

Geheimnisvoller ist nur noch die wohl bekannteste Attraktion der 17 000-Einwohnerstadt. Die Externsteine. Die liegen tatsächlich etwas extern, werden aber dennoch auf der ersten Silbe betont. Weil das Sandsteinkliff seinen Namen vom Eggegebirge hat. Eine gute Dreiviertelstunde Fußweg von Horn aus, dann ist man dort, wo die Nationalsozialisten sich heiß bemühten, eine germanische Kultstätte auszugraben, aber nicht viel fanden.

Mythenverwittert ist die Felsenrippe in jedem Fall. Altgermanische Kultstätte einst, haben die Christen daraus die Grabstätte Christi nachgebaut, samt Höhle. Heute kommen eher weltliche Touristen, erklimmen für drei Euro zwei der vier Klippen und gucken ins Grün. Ihnen zu Füßen lag früher mal ein Erbhof der Äbte zu Werden und Helmstedt. Die Herren aus dem Essener Süden kamen hier entlang, wenn sie zwischen ihren beiden Hauptklöstern auf dem Hellweg unterwegs waren. Der führte an dieser markanten Wegmarke vorbei. Schon im 12. Jahrhundert staute man hier die unscheinbare Wiembecke zu einem kleinen See. Man darf vermuten, dass sich Ross und Reiter hier nett erfrischten, ehe es in die finsteren Wälder ging, in denen Jahrhunderte zuvor des Varus’ römische Legionen verloren gegangen sein sollen.

Über den Hellweg nach Russland und Indien – zur Yogahauptstadt

Später wurde aus dem Hellweg die Reichsstraße 1, dann die B1, aber auch die führt mittlerweile im Bogen um die Stadt mit dem Doppelnamen. Was manchmal für ein wenig zu viel Ruhe sorgt. Es wäre Zeit, öfter mal ein wenig Lippe zu riskieren. Hier im Osten, wo der Russe schon so nah ist. Zumindest in Person von Peter Orloff, der im Kurpark mit Kosaken singt. Wenn nicht Mantra-Singen ist. Denn Indien ist auch nicht weit. Bad Meinberg, jetzt Yoga-Schwerpunkt, sagt von sich, dass man mittlerweile Yogahauptstadt Deutschlands, wenn nicht gar Europas sei. Yoga soll ja helfen, die eigene Mitte zu finden. Für eine Kommune mit gespaltener Persönlichkeit gewiss keine schlechte Idee.

Hinkommen: Man könnte einfach die alte B1 nehmen oder der Deutschen Alleenstraße folgen ... Aber, wenn’s schneller gehen soll: Je nach Verkehrslage die A2 oder die A44 Richtung Osten, auf die A31 Richtung Paderborn, ab dort ist es ausgeschildert...


Ringsum: locken der Teutoburger Wald und das Eggegebirge mit reichlich Platz zum Wandern. Bahnfreaks werden sich das berühmte Ziegelviadukt von Altenbeken nicht entgehen lassen. Auf dem Weg liegt zudem die alte Bistums- und neue Bundesligastadt Paderborn mit Drei-Hasen-Fenster, Liboriusdom, Computermuseum und dem kürzesten Fluss NRWs, der Pader.

 
 

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