Hoch oben auf dem Eversberg

Eversberg, hier mal leicht benebelt... macht sich so aber auch recht malerisch.
Eversberg, hier mal leicht benebelt... macht sich so aber auch recht malerisch.
Foto: www.blossey.eu
Das Fachwerkdorf von Meschede ist die älteste Siedlung ihrer Art im Hochsauerland. Vor allem die Pfarrkirche St. Johannes Evangelist ist mit ihren kunstvoll gearbeiteten Altären einen Besuch wert

Eversberg. 453 Meter über dem Meeresspiegel steht sie, die Burg von Eversberg. Zumindest das, was von ihr übrig geblieben ist. Denn viel mehr als der Stumpf eines Turms ist das nicht mehr. Und trotzdem lohnt sich der kurze, aber steile Aufstieg. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick hinunter ins Tal nach Meschede, rüber nach Bestwig und die Gipfel des Hochsauerlandes – und natürlich auf das alte Fachwerkdorf Eversberg.

„Wie die Burg genau ausgesehen hat, kann man leider nicht mehr rekonstruieren. Aber es wird wohl sowas wie ein Jagdsitz der Grafen von Arnsberg gewesen sein“, sagt Paul Lenze. Obwohl er selbst gar nicht in einem der kleinen Fachwerkhäuser oben auf dem Berg über Meschede wohnt, ist der 72-Jährige sowas wie ein wandelndes Eversberg-Lexikon. Mit einigen Mitstreitern kümmert er sich ums kleine Heimatmuseum mitten im Ort (siehe Zweittext).

Die älteste Fachwerksiedlung im Sauerland blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1242 erteilte ihr Graf Gottfried III. von Arnsberg Stadtrechte. Heute gehört das Städtchen mit seinen knapp 2000 Einwohnern zu Meschede. Vor 750 Jahren aber waren es nur rund 600 Menschen, die hier zu Hause waren. Das Zentrum damals wie heute: die Kirche und der Marktplatz. „Wer Eversberg besucht, muss sich die Pfarrkirche St. Johannes Evangelist anschauen“, schwärmt Lenze.

Dabei muss man schon ein echter Kenner sein, wenn man diese Begeisterung beim Blick auf das Gotteshaus sofort teilen möchte. Vielmehr wirkt die Kirche in schlichtem Weiß etwas unscheinbar und ihr Turm im Vergleich viel zu klobig. „Er ist deshalb so massiv gebaut, weil er für die Bewohner in der Not ein Rückzugsort hätte sein können“, erklärt Lenze. Einen echten „Aha-Effekt“ erlebt aber, wer den Innenraum betritt. Um all die kunstvollen Schnitzereien am Hochaltar im Chorraum und an den Seitenaltaren zu entdecken, sollte man schon ein bisschen Zeit mitbringen. Wer den Kopf in den Nacken legt, bekommt obendrein bisweilen bizarre Deckenmalereien von Tieren und Fantasiegestalten zu sehen.

Ein Rundgang durch die kleinen Straßen und Gassen des Fachwerkdorfes ist zwar kein tagesfüllender Ausflug, aber trotzdem eine spannende Entdeckungstour. Viele der Häuser mussten nach mehreren Bränden im Dorf immer wieder neu aufgebaut oder saniert werden und so hatte ein jeder Bauherr die Chance, seinem Haus eine eigene Note zu geben. Bunte Verzierungen hier, liebevolle Schnitzereien dort.

Wer ein Haus sanieren will, braucht teuren Schiefer

Wer sich beim Bummel durch die Gassen gar nicht satt sehen kann, der kann sogar eines der kleinen Häuser kaufen, denn nicht alle sind derzeit bewohnt. „Da würde ich aber in jedem Fall vorher nochmal einen Kontoauszug ziehen“, sagt Paul Lenze und lacht. Ganz billig sei so ein Haus nämlich nicht. „Wer hier eine Sanierung durchführen muss, muss zum Beispiel Schiefer verwenden. Das geht ordentlich ins Geld.“

Wahrlich keine Kosten gescheut hat die Familie, die heute in der alten Feuerwache des Dorfes wohnt. Sogar der Turm, in dem einmal die Schläuche zum Trocknen hingen, ist jetzt bewohnbar und so auch ein echter Hingucker. Direkt gegenüber: das älteste Haus am Platz. „Es ist von 1595, hat aber schon einige Umbauten erfahren“, sagt Lenze und man merkt ihm an, dass ihm die nicht unbedingt schmecken. Historisch ist so ein Dachfenster ja nicht gerade. Dafür ermöglicht es den Blick auf die Burg, beispielsweise.


Wer wissen will, wie die Menschen hier im Fachwerkdörfchen vor mehr als 100 Jahren gelebt haben, geht ins Heimatmuseum. In jahrelanger Arbeit ist eine Sammlung historischer Gerätschaften, Möbel und Bilder zusammengekommen. Zum Staunen, zum Lernen und manchmal auch zum Schmunzeln.

Paul Lenze, Gerhard Trudewind und Ulrich Matuschke führen die Museumsbesucher durch das Fachwerkhaus an der Mittelstraße Nummer 12. Und weil das Museum selbst in einem der alten Häuser untergebracht ist, lässt sich der Alltag der Eversberger vor mehr als 100 Jahren besonders gut nachvollziehen.

„Das Leben spielte sich früher die meiste Zeit in der Diele ab. Hier wurde gekocht, gebacken, gearbeitet“, erklärt Paul Lenze. Und so manches Sprichwort hat seinen Ursprung einer dieser historischen Dielen. „Leg mal einen Zacken zu“ bedeutet zum Beispiel nichts anderes als einen Topf in seiner Halterung näher ans Feuer zu bringen.

Zu sehen – sogar in Aktion – gibt es historische Mausefallen, denn mit den kleinen Plagegeistern hatten die Menschen früher ziemlich viel Ärger. Stolz sind Lenze und seine Kollegen auf ein Sacorum – ein Nachschlagewerk zur Bibel – aus dem Jahr 1568. Und ganz nebenbei gibt es dann auch die Erklärung, warum man ein Buch „aufschlägt“.


Heimatmuseum Eversberg, Mittelstraße 12, 59872 Meschede. Öffnungszeiten im Sommer: Di, Do, Sa: 15-17 Uhr, So: 11-12 Uhr. Eintritt: 2€ (Kinder 1€)

 
 

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