45 Mal Lesen – und noch viel mehr

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Sechs Buchausstellungen mit rund 2000 Einzeltiteln, Kinder- und Jugendbücher aus insgesamt 24 Ländern, eine Schau mit Illustrationen und Originalgrafiken aus Bilderbüchern, Autoren, Zeichner und Verleger wie Janosch, Elisabeth Borchers, Willi Fährmann, Wilfried Blecher und Boy Lornsen (die Erfinder des „Fliewatüüt“) oder Hans-Joachim Gelberg, Kindertheatergruppen aus dem ganzen Land, eine Auswahl an Spiel- und Zeichentrickfilmen, Werkstätten, Plattenbar und Spielezentrum, eine Kinderparty mit „Mister Knister“ und mehr als 80 000 Besucher waren das Ergebnis der 1. Internationalen Kinderbuchausstellung (Ikibu), die 1971 in der alten Mercatorhalle in Duisburg veranstaltet wurde.

70 bis 90 Veranstaltungen

„Klar“, sagt Jens Holthoff, „von so etwas können wir heute nur träumen.“ Rund 3500 Kinder und Jugendliche aus Kindergräten und Schulen besuchen die rund 70 bis 90 Veranstaltungen unter der Woche, die im Rahmen der Ikibu heute jährlich – immer Ende November – in der Zentralbibliothek und den Stadtteilbibliotheken in Duisburg angeboten werden. Seit den Anfängen der Ikibu hat sich vieles verändert – nicht nur die Besucherzahlen, die sich in den Anfangsjahren sogar einmal auf 120 000 beliefen.

„Die Ikibu war das Ereignis – sogar in der Tagesschau wurde darüber berichtet“, erzählt Jens Holthoff. Der Diplom-Sozialwissenschaftler und Sachgebietsleiter der Stadtbibliothek Duisburg leitet die Ikibu seit 2003. „Es war damals das erste Kinderbuch-Festival der Nachkriegszeit. Das ‘Who’is who’ der Szene reiste dazu an.“

Als sich zu Beginn der 70er-Jahre immer mehr kulturelle Einrichtungen neuen Inhalten und Zielgruppen öffneten, sei auch in Duisburg die Idee entstanden, „Kinder und Jugendliche stärker als bislang in die Angebote der Stadtbibliothek einzubeziehen“, heißt es in der Schrift zum 30. Jubiläum der Ikibu. Der Duisburger Bibliotheksdirektor Franz Rakowski erstellte 1971 als Ideengeber zusammen mit dem städtischen Jugendamt, dem Schul-, dem Werbe- und dem Presseamt, der Mercatorhalle, der Buch- und Kunsthandlung „Atlantis“ von Kurt Selbiger und Imma Wick, der Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek, das erste Ikibu-Programm.

Damals wie heute war die Kinderbuchausstellung eine Mischung aus Autoren-Lesungen, Vorträgen, Aktionen, Workshops, Ausstellungen und auch multimedialen Angeboten. Verändert habe sich in all den Jahrzehnten nicht einmal so sehr das Grundkonzept, meint Jens Holthoff. „Es steht immer noch das Buch im Mittelpunkt“. Aber der Veranstaltungsumfang, die Räumlichkeiten und das Budget sind anders – und letzteres dabei vor allem kleiner. „Die Ikibu hat sich in den vergangenen Jahren auch weg von ihrem Messecharakter, hin zu einer schulischen Veranstaltung, zu der man sich anmelden muss, entwickelt. Ein offenes Angebot für alle Kinder gibt es in diesem Jahr nur am Samstag.“ (Siehe Text unten)

Theater für die Ohren

Verändert hat sich aber auch die Art der Lesung, findet der Ikibu-Leiter. „Damals genügte ein bekannter Autor, der aus seinem Buch las, damit die Kinder zuhörten.“ Begriffe wie Leseförderung habe es noch nicht gegeben, die große Konkurrenz durch digitale Medien auch nicht. „Heute ist die Interaktion mit dem Publikum wichtig. Und auch ohne technische Unterstützung von Beamer, Notebook, Hör- oder Musik-CD geht es fast nicht mehr. Außerdem setzen wir verstärkt auf szenische Lesungen, zum Beispiel mit Schauspielern, also einer Art ‘Theater für die Ohren’“, sagt Jens Holthoff. Solche neuen Entwicklungen habe es aber immer gegeben und man könne sie einbinden. Wie man Kinder und Jugendliche für Lesen und Sprache begeistert, sei schließlich zweitrangig. „Mir ist daran gelegen, dass man Kinder überhaupt noch zum Lesen motiviert“, sagt der Ikibu-Leiter. Und wenn er dies mit den Veranstaltungen der Internationalen Kinderbuchausstellung noch einmal so tun könnte, dass sie eine größere Außenwirkung hätten – vielleicht wieder in einer großen Halle... – „Das wäre ein Traum“.

 
 

EURE FAVORITEN