Niederlande im Chaos – waren auch deutsche Hooligans an Protesten beteiligt?

Die Niederlande im Chaos - wirkten auch deutsche Hooligans an den Protesten mit?
Die Niederlande im Chaos - wirkten auch deutsche Hooligans an den Protesten mit?
Foto: dpa

Die Niederlande blickt zurück auf Tage des Krawalls.

Seit Samstag wütet eine krude Mischung aus rechten Hooligans, Corona-Leugnern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in mehreren niederländischen Städten. Autos standen in Brand, Krankenhäuser wurden mit Steinen beworfen, Polizisten gejagt und Läden geplündert.

Auslöser waren eine nächtliche Ausgangssperre, die im Kampf gegen die Corona-Pandemie am Samstag erstmals in Kraft trat.

Niederlande: Corona-Leugner und Rechtspopulisten hatten zu Protesten aufgerufen

Doch wer steckt hinter der Randale in den Niederlanden? Eine große Rolle spielt „Viruswaarheid“, deren Mitgründer Jeroen Pols auch schon bei einer Querdenker-Veranstaltung in NRW auftrat. Sie hatten wie auch der Rechtspopulist Geert Wilders Stimmung gegen die Ausgangssperre gemacht. Auch rechte Hooligans von ADO Den Haag, Feyenoord Rotterdam und PSV Eindhoven oder Pegida-Sympatisanten hatten sich schon in der Vergangenheit immer wieder an Protesten beteiligt.

Jugendliche aus Vorstädten im Sog der Rechten

In deren Sog hatten sich seit dem Wochenende viele Jugendliche und junge Männer aus den Vorstädten angeschlossen. Nicht wenige besitzen einen Migrationshintergrund. Was sie mit den Rechten eint, ist ein Hass auf die Eliten und Perspektivlosigkeit.

Die extreme Rechte hat in der Dynamik der Ereignisse an Bedeutung verloren. „Mit rassistischer Rhetorik inszeniert sich Wilders nun als Law and Order Mann, der mit dem Militär gegen den 'Bürgerkrieg' vorgehen will“, schreibt der politische Analyst Felix Sassmannhausen auf Twitter. Videos zeigen, wie rechte Bürgerwehren sich als Ordnungshüter vor Geschäften aufspielen.

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Waren deutsche Hooligans in den Niederlanden unterwegs?

Bild“ hatte unter Berufung auf Polizeikreise berichtet, dass auch Hooligans aus Deutschland in die Niederlande reisen. Pia Leson, Sprecherin des NRW-Innenministerium, konnte das weder bestätigen noch dementieren: „Bislang liegen den NRW-Sicherheitsbehörden keine Erkenntnisse darüber vor, dass Personen aus NRW an den Ausschreitungen beteiligt waren. Im Vorfeld gab es allerdings in der gewaltbereiten Hooliganszene Aufrufe dazu, insofern kann eine Teilnahme aber nicht ausgeschlossen werden.“

Krawalle auch unweit der deutsch-niederländischen Grenze

Auch unweit der Grenze zu NRW kam es zu Ausschreitungen. Ein Video zeigt, wie jugendliche Randalierer in Roermond ein Einkaufszentrum plündern. Aus Venlo gibt es ähnliche Berichte, hier wurde inzwischen ein Notbefehl erlassen. In deutschen Grenzstädten herrscht entsprechende Sorge, dass die Gewalt auch nach Nordrhein-Westfalen überschwappen könnte. Eine Frage, die auch die Sicherheitsbehörden umtreibt.

Keine Erkenntnisse für Überschwappen der Gewalt

„Im Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen liegen derzeit keine Erkenntnisse dazu vor“, erklärt Pia Leson, Sprecherin des Innenministeriums NRW. Das gelte auch für die Grenzstädte zu den Niederländen.

Die Polizeipräsenz im Grenzraum zu den Niederlanden sei ohne seit geraumer Zeit deutlich verstärkt worden, nicht zuletzt aufgrund der Gefahr durch islamistischen Terrorismus, illegale Migration und im Zuge der Corona-Regelungen, erklärt Jens Flören, Sprecher der Bundespolizei.

„Die Einsatzkräfte haben im Zuge ihrer Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen auch die aktuelle Lage in den Niederlanden im Fokus und sind somit entsprechend sensibilisiert“.

Minister spricht von Abschaum

Seit den Protesten am Wochenende wurden in den Niederlanden 184 Verdächtige festgenommen. Die niederländische Regierung hat deutliche Worte für die Ausschreitungen gefunden. „Man kapituliert nicht vor Menschen, die Schaufenster einschlagen“, sagte Finanzminister Hoekstra am Dienstag der Nachrichtenagentur ANP. Die Randalierer seien keine Demonstranten, sondern „Abschaum“.

 
 

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