Neues TV-Format aus Dortmund: In dieser Talkshow chatten die Gäste über Whatsapp

Die Teilnehmer von WhatsUp kommunizieren lautlos mit dem Messengerdienst.
Die Teilnehmer von WhatsUp kommunizieren lautlos mit dem Messengerdienst.
Foto: TU Dortmund

Whatsapp-Gruppen sind zweifellos praktisch, wenn du etwas mit mehreren Menschen gleichzeitig planen möchtest. Je größer die Gruppe wird, umso schwieriger und nerviger wird die Kommunikation allerdings.

Will man das auch noch im TV sehen? Der Bürgerfernsehsender NRWision aus Dortmund wagte nach einer Idee der Journalistik-Studierenden der TU Dortmund das Experiment und machte aus dem Gruppenchat eine einstündige Talksendung mit dem Namen „WhatsUp“.

Dortmund: Whatsapp-Talkshow – was wird passieren?

Ein seltsames Prinzip? „Es war schon merkwürdig. Normalerweise, in so einer Situation, wenn fünf Leute da in einer Runde sitzen und auf ihr Smartphone gucken und tippen, macht man sich darüber lustig. Es war aber schon spannend. Es hat aber auf jeden Fall Spaß gemacht“, resümiert Stepahnie Zabel vom Verein für Deutsche Sprache nach der Talkrunde.

Moderator Kolja Fach begrüßt die Zuschauer zunächst aber mit gesprochenen Worten, um die stille Sendung zu erklären. „Damit wollen wir rausfinden, was passiert, wenn das Smartphone, das wir im Alltag sowie schon die ganze Zeit nutzen, ein ganzes Gespräch ablöst. Wir wissen nicht genau, was passieren wird, unsere Gäste wissen nicht genau, was auf sie zukommt“. Doch wozu das Ganze?

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Dieser Frage haben sich die Dortmunder Studenten mit ihrem Dozenten Stefan Malter, Chefredakteur bei NRWision, gestellt. „Die Chat-Talkshow hat unsere Zuschauer offenbar dazu angeregt, ihr eigenes Kommunikationsverhalten mal zu überdenken und doch wieder mehr persönlich miteinander zu sprechen. Wenn unser Medien-Experiment es geschafft hat, die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen, dann hat sich unsere größte Hoffnung erfüllt“, erklärt Malter.

Hat sich unsere Kommunikation verändert?

Das Thema der ungewöhnlichen Talkshow: „Wie hat sich unsere Kommunikation durch digitale Technologien verändert?“ Diskutiert wurde das Social Media-Nutzungsverhalten, Anonymität im Netz und Sprachverhalten in Chats.

Dazu hat sich Fach Nicolas Miehlke, Leiter Social Media bei der „heute-show“ (ZDF), Stephanie Zabel, Verein für Deutsche Sprache e.V., Dr. Tobias Wels, Kommunikationsexperte (RedeFabrik) und Sebastian Funk, Lehrer und Wissenschaftsjournalist eingeladen.

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Talkgäste tippen langsam – das bedeutet Wartezeit für den Zuschauer

Danach passiert – erstmal nichts. Moderator Kolja Fach starrt auf sein Handy. Er tippt eine Begrüßung in sein Smartphone, die Zuschauer warten darauf, dass der Text auf dem Bildschirm angezeigt wird. Danach heißt es erneut warten – auf die erste Frage des Moderators.

Er richtet sie an Sebastian Funk: „In welchen Bereichen erleichtern soziale Medien Ihr Leben?“ Langsam kommt die schriftliche Diskussion in Gang.

Die Atmosphäre im Studio ist merkwüdig. Alles, was der Zuschauer hört, ist ein Rauschen, hin und wieder unterbrochen durch den „Neue Nachricht“-Sound von Whatsapp. Ansonsten bleibt es still – die Talkrunde hält sich an das Sprechverbot.

WhatsApp mit Mimik

Einen Vorteil hat die Sendung gegenüber der üblichen WhatsApp-Kommunikation: die Sprecher können sich anschauen, Mimik zeigen. Moderator Kolja Fach schaut hin und wieder erwartungsvoll in die Runde, manchmal machen die Talker selbst nachdenkliche Gesichter.

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Die meiste Zeit starren sie aber auf ihr Smartphone. Ganz genau so, wie tausend andere Menschen jeden Tag im Bus auf dem Weg zur Arbeit oder zuhause auf der Couch. Und genau so entspannt sitzen sie da. Mit dem Smartphone in der Hand rumspielen und Zeit zu haben, die Antwort vor dem Absenden genau zu überlegen, das macht die Talker offenbar entspannt.

Entschleunigende Talkshow

„Die Chat-Talkshow hat unsere Zuschauer offenbar dazu angeregt, ihr eigenes Kommunikationsverhalten mal zu überdenken und doch wieder mehr persönlich miteinander zu sprechen. Wenn unser Medien-Experiment es geschafft hat, die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen, dann hat sich unsere größte Hoffnung erfüllt“, sagt Stefan Malter,

Bei den Gästen kam das ungewöhnliche Format gut an. Die Stunde käme ihm eher wie 20 Minuten vor, findet Nicolas Miehle: „Die Zeit ist ziemlich schnell verflogen.“ Die Wartezeit zwischen den einzelnen Nachrichten war für die Zuschauer allerings teilweise lang, normale Talkshows haben ein deutlich höheres Tempo.

„Natürlich verlangen wir dem TV-Zuschauer mit unserem Medien-Experiment einiges ab. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer entschleunigenden Erfahrung belohnt“, sagt Malter.

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Ein Format mit Zukunft?

Die Menschen lieben es, in den sozialen Medien Dampf abzulassen und zu diskutieren. Dass sie sich auch gern per Chat in eine Talkshow einschalten würden, hält Malter für unwahrscheinlich. „Ich glaube mittlerweile, dass Zuschauer sich gerne wieder mehr zurücklehnen und eine Sendung inhaltlich verfolgen wollen. Wer diskutieren will, nutzt dann lieber separate Kanäle und Netzwerke“, sagt der Medienexperte.

Eine Wiederholung des Sendeformat sei derzeit nicht geplant. „Wenn andere Sender bei uns anklopfen, weil sie die Idee aus unserem Seminar spannend finden: Wir freuen uns über jedes Gespräch!“, verrät Malter augenzwinkernd.

Die Sendung ist in der Mediathek von NRWision zu sehen. (vh)

 
 

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