21-Jähriger bekommt Geld vom Land NRW - weil er jahrelang die falsche Schule besuchte

Nenad Mihailovic verklagt das Land NRW, weil er jahrelang zu Unrecht eine Förderschule besuchen musste.
Nenad Mihailovic verklagt das Land NRW, weil er jahrelang zu Unrecht eine Förderschule besuchen musste.
Foto: dpa

Köln. Elf Jahre lang besuchte Nenad Mihailovic Förderschulen, weil er als geistig behindert galt. Inzwischen ist klar: Der heute 21-Jährige hat einen IQ im normalen Bereich und ist keineswegs behindert.

Bis zu seinem 18. Lebensjahr war Mihailovic Förderschüler, zunächst in Bayern, ab 2009 in Köln. Weil ihm dadurch Bildungschancen entgangen seien, verklagte der 21-Jährige das Land NRW.

Ehemaliger Förderschüler Mihailovic fordert Schmerzensgeld vom Land

Mehr als ein Jahr nach Prozessstart hat das Landgericht Köln nun eine Entscheidung getroffen, die wegweisend für ähnlich gelagerte Fälle sein kann: Das Land NRW muss nach Ansicht des Gerichts eine Entschädigung an Nenad Mihailovic zahlen, weil er jahrelang zu Unrecht eine Förderschule besuchen musste.

Wie hoch die Entschädigung ausfallen soll, darüber ist noch keine Entscheidung gefallen.

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Das Land habe seine Pflichten gegenüber dem ehemaligen Schüler vor allem dadurch verletzt, dass dessen Förderbedarf nicht jährlich überprüft worden sei - so argumentiert Mihailovic in seiner Klage. Wäre das Land seiner Pflicht ordnungsgemäß nachgekommen, wäre früher deutlich geworden, dass der Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ falsch war. Mihailovic hätte dann früher einen Schulabschluss erreichen können.

Spätestens 2011/12 hätten Schule oder Aufsichtsbehörden eingreifen müssen, hatte eine Gutachterin im Prozess erklärt. Damals sei „ohne Begründung und ohne Diagnose“ zusätzlich zur fragwürdigen Bewertung einer geistigen Behinderung ein besonderer Förderbedarf im Bereich „emotional-soziale Entwicklung“ attestiert worden.

Das Gericht sieht den Zeitpunkt noch früher: „Bereits mit Erteilung des ersten Zeugnisses im Juni 2009 hätten genug Anhaltspunkte für eine eingehende Überprüfung vorgelegen“, so eine Sprecherin des Landgerichts. „Die im Jahr 2004 in Bayern getroffenen gutachterlichen Feststellungen konnten im Jahr 2009 keine ausreichende Grundlage mehr darstellen.“

Mihailovic holt Schulabschluss nach - als einer der Klassenbesten

Erst später holte der junge Mann seinen Hauptschulabschluss auf einem Berufskolleg nach - als einer der Klassenbesten.

Bei einer richtigen Einstufung hätte er bereits mit 16 Jahren seinen Abschluss und danach eine Ausbildung beginnen können: Laut Klage habe er einen Verdienstausfall in Höhe von fast 40.000 Euro erlitten. Außerdem stehe ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro zu. Inwieweit das Gericht dem folgt, ist noch unklar.

Am Rande der Verhandlung hatte Mihailovic zuletzt gegenüber dpa erwähnt, er strebe jetzt eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann an.

 
 

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