Essen

Nach Tod einer Patientin (44) in Eschweiler: Wie gefährlich ist eine Magenband-OP wirklich?

In Eschweiler ist eine Patientin wenige Tage nach einer Operation verstorben. (Symbolfoto)
In Eschweiler ist eine Patientin wenige Tage nach einer Operation verstorben. (Symbolfoto)
Foto: imago
  • In Eschweiler ist eine Frau nach einer Magenband-OP verstorben
  • Wie gefährlich sind diese Eingriffe?
  • Wir haben im Alfried Krupp Krankenhaus nachgefragt

Essen. Diese Nachricht schockierte viele Menschen am Dienstag. In Eschweiler ist eine Patientin (44) einige Tage nach einer Magenband-Operation verstorben. Wir haben im Essener Alfried Krupp Krankenhaus nachgefragt, wie gefährlich so ein Eingriff grundsätzlich ist.

Dr. Till Hasenberg ist stellvertretender Chefarzt und Leiter der Adipositas-Chirurgie. Er führt viele Operationen an stark übergewichtigen Menschen durch, tauscht sich regelmäßig mit Kollegen aus und hat immer auch einen Blick auf die neuesten Statistiken.

Komplikationen kommen selten vor

Und die fallen auf den ersten Blick, zumindest für Laien, sehr überraschend aus. „Die Magenband-Op ist heute gar nicht mehr zeitgemäß. Nur noch zwei bis drei Prozent der Operationen werden noch so durchgeführt“, erklärt Hasenberg. „In der Regel wird ein Magenbypass oder die Bildung eines sogenannten Schlauchmagens bevorzugt.“

-------------------------------------

• Mehr Themen:

Mutter (44) stirbt nach Magen-OP in Klinik - dutzende wütende Angehörige belagern Klinik

Anteil fettleibiger Menschen steigt laut Forschern schnell

-------------------------------------

Bei der Magenband-Variante wird ein verstellbares Band um den oberen Teil des Magens gelegt, so dass eine Magentasche entsteht. Über einen Port und einen Schlauch kann das Band je nach Bedarf enger oder weiter eingestellt werden. Die Nahrung wird so langsamer in den unteren Magenbereich weitergeleitet. Die Folge: Man ist schneller und länger satt.

Durch den aktuellen Fall liegt natürlich die Vermutung nahe, dass das Einsetzen eines Magenbandes mit höheren Risiken verbunden ist, doch das Gegenteil ist der Fall. „Laut einer Studie kommt es bei weniger als einem Prozent der Eingriffe zu Komplikationen. Bei den anderen Varianten ist die Zahl höher“, sagt Hasenberg.

Hasenberg macht keine Magenband-OPs mehr

Dennoch gibt es klare Argumente die gegen eine Magenband-OP sprechen. „Viele Patienten haben danach auf lange Sicht Probleme. Es kann zum Beispiel passieren, dass das Magenband verrutscht oder sich über die Speiseröhre legt“. Auch dazu hat der Chirurg das Ergebnis einer Studie parat: „Etwa 40 Prozent der Patienten müssen aufgrund von langwierigen Schwierigkeiten nachoperiert werden.“

Dehalb führt er selbst gar keine Magenband-OPs mehr durch, auch wenn es immer wieder Patientinnen gibt, die explizit danach verlangen. „Viele haben die Vorstellung, dass das Magenband nach einiger Zeit wieder herausgenommen wird und sie trotzdem weiter abnehmen. Sehr häufig ist aber das genaue Gegenteil der Fall.“

Laut Hasenberg treten Komplikationen vor allem dann auf, wenn die Milz bei dem Eingriff verletzt wird und anfängt zu bluten. Auch der Magen selbst könne natürlich beschädigt werden. Wie bereits erwähnt, komme das aber selten vor.

Eingriff sollte der letzte Ausweg sein

Auch in dem aktuellen Fall ist die Todesursache noch nicht abschließend geklärt, auch ein natürlicher Tod kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Das gab die Staatsanwaltschaft Aachen am Donnerstag gegenüber DER WESTEN bekannt.

Grundsätzlich sollte eine Operation aber auch der letzte Ausweg zur Gewichtsabnahme sein. Empfohlen wird es in der Regel nur, wenn Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapien nicht den gewünschten Erfolg bringen. Erst dann sollten sich Adipositas-Patienten ernsthaft mit einem Eingriff beschäftigen.

 

EURE FAVORITEN