Nach Nachricht von Kirchen-Schließungen flossen Tränen im Duisburger Norden

Alles Beten hat nicht geholfen: Die Gemeinde St. Barbara in Duisburg-Hamborn muss sich von seiner Kirche trennen. Sie ist eine von drei Kirchen im Duisburger Norden, der das Ruhrbistum die Finanzierung streicht.
Alles Beten hat nicht geholfen: Die Gemeinde St. Barbara in Duisburg-Hamborn muss sich von seiner Kirche trennen. Sie ist eine von drei Kirchen im Duisburger Norden, der das Ruhrbistum die Finanzierung streicht.
Foto: dapd
Die Katholiken erfahren im Abend-Gottesdienst von den Kirchen-Schließungen des Bistums im Duisburger Norden. Viele ältere Menschen weinen.

Duisburg.. Als Pfarrer Andreas Willenberg in der Abendmesse in St. Barbara im Duisburger Norden das Aus für die Kirche verkündet, fangen viele der 160 meist älteren Gottesdienst-Besucher an zu weinen. Es ist ein tief emotionaler Moment. Da ist Verzweiflung zu spüren, sehr große Traurigkeit. Der Pfarrer lässt die Menschen zu Wort kommen. „Es ist“, klagt ein Katholik, „als wenn Sie ihre Heimat verlieren.“ Und viele der älteren Katholikinnen und Katholiken wissen überhaupt noch nicht, wie sie später zur neuen Kirche kommen sollen. „Wenn es keinen Fahrdienst gibt“, sagen sie, „dann können wir den Gottesdienst nicht mehr besuchen.“

Viele sind enttäuscht, weil es schon die zweite Kirchen-Schließung ist, die sie mitmachen. Vor rund fünf Jahren sei St. Georg geschlossen worden. Und nun St. Barbara.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hatte kurz zuvor den Gremien und der Öffentlichkeit seine Entscheidung zur Zukunft der Kirchen im Duisburger Norden bekanntgegeben: Die Kirchen St. Hildegard und Herz-Jesu bleiben bestehen. Auch St. Peter neben der Merkez-Moschee bleibt und erhält ein sozial-pastorales Zentrum. St. Norbert steht noch auf der Kippe. St. Konrad wird in den nächsten Monaten geschlossen, St. Barbara 2015. Die Kitas sollen erhalten bleiben. Die Pfarreien St. Norbert und St. Johann werden 2015 zusammengelegt.

Gläubige wie betäubt

Mit vielen Protest-Aktionen hatte die Initiative „Rettet St. Barbara“ unter anderem die Schließung dieser Kirche verhindern wollen.

Hans-Georg Hülskämper und seine Frau Charlotte jedoch sehen Kirchen-Schließungen auch als Folge einer Entwicklung: „Solange man es in dieser Gesellschaft nicht schafft, 30- und 40-Jährige und deren Kinder in die Kirche zu kriegen“, sagen sie, „solange muss man sich über Kirchen-Schließungen nicht wundern.“

Die Gläubigen in der Gemeinde St. Norbert, die schon am Nachmittag die Entscheidung des Bischofs erfuhren, waren zunächst wie betäubt. Andreas Willenberg, der auch hier den Gottesdienst hält, verliest den Brief des Bischofs vor dem Beginn der Abendmesse. Als er fertig ist, herrscht Stille. Sie wirkt wie Fassungslosigkeit. Der Pfarrer gibt auch hier den Menschen die Möglichkeit, sich auszusprechen. „Haben Sie Fragen, liebe Gemeinde?“. Aber nichts rührt sich. Die Gläubigen müssen wohl erst einmal verdauen, was sie da gerade gehört haben.

Ihre Kirche soll zunächst bis 2015 bestehen bleiben. Danach soll sie nur noch für Gottesdienste genutzt werden, wenn der künftige Vorstand der neuen Pfarrei das finanzieren kann.

Hinhalte-Taktik

Erst später, nach dem Gottesdienst in St. Norbert, finden Kirchenbesucher Worte für das, was sie bewegt. Marianne Wegscheider, 70, ist enttäuscht. Dass „ihre“ Kirche nach 2015 überhaupt noch eine Chance haben könne, sieht sie nicht. „Ich glaube gar nichts mehr“, erklärt sie. „Uns ist schon so viel versprochen worden.“ Und Anneliese Kazubek hält das Ganze schlicht für „Hinhalte-Taktik“ des Bistums. Sie ist seit 35 Jahren Gemeinde-Mitglied, hat für den Erhalt der Kirche demonstriert. „Die Kirchen-Schließungen schaden der Kirche“, ist sie überzeugt. „Wie soll man denn noch Nachwuchs gewinnen, wenn man sich gar nicht mehr präsentiert?“, fragt sie erbost.

Annegret Metken, 62, hat ebenfalls an den Protest-Aktionen mitgemacht. Für sie hat sich trotz der Enttäuschung der Einsatz insgesamt gelohnt. „Wir haben einiges erreicht“, stellt sie fest.

 
 

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