Nach Herne: Wie einfach komme ich an eine Giftschlange in NRW? Ein Selbstversuch

Die ausgebrochene Kobra in Herne hat auch eine Diskussionum den Kauf und die Haltung von Giftschlangen in NRW ausgelöst. Wir haben den Selbsttest gemacht und geschaut: Wie leicht kommt man an eine Giftschlange in NRW? (Symbolbild)
Die ausgebrochene Kobra in Herne hat auch eine Diskussionum den Kauf und die Haltung von Giftschlangen in NRW ausgelöst. Wir haben den Selbsttest gemacht und geschaut: Wie leicht kommt man an eine Giftschlange in NRW? (Symbolbild)
Foto: imago images / blickwinkel
  • In Herne ist eine giftige Schlange ausgebüxt
  • Ich will wissen: Wie einfach kommt man eigentlich an eine Giftschlange in NRW?
  • Das Ergebnis überrascht

Während in Herne die Suche nach einer giftigen Schlange die Menschen weiter in Atem hält, gibt es jetzt hitzige Diskussionen um die Haltung von Gifttieren in NRW. In unserem Bundesland gibt es kaum Regelungen was die Haltung und den Kauf der Tiere betrifft.

Die Volljährigkeit reicht in NRW aus, um ein Tier halten und erwerben zu dürfen. Lediglich besonders gefährdete Arten müssen gemeldet werden.

Herne: Wie einfach kommt man an Giftschlangen?

Am Mittwoch sagte der Herner Oberbürgermeister Frank Dudda in einer Pressekonferenz: „Es ist schwieriger einen Hund anzumelden, als eine giftige Schlange zu halten.“

Ich frage mich: Ist es wirklich so einfach, eine Giftschlange in NRW zu kaufen? Und starte einen Versuch.

Meine erste Anlaufstelle führt mich zu Zoo Zajac in Duisburg. Es ist das größte Zoogeschäft der Welt. Dort gibt es neben kleinen Äffchen, einem Faultier, Krokodilen und Spinnen – na klar – auch Schlangen.

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Das Gespräch verleiht meinem Kaufwillen einen herben Dämpfer. Giftige Schlangen verkaufe man gar nicht. Zu groß sei das Risiko, dass eine solche Schlange aus dem Laden entkomme. Auch vermitteln würde man keine Schlangen.

In Zoogeschäften scheint es also nicht so leicht zu sein, an eine Giftschlange zu kommen.

Im Internet gibt es zahlreiche Inserate

Ich probiere es im Internet. Eine kurze Google-Suche mit den Stichworten „Giftschlange“, „kaufen“ und „NRW“ reicht aus. Keine zwei Minuten brauche ich, um Online-Foren zu finden, in denen Halter und Züchter ihre Tiere anbieten.

Zwei Angebote wecken mein Interesse. Zum einen ein Paar Zwergklapperschlangen zum Preis von 120 Euro und eine Diamantklapperschlange (Preis auf Anfrage). Verkauft wird jeweils in NRW.

Die Tiere sind alles andere als ungefährlich: Während ein Biss der bis zu 50 Zentimeter großen Zwergklapperschlangen der Art Massassauga Schwellungen, Schmerzen, Übelkeit und im schlimmsten Fall auch Nierenversagen auslöst, ist das Gift der Diamantklapperschlange lebensgefährlich.

Lebensgefährliche Schlangen werden gehandelt

Im Regelfall etwa 1,20 bis 1,40 Meter lang, kann sie Ausmaße von bis zu 2,50 Metern erreichen. Damit ist sie die längste Klapperschlangenart überhaupt. Dementsprechend verfügt sie über eine größere Giftmenge als andere Arten. Ihr Biss kann ohne entsprechende Behandlung zum Tod führen.

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Unter falschem Namen schreibe ich die beiden Verkäufer über das Onlineportal an, äußere Interesse am Kauf. Ich möchte vermeiden, dass sie meinen Namen online suchen und mich als Journalisten identifizieren. Dadurch wäre mein Experiment vermutlich beendet gewesen.

Ehrlich gebe ich an, dass ich im Umgang mit Giftschlangen noch nicht wirklich Erfahrung habe. Innerhalb weniger Minuten landen die Antworten in meinem Postfach. Zuerst vom Verkäufer der Diamantklapperschlange. Er erteilt mir eine Absage. Die Tiere seien für Anfänger „schwierig im Umgang“.

Nutzer warnt vor Leichtsinn

Mein Gesprächspartner empfiehlt mir weiter, mir den Umgang mit Giftschlangen erst einmal zeigen zu lassen oder bei einer Behörde einen entsprechenden Kurs zu machen. Ich solle auf keinen Fall zu leichtsinnig um Umgang mit den Tieren sein.

Ich bin positiv überrascht, nachdem ich zuvor ja innerhalb kürzester Zeit im Netz die Angebote gefunden hatte. Ich frage, woran er erkennen könne, an wen er denn da gerade eine Giftschlange verkauft. Er sagt, dass er sich bei anderen Schlangenbesitzern erkundige, ob sie den potenziellen Käufer kennen. Auch prüfe er, wie mit anderen Tieren umgegangen wird und ob Bescheinigungen über Kurse im Umgang mit Giftschlangen vorgelegt werden können. Immerhin.

Natürlich gebe es aber auch immer wieder schwarze Schafe. Und genau das seien dann eben die Fälle, in denen jetzt in den Medien berichtet wird. Eine Meldepflicht und mehr Auflagen findet er sinnvoll.

Zwergklapperschlangen: Ich erhalte eine Zusage

Wenig später bekomme ich auch die Antwort vom Verkäufer der Zwergklapperschlangen. Er schreibt mir, dass die Tiere noch verfügbar seien und teilt mir Details zur Übergabe mit.

Für 120 Euro könnten mir bald also zwei Zwergklapperschlangen gehören. An dieser Stelle breche ich den Versuch ab.

Ich weiß also nicht sicher, ob ich die Tiere tatsächlich auch ausgehändigt bekommen hätte. Bis hierher wurden mir allerdings nicht viele Fragen gestellt: Gar keine, um genau zu sein. Die einzige Anforderung vom Verkäufer: Ich solle selbst eine Styroporbox für den Transport mitbringen.

Als völlig unerfahrener Schlangen-Fan, für den ich mich ausgab, konnte ich im Internet schnell in eine echte Kaufsituation kommen. Ich hätte ganz leicht an zwei Giftschlangen kommen können. Mit der Kontrolle im Umgang mit giftigen Tieren ist es in NRW offenbar nicht weit her. (dav)

 
 

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