Muslimische Schüler fallen durch „provozierendes Beten“ auf - Wirbel an Wuppertaler Gymnasium

Das Wuppertaler Johannes-Rau-Gymnasium hat ein Verbot gegen provozierendes Beten ausgesprochen.
Das Wuppertaler Johannes-Rau-Gymnasium hat ein Verbot gegen provozierendes Beten ausgesprochen.
Foto: imago/DER WESTEN (Symbolbild)
  • In einem Wuppertaler Gymnasium gibt es Probleme durch „provozierendes Beten“ von muslimischen Schülern
  • Die Schulleitung sprach ein Verbot aus und forderte die Lehrer auf, entsprechende Schüler zu melden
  • Die interne Mitteilung dazu gelangte an die Öffentlichkeit und sorgt für Empörung
  • Die Bezirksregierung sagt: Das Verbot ist rechtens

Wuppertal. Wirbel um das Gymnasium Johannes Rau in Wuppertal: Eine interne Mitteilung der Schulleitung an das Lehrerkollegium gelangte an die Öffentlichkeit und wurde dutzendfach bei Facebook geteilt und diskutiert.

Der brisante Inhalt: „In den vergangenen Wochen wurde zunehmend beobachtet, dass muslimische Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude für andere deutlich sichtbar beten, signalisiert durch rituelle Waschungen in den Toiletten, das Ausrollen von Gebetsteppichen, das Einnehmen von bestimmten Körperhaltungen. Dies ist nicht gestattet.“

Die Lehrer werden außerdem aufgefordert, die Fälle der Schulleitung zu „melden“ und die Namen „festzustellen“. Das klingt nach Polizei-Jargon. Werden hier muslimische Schüler wegen ihrer Religionsausübung diskriminiert? Es gibt massive Vorwürfe im Netz.

Das sagt die Bezirksregierung

Die Schule will sich dazu nicht äußern. Doch die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf bestätigte uns: Das Schreiben ist echt, es stammt vom 16. Februar. Es gehe um „provozierendes Beten“ von muslimischen Schülern im Schulgebäude. Mitschüler und Lehrer fühlten sich dadurch bedrängt. So sehr, dass die Schulleitung Maßnahmen ergriff.

„Das Verbot des Betens auf provozierende Art in der Schulöffentlichkeit soll das friedliche Miteinander fördern und den Schulfrieden sichern“, schreibt die Bezirksregierung in einer Stellungnahme.

Die Schule wollte die Namen der betreffenden Schüler angeblich nur sammeln, um mit ihnen über Alternativ-Lösungen wie Gebetsräume zu sprechen.

Ist ein Gebetsverbot erlaubt?

Ja, sagt die Behörde. „Die Schulleiterin hat dazu die Möglichkeit im Rahmen des Hausrechts. Das verfassungsmäßige Gebot des Funktionierens des Schulbetriebes und des Bildungsauftrags Art 5 GG, geht der Religionsausübungsfreiheit vor.“ Das sei ganz ähnlich wie beim Schwimmunterricht. Auch hier müssten muslimische Schülerinnen teilnehmen - auch wenn das gegen mögliche Religionsgewohnheiten verstoßen sollte.

„Falscher Eindruck“

Die Bezirksregierung versucht nun, „einen falschen Eindruck“ zu verhindern. Das Gymnasium sei als Schule mit großem Engagement für die Integration von Schülern anderer Religionen oder Herkunftsländer bekannt.

So ganz will man sich aber nicht hinter die Schule stellen: Die Wortwahl in dem Schreiben hält die Bezirksregierung für „unglücklich“. Die Schule muss der Behörde nun über das weitere Vorgehen in der Angelegenheit berichten.

„Provozierendes Beten“ - ist das auch an anderen Schulen ein Problem?

Im Regierungsbezirk Düsseldorf seien ihr keine weiteren Fälle bekannt, sagt Pressesprecherin Dagmar Groß.

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