Münster: Das fand die Polizei in der Wohnung des Todesfahrers - Opfer identifiziert - Jens R. war wohl Einzeltäter

Am späten Samstagabend herrschte in Münster immer noch Ausnahmezustand.
Am späten Samstagabend herrschte in Münster immer noch Ausnahmezustand.
Foto: dpa
  • Ein Mann raste in Münsters Altstadt mit einem Kastenwagen in die Menge
  • Zwei Menschen (51 und 65 Jahre alt) wurden getötet, der Fahrer brachte sich vor Ort um
  • 20 Menschen wurden verletzt, sechs davon schwer
  • Bei dem Täter soll es sich um Jens R., einen Deutschen mit psychischen Problemen, handeln
  • Die Behörden schließen einen islamistischen Hintergrund zur Zeit aus

Münster unter Schock: Die Menschen können einfach nicht fassen, was am bisher sonnigsten Tag des Jahres in ihrer friedlichen Stadt geschehen ist.

Samstagnachmittag in der idyllischen Altstadt der Westfalenmetropole: Die Menschen sitzen in der Sonne vor dem Restaurant Großer Kiepenkerl, lachen, trinken Kaffee. Und dann „tschack tschack tschack“ rast ein weißer Kleintransporter in die Menge. Drei Menschen sterben: Eine 51 Jahre alte Frau aus Lüneburg, ein 65-jähriger Mann aus Borken und der Fahrer selbst. Er tötet sich vor Ort selbst mit einer Schusswaffe. 20 Menschen werden verletzt, sechs davon schwer.

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Ein gigantischer Polizei- und Rettungseinsatz rollt an, die Altstadt wird abgesperrt. Die Beamten finden Drähte, die ins Fahrzeug hineinführen, Experten des Landeskriminalamts in Düsseldorf untersuchen das Fahrzeug intensiv. Im Wagen finden die Ermittler die Waffe, mit der sich der Fahrer getötet hat und rund ein Dutzend Polenböller.

Und alle spekulieren: War es islamistischer Terror? Ist Münster die nächste Stadt auf der grausamen Karte der Anschläge?

Am Samstagabend heißt es unter Vorbehalt: Nein. "Es spricht im Moment nichts dafür, dass es einen islamistischen Hintergrund gibt", sagt NRW-Innenminister Herbert Reul.

Was ist bisher über den Täter bekannt?

Wenig sickert im Anschluss über die Hintergründe der Tat durch. Doch es gibt Hinweise, dass es sich bei dem Täter um Jens R. handelt. Der 48-Jährige war demnach polizeibekannt, stammt aus dem Sauerland.

Seine Münsteraner Wohnung liegt etwa drei Kilometer entfernt vom Unglücksort. In einem weiteren Großeinsatz durchsuchten Beamte und Feuerwehr die Wohnung. Dabei soll es auch Knallgeräusche gegeben haben. Inzwischen ist klar: Die Polizei öffnete aus Sicherheitsgründen die Wohnungstür mit Hilfe von Sprengmitteln.

In der Wohnung fanden die Beamten weitere Böller und ein unbrauchbar gemachtes Gewehr, eine AK 47.

Jens R. war angeblich psychisch auffällig. In einer Email soll er vor einer Woche einen Selbstmord angekündigt haben, berichtet die Münstersche Zeitung in ihrem Liveticker. Alle bisher bekannten Informationen über den Todes-Fahrer kannst du hier nachlesen ›

Wie geht es den Opfern?

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) starben drei Menschen, darunter auch der mutmaßliche Täter. Es gab rund 20 Verletzte und Schwerverletzte. Einige Verletzte sollen noch in Lebensgefahr schweben. Zuvor hatte das Bundesinnenministerium von insgesamt vier Toten gesprochen.

Viele Fragen sind noch offen. Vor allem eine: WARUM musste das passieren? Es gibt bisher keine Antwort darauf. Die Details und ein mögliches Motiv würden noch untersucht. "Bislang liegen keine Hinweise auf einen möglichen Hintergrund für die Tat vor. Die Ermittlungen werden mit Hochdruck und in alle Richtungen geführt", so Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt.

Was ist mit weiteren Verdächtigen?

Es gibt zudem Gerüchte, wonach zwei weitere Menschen aus dem Transporter gesprungen und geflüchtet seien könnten. Das sei aber nicht sicher und müsse nun verifiziert werden, sagte ein Polizeisprecher. "Es gibt mehrere Hinweise von Zeugen, denen wir nachgehen", sagte eine Polizeisprecherin.

Inzwischen heißt es von der Polizei: Es gibt keine Hinweise auf weitere Täter. Jens R. handelte offenbar allein.

Was war in dem Kastenwagen?

Die Einsatzkräfte untersuchten auch einen verdächtigen Gegenstand im Auto. Anwesende berichten am späten Abend von zwei lauten Knallgeräuschen. Was das war, ist bisher unklar.

Wie ist die aktuelle Situation in Münster?

Nach dem tödlichen Zwischenfall von Münster soll es am Sonntagabend einen Gedenkgottesdienst im Paulus-Dom geben. Der Münsteraner Bischof Felix Genn leitet den ökumenischen Gottesdienst, der um 19.30 Uhr beginnen soll, wie Bistumssprecher Stephan Kronenburg sagte.

"Wir laden jeden ein, der ein Bedürfnis hat."

Schon am Samstag versammelten sich Münsteraner, um gemeinsam zu trauern. In den sozialen Medien hatten Nutzer zu einer Trauerversammlung am Aasee in der Innenstadt aufgerufen.

Ein paar Dutzend Menschen standen dort im Kreis um Kerzen. Die Jugendkirche Effata in der Innenstadt nahe dem abgesperrten Bereich öffnete nach der Amokfahrt ihre Türen. Auf einer Leinwand hinter dem Altar stand: "Wir beten für die Opfer und ihre Angehörigen".

Die Ermittlungen laufen derweil weiter auf Hochtouren. "Wir haben zur Unterstützung Polizisten aus ganz Nordrhein-Westfalen angefordert, um alle notwendigen Maßnahmen zur Aufklärung dieser schrecklichen Tat zu ergreifen", sagte der Polizeidirektor Martin Fischer, der den Einsatz leitet.

Er lobte die Münsteraner für ihr besonnenes Verhalten: "Die Polizei konnte die notwendigen Maßnahmen schnell und reibungslos treffen, alle haben sich vorbildlich verhalten und den Tatortbereich sehr schnell verlassen. Mittlerweile laufen viele Hinweise zur Tat bei der Polizei Münster ein.“

Das Bundeskriminalamt hat im Internet jetzt ein Hinweisportal geschaltet. Dieser Link führt zu dem Portal, hier können Videos oder Fotos, die im Zusammenhang mit der Tat stehen, hochgeladen werden.

Du brauchst noch mehr Informationen? Dann kannst du hier unseren Ticker nachlesen › (dpa, mto, pen)

 
 

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