Münster: Eklat bei Predigt! Gläubige stürmen wütend aus Kirche: „Das ist pervers“

Ein Pfarrer hat in Münster einen Eklat ausgelöst.
Ein Pfarrer hat in Münster einen Eklat ausgelöst.
Foto: dpa

Münster. Frust, Empörung und Fassungslosigkeit nach der Predigt eines Pfarrers in Münster: Zuerst verließen Teile des Chors, dann 70 weitere Kirchenbesucher den Gottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche. Aber warum, was war geschehen?

In der umstrittenen Predigt in Münster war es um sexuellen Missbrauch und Vergebung gegangen. In seiner Predigt hatte der emeritierte Pfarrer Ulrich Zurkuhlen in Münster davon gesprochen, dass er ein Gespräch von zwei Frauen mitbekommen habe, die über ihre Ex-Ehemänner lästerten.

Münster: Pfarrer empört Gottesdienstbesucher mit seiner Predigt

In der Messe sprach er von Vergebung und davon, wie wichtig es sei, Menschen zu verzeihen. Doch im nächsten Satz überspannte er den Bogen: Er erklärte, auch Priestern, die Minderjährige sexuell missbrauchten, müsse vergeben werden. Damit ist er eindeutig zu weit gegangen, befanden viele Gläubige in der Kirche.

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Das sorgte für einen Eklat - es entbrannte eine hitzige Debatte, zahlreiche Menschen verließen die Kirche.

„Das ist doch pervers“

Am Montagabend gab es ein Gespräch mit Gemeindemitgliedern zu dem Vorfall. Viele Gemeinde-Mitglieder haben sich gegen den kritisierten Pfarrer gestellt. Dieser habe Parallelen gezogen zwischen gescheiterten Ehen und der von Seelsorgern ausgeübten sexuellen Gewalt, kritisierte ein Redner, der an dem Eklat-Gottesdienst Ende Juni teilgenommen hatte.

Er habe gedacht: „Das ist doch pervers.“ Dann sei er aus der Kirche gelaufen, schilderte er am Montagabend bei einem öffentlichen Gespräch in der Heilig-Geist-Kirche.

Rund 150 Gemeinde-Mitglieder waren am Montagabend zu dem Gespräch gekommen. Manche rangen um Fassung. „Herr Zurkuhlen, der braucht hier wirklich nicht mehr zu predigen“, meinte eine Teilnehmerin. "Null sensibel" und "arrogant" habe sich der 79-Jährige verhalten, die Opfer zudem völlig außer Acht gelassen, monierten andere Redner.

Kein Recht auf Vergebung

Zurkuhlens Äußerung widerspreche den Bemühungen in der Gemeinde und des Pastoralteams, betonte der zuständige leitende Pfarrer Stefan Rau. Opfern müsse Gerechtigkeit widerfahren. Es hätten auch Opfer am kritisierten Gottesdienst teilgenommen. Schon zuvor hatte Pfarrer Rau Zurkuhlen widersprochen. Kein Täter habe "ein Recht auf Vergebung".

Zurkuhlen hatte an dem Gespräch am Montag laut Rau nicht teilnehmen wollen. Der kritisierte Geistliche hatte sich nach dem Eklat unbeirrt gezeigt, auf dpa-Anfrage kürzlich betont: "Man kann theologisch gesehen auch Priestern vergeben, die sich an Minderjährigen vergangen haben."

Münster: Pfarrer zeigt sich uneinsichtig

Auf seiner Homepage beharrte er am Montag: Er habe in der Predigt gesagt, "dass ich es an der Zeit fände, dass unsere kirchlichen Hierarchen doch auch den Missbrauchs-Tätern irgendwann vergeben würden."

Der Bischof von Münster, Felix Genn, hatte nach der Predigt von Zurkuhlen reagiert. Der Pfarrer soll nicht mehr predigen. Bischof Genn habe dem 79-jährigen emeritierten Pfarrer diesen Wunsch mitgeteilt und gehe davon aus, dass dieser sich daran halten werde, sagte ein Bistumssprecher am Freitag.

Es handele sich nicht um ein formales Predigtverbot. Denn die Äußerung sei dem Bistum selbst nicht wörtlich bekannt, es gebe keinen Text.

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Leitender Pfarrer: „Das hier ging gar nicht“

Trotz der Kritik bleibt Ulrich Zurkuhlen bei seiner Meinung. Der 79-Jährige erklärt dem Magazin "Kirche und Leben": „Niemand ist nur abgründig böse, oft verbinden sich Güte und Schuld miteinander oder stehen ohne Berührung nebeneinander.“

Der leitende Pfarrer der Pfarrei St. Joseph, Stefan Rau, bezieht eindeutig Stellung. „Ich versuche immer, meinen Kollegen im Pastoralteam den Rücken zu stärken. Aber das hier ging gar nicht. Das Thema Vergebung ist keine Bringpflicht der Opfer.“ (cs/pen mit dpa)