Missbrauchsfall Bergisch-Gladbach: Mann aus NRW am Ostsee-Strand unterwegs – plötzlich schnappt die Polizei zu

Missbrauchsfall Bergisch-Gladbach: An der Ostsee wurde ein Mann festgenommen.
Missbrauchsfall Bergisch-Gladbach: An der Ostsee wurde ein Mann festgenommen.
Foto: imago images/dpa; Montage: DER WESTEN

Der Missbrauchsfall Bergisch-Gladbach zieht immer weitere Kreise!

Am Mittwoch hat die Polizei und Staatsanwaltschaft in Köln neue Details zu einem Einsatz am Dienstag bekannt gegeben.

„Keiner der Tatverdächtigen soll ruhig schlafen können“, sagte Michael Esser, Leiter der Ermittlungsgruppe EG „Berg“.

So entsteht ein Phantombild
So entsteht ein Phantombild

Missbrauchsfall Bergisch-Gladbach: 60 Tatverdächtige ausgemacht

Beim Einsatz in zwölf Bundesländern im Rahmen des Missbrauchsfall Bergisch-Gladbach am Dienstag wurden die Wohnungen von 48 Männer und zwei Frauen durchsucht. Insgesamt waren fast 1.000 Polizisten in 60 Objekten im Einsatz. Nur Berlin, Hamburg, Thüringen und Saarland waren nicht betroffen. Haftbefehlen wurden nicht vollstreckt, alle Verdächtige bleiben auf freiem Fuß.

Es geht um den Verdacht der Verbreitung und des Besitz von kinderpornografischem Material. Hinweise auf Misshandlungen von Kindern gebe es in diesen Fällen bislang nicht. Dennoch war der Einsatz die bis jetzt umfangreichste Maßnahme der EG Berg.

„Wir geben den Kampf gegen Pädokriminelle nie auf, setzen Puzzleteile zusammen, um geschädigte Kinder zu identifizieren und Tatverdächtige zu überführen“, sagte Einsatzleiter Esser. Dafür würden alle technischen und rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft.

„Wer sich Kinderpornografie verschafft, muss sich bewusst sein: hinter jedem Bild steckt auch ein Missbrauchsopfer.“

----------

Mehr zum Thema bei DER WESTEN:

----------

Kleinarbeit um Klarnamen herauszubekommen

Vor allem in Messenger-Chats und Foren kursieren kinderpornografische Bilder. In einem Fall im Kreis Krefeld habe man Kontakt mit den Betreibern aufgenommen und so in kriminalistischer Kleinstarbeit die Klarnamen der Tatverdächtigen rausbekommen.

Über 2.000 Beweismittel konnten bei dem Einsatz sichergestellt werden, vor allem elektronische Datenträger.

Vier Leichtverletzte

Bei dem deutschlandweiten Einsatz kam es zu vier Leichtverletzten. Eine Tatverdächtige soll beispielsweise einen Schock erlitten haben.

In Bayern gab es mit 15 Durchsuchungen die meisten. In einem Objekt wurde ein Server mit Bildern mit kinderpornografischem Inhalt gefunden.

In Sachsen gelang es einem Tatverdächtigem unter einem Vorwand sich ins Badezimmer zurückzuziehen, dort begann er sein Smartphone zu zerstören. Das konnte unterbunden werden. Einsatzleiter Esser dazu: „Wir sind zuversichtlich, dass wir das wieder herstellen können.“

„Wir sehen vernetzte Strukturen“, sagte Oberstaatsanwalt Markus Hartmann, der Leiter ZAC NRW. „Es ist ein Querschnitt der Gesellschaft“, erklärte Einsatzleiter Esser. Darunter Alte, Junge, Verheiratete oder allein Lebende.

---------

Der Missbrauchskomplex Bergisch-Gladbach:

  • Ins Rollen gebracht wurde dies durch eine Durchsuchung bei einem Familienvater in Bergisch-Gladbach im Oktober 2019
  • Dort fanden Polizisten Tausende Bilder und Videos
  • Durch die Daten konnten Spuren zu Chatpartnern hergestellt werden.
  • Die Rede ist von 200 Verdächtigen, zehn Menschen waren bereits angeklagt. Ein Ende ist noch nicht in Sicht.
  • Neben Bergisch Gladbach machten auch Lüdge und Münster in NRW Schlagzeilen wegen Missbrauchsfällen

---------

Mann am Ostsee-Strand festgenommen

In NRW wurde von der Polizei Köln, Bonn, Düsseldorf und Recklinghausen die Durchsuchungen ausgeführt. Insgesamt wurden neun Objekte bei neun Tatverdächtigen hierbei durchsucht.

Ein Tatverdächtiger aus NRW hielt sich am Dienstag in Schleswig-Holstein auf. „Er wurde observiert und ist letztlich an einem Strand an der Ostsee festgenommen und zur Vernehmung gebracht worden“, so Einsatzleiter Esser. (ms)

 
 

EURE FAVORITEN