Dortmund

Dortmunder Jobcenter zieht Michael Hansen (50) 300 Euro Hartz IV ab - weil er gebettelt hat

Symbolbild.
Symbolbild.
Foto: Andres Benedicto / dpa

Dortmund. Michael Hansen (50) aus Dortmund sitzt jeden Tag auf der Straße vor einem großen Modehaus in der Innenstadt und erbittet Spenden. So finanziert er sich sein Leben, wie die Ruhrnachrichten berichten.

Allerdings bezieht Michael Hansen auch Hartz IV vom Jobcenter. Und genau das wird gerade zum Problem für ihn.

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Denn eine Jobcenter-Mitarbeiterin hatte den Mann beim Betteln gesehen. Daraufhin wurde er zum Gespräch geladen.

Wie hoch das Einkommen sei, das er erbettelt, wie hoch er die Prognose ansetzt bis Sommer 2018 und was er für Ausgaben hat - all das sollte Michael Hansen vorlegen.

Betteln als selbstständige Arbeit

Das Betteln wird vom Jobcenter als selbstständige Arbeit eingestuft und so an das vom Amt gezahlte Hartz IV angerechnet.

Heißt nun für Michael Hansen: Er und seine Frau bekommen zusammen monatlich 760 Euro vom Jobcenter plus Miete für die Wohnung. Nun wurde den beiden ab dem 1. August 2017 300 Euro abgezogen - weil er bettelt.

Gesetz steht auf der Seite des Jobcenters

Dagegen legte eine Rechtsanwältin Einspruch ein, das Jobcenter revidierte die Höhe des Abzugs. Seit Anfang September werden den beiden nunmehr 120 Euro abgezogen. Da es für Spenden einen Freibetrag von 30 Euro gibt, sind es im Endeffekt 90 Euro, die dem Ehepaar abgezogen werden.

Das Jobcenter verhält sich laut Gesetz korrekt und sagt selbst, dass Menschen, die Hartz IV bekommen, nicht auf betteln angewiesen seien.

Für Hansens Anwältin, die er nach eigener Aussage beim Betteln kennengelernt habe, ist das Verhalten des Jobcenters „unmenschlich“. Zudem könne Hansen nun nicht für jede „10-Cent-Spende“ eine Quittung ausstellen.