Metropole Ruhr? Nutzer favorisieren den "Pott"

Für jeden Autofahrer auf der Autobahn gut zu sehen: Das braune Verkehrsschild "Metropole Ruhr". Bei den Menschen des Reviers kommt der Name aber gar nicht gut an.
Für jeden Autofahrer auf der Autobahn gut zu sehen: Das braune Verkehrsschild "Metropole Ruhr". Bei den Menschen des Reviers kommt der Name aber gar nicht gut an.
Foto: Lars Heidrich
Das Ruhrgebiet ist ein Ballungsraum, doch „Metropole Ruhr“ trifft nicht das Lebensgefühl. Viele Leser fühlen sich gar um ihre Identität betrogen.

Essen. Mit der Wortschöpfung "Metropole Ruhr" wollten Marketing-Experten dem Ruhrgebiet einen neuen Anstrich geben. Die Zeiten, in denen dampfende Schornsteine in den Himmel ragen, sind längst vorbei. Den "Pott" gebe es nicht mehr. Gibt es doch, und zwar im Herzen, kommentieren unsere Leser. Auch in Kommentaren auf unserer Facebook-Seite herrscht Konsens: Der Begriff "Metropole Ruhr" passe einfach nicht.

"Mit Ruhrpott verbinde ich Heimat, Offenheit, Ehrlichkeit und hier tragen die Menschen das Herz auf der Zunge", schreibt eine Nutzerin. Eine andere sagt: "Der Pott steht für Gemeinschaft und Zusammenhalt. Metropole Ruhr klingt zwar neu aber schrecklich anonym. Ich mag den Pott, der Name ist Programm und vor allem eins: HEIMAT". Die Kampagne "der Pott kocht" habe daher auch mehr "den Nerv des Ruhrpöttlers" getroffen, sagt ein Nutzer. "Auch wenn im Pott nix mehr kocht. Meine Heimat bleibt der Pott oder das Ruhrgebiet, aber nicht so ein aufgebretzelter Scheiß'."

Wandel des Reviers ändert nichts an der Identität

Viele Nutzer eint, dass sie in der Fremde vom Ruhrgebiet reden. Ein Kommentator schreibt etwa: "Liebe Marketingprofis, wir Grubenponys lassen uns nicht vorschreiben, wie wir unser Zuhause nennen." - "Der Pott. Wat anderet gibbet nich", bringt es ein User auf den Punkt. Ohnehin ist der Tonfall in der Debatte natürlich ruhrpöttisch: "Wie irgendwelche Schlipsträger mit weißen Seidesöckchen und Lackschuhen den Ruhr- oder Kohlenpott nennen, ist mir als Bergmannssohn ziemlich Schnuppe", erklärt "Veltepetter".

Schwerwiegender als der verletzte Stolz wiegt bei vielen Usern der Einwand, dass die "Metropole Ruhr" keine Metropole sei. "Solange jede Stadt im Ruhrgebiet immer noch sein Ding durchzieht, wird es zu keiner größeren Einheit kommen, egal unter welchem Namen", schreibt Nutzerin "golden_girl". Eine Metropole habe einen Verkehrsbetrieb statt dutzende, eine Verwaltung statt dutzende und eine kommunale Regierung statt dutzende, moniert ein User. Ein anderer merkt an: "Wenn es wirklich eine Metropole wäre, dann wäre der ÖPNV besser und dann würde nicht jede Stadt ihr eigenes Süppchen kochen." Beklagt wird nicht nur das zähe Ringen um ein gemeinsames Schienennetz, sondern auch die Ko-Existenz von zwei Landschaftsverbänden in einer Metropole. "Das Durcheinander ist ineffektiv und teuer."

Geld für die Kampagne war falsch angelegt

Die geballte Kraft der Revier-Zunge kriegen die Initiatoren allerdings bei den Kosten ab: "Ich trinke meinen Pott im Pott, inner Metropole kostet der nur vier Euro mehr", schreibt ein Leser. Mehrere bezweifeln, dass das Geld für die "Metropole Ruhr"-Imagekampagne gut angelegt wurde: "Ich liebe diese Profis, die von der Materie keine Ahnung haben und glauben, sie könnten dem Volk was ins Maul legen, was schon lange da ist (Pott zum Beispiel) und dafür noch einen Haufen Geld kassieren". Ein weiterer bemängelt, "schade, die Erfinder haben bestimmt eine Menge Geld dafür bekommen, so einen bekloppten Namen zu kreieren. Das wäre an anderer Stelle deutlich dringender gebraucht worden."

Fazit: Die Menschen des Reviers hängen an ihrem "Pott". Alternative Ideen sind in den Kommentaren nur selten zu finden. Phillip Phillie Fularski hat eine: "RuhrYork. Da steckt die Metropole im Detail."

 
 

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