Düsseldorf

Mesut Özil: Integrationsminister Joachim Stamp schießt gegen DFB – und spricht klare Warnung aus

Mesut Özil ist immer noch im Kreuzfeuer der Kritik. Manchen geht das allmählich gegen den Strich.
Mesut Özil ist immer noch im Kreuzfeuer der Kritik. Manchen geht das allmählich gegen den Strich.

Düsseldorf. Die Diskussion um Mesut Özil ist längst zum Politikum geworden.

Angefangen hat alles mit jenem Foto, das Mesut Özil, Ilkay Gündogan und den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zeigt.

Mesut Özil wird zum Sündenbock

DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte Mesut Özil kürzlich zu einer öffentlichen Stellungnahme aufgefordert. Und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff hatte in einem Interview gesagt, man habe „überlegen müssen, ob man sportlich auf Özil verzichtet“.

Mesut Özil wird zum Sündenbock für das peinliche Vorrunden-Aus bei der Fußballweltmeisterschaft erklärt. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte zuletzt in einem überraschend ironischen Ton die Causa Mesut Özil kommentiert: „Auf die Idee, dass ein Foto mit Erdogan an der Niederlage gegen den Fußball-Giganten Südkorea Schuld sein soll, können auch nur DFB-Funktionäre nach 3 Wochen Nachdenken kommen“, schrieb der CDU-Politiker auf Twitter.

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Fall Mesut Özil: Joachim Stamp nennt DFB „unsportlich“

Jetzt äußerte sich auch NRW-Integrationsminister Joachim Stamp. Er nennt das Verhalten der DFB-Funktionäre „unsportlich“. „Ich habe Özil und Gündogan nach dem Erdogan-Foto auch öffentlich kritisiert. Aber ich habe kein Verständnis dafür wie der DFB versucht, das schwache Abschneiden bei der WM an einer einzelnen Person festzumachen“, so Stamp gegenüber DER WESTEN.

Das sei nicht nur unsportlich und widerspreche dem Teamgeist, sondern grenze in seiner Einseitigkeit auch aus. „Wer so nachtritt, darf sich über Reaktionen der Fans nicht wundern."

Stamp geht noch weiter, er hält die Reaktionen des DFB für sehr bedenklich und warnt: „Das Verhalten des DFB ist gerade vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen nicht hilfreich für das gesellschaftliche Klima“, so der Minister.

DFB-Motto „Zusammen“: „Das erwarte ich vom Führungspersonal“

Das Motto der Nationalmannschaft heiße „Zusammen“, so Stamp, der damit auch auf den DFB-Elf-Hashtag #zsmmn anspielt.

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„Das erwarte ich auch vom Führungspersonal des größten nationalen Sport-Fachverbands der Welt.“

Er habe Gündogan und Özil, die „beide Kinder des Ruhrgebiets“ seien, eingeladen, um mit ihnen gemeinsam über Identifikation und Identität auch der nachwachsenden Generation zu sprechen: „Die Einladung steht.“

„Ich hoffe, Özil und Gündogan sind weiter wertvoll für die Mannschaft“

Dass Özil die Nationalmannschaft verlassen könnte, hält der FDP-Politiker offenbar für ein falsches Signal. „Wir müssen in unserer Gesellschaft klar machen, dass jeder von uns als Mensch wertvoll ist - unabhängig von der Herkunft seiner Eltern oder Großeltern. Und ich hoffe, dass Özil und Gündogan weiter wertvoll für die Nationalmannschaft sind."

Joachim Stamp hatte sich schon vor Wochen klar positioniert. Noch vor dem WM-Spiel gegen Mexiko hatte der NRW-Integrationsminister auf Twitter ein Bild von sich im Gündogan-Trikot gepostet. Der Text: „Warum ich heute ein Gündogan-Trikot trage? Weil er einer von uns ist und ein großartiger Spieler!“ Gündogan war davor im Testspiel gegen Saudi-Arabien von einigen Fans gnadenlos ausgepfiffen worden.

Auch andere Politiker bezogen Stellung. Grünen-Politiker Cem Özdemir etwa warf dem DFB „verbandsinterne Feigheit“ vor. „Statt sich jetzt entschlossen gegen die leider auch eindeutig rassistisch grundierte Kritik zu stemmen, hauen die Protagonisten Grindel und Bierhoff noch tiefer in die Kerbe der Özil-Kritik“, sagte er der „Zeit“ (hier die ganzen Aussagen von Özdemir).

Mesut Özil: Die Hintergründe des Erdogan-Eklats:

Hintergrund der Diskussion ist ein Treffen des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und den Premier-League-Spielern Mesut Özil (FC Arsenal), Ilkay Gündogan (Manchester City) und Cenk Tosun (FC Everton). Die drei Fußballer überreichten Erdogan ihre Trikots und ließen sich dabei den anwesenden Medienvertretern ablichten.

Für die beiden deutschen Nationalspieler gab herbe Kritik für die Aktion: Der Auftritt sei Wahlkampfhilfe für Erdogan gewesen, hieß es unter anderem.

Wenige Tage nach den Aufnahmen trafen die Özil und Gündogan sich sogar mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Gündogan äußerte sich später gegenüber der Presse - ein Statement von Özil blieb aus.

 
 

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