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Meinung: Shitstorm gegen H&M wegen einer Socke? Hört auf mit der Heuchelei!

Wut auf H&M – wegen einer Socke.
Wut auf H&M – wegen einer Socke.
Foto: Hanif Bali/Twitter

Essen. Eine Socke, ein Pullover und Gott werden dem schwedischen Modehaus H&M derzeit beinahe zum Verhängnis.

Aktuell macht dem Unternehmen ein Kringel zu schaffen. Auf einer Kindersocke. Eine Art Legomännchen mit einem Presslufthammer ist darauf zu erkennen, und ein Kringel deutet in Comic-Manier an: Das Männchen hüpft auf und ab.

H&M hatte Shitstorm wegen eines Kringels am Hals

Irgendwer war der Meinung, dass dieser Kringel absolut so aussieht, wie das arabische Schriftzeichen für Allah, also Gott - und tat seine Meinung bei Twitter kund: H&M verletze damit die religiösen Gefühle von Muslimen.

Nun, wenn man die Socke verkehrtherum dreht und dann ganz genau hinschaut, dann erkennt man auf den dritten oder vierten Blick tatsächlich ... auch beim besten Willen keine Übereinstimmung mit dem arabischen Schriftzeichen. Dennoch hatte H&M einen Shitstorm am Hals, musste sich entschuldigen und hat die Socken aus dem Sortiment genommen.

Pikant: Erst ein paar Tage zuvor war H&M in die Schlagzeilen geraten - wegen eines Rassismusvorwurfs. Grund: Auf einem Werbefoto war ein schwarzer Junge in einem grünen Pullover zu sehen. Auf dem Pullover steht: „Coolest monkey in the jungle“ - also: Coolster Affe im Dschungel. Das hatte für viel Empörung im Netz gesorgt.

Affe ist rassistische Bezeichnung für Schwarze

Als eine der ersten hatte Bloggerin Stephanie Yeboah auf Twitter geschrieben, es sei doch bestens bekannt, dass das Wort „Affe“ eine verbreitete rassistische Bezeichnung für Schwarze sei.

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Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die jeden einzelnen Tag Rassismus ausgeliefert sind. Alltagsrassismus muss zermürbend sein. Ich maße mir keinesfalls an, jemandem abzusprechen, dass er sich angesichts eines solchen Pullovers verletzt fühlt.

Aber ein weltweiter Shitstorm? Bei dem - wie das bei Shitstorms üblich ist - Tausende mitmachen, weil es nur einen Klick, ein Like, einen kleinen Satz der Empörung zu einem Thema, mit dem sich die meisten nicht länger als eine Minute beschäftigt haben, kostet? Für mich riecht das arg nach Heuchelei.

Modeketten produzieren unter schlimmen Bedingungen - dafür gibt es keinen Shitstorm

H&M lässt wie Primark, Kik, Esprit, C&A und viele andere Modeketten auch immer noch Kleidung unter Bedingungen produzieren, die zumindest arg an der Grenze der Menschenwürde kratzen. Einen Shitstorm gab es deswegen noch nie.

Und jeden Tag können wir erleben, wie Menschen wegen ihrer Hautfarbe ausgegrenzt oder anders als die Mehrheit behandelt werden. Im Büro, in der Schule, im Bus, an der Discotür. Nur selten erleben wir im Alltag, dass Menschen sich dann empören - würde ja auch mehr kosten als einen müden Klick.

Sich zu empören ist manchmal gut. Aber, liebe Shitstormer: Richtet eure Energie doch lieber darauf, jenseits von Twitter gegen Rassismus zu kämpfen. Und vor allem: Lasst die digitalen Fackeln und Mistgabeln stecken, solange ihr euch mit dem Thema, das ihr so gern hassen wollt, nicht wenigstens fünf Minuten lang beschäftigt habt.

 
 

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